Urlaubslektüre: der nasse Fisch



Titel: der nasse Fisch
Autor: Volker Kutscher
Verlag: KiWi
Seiten: 496 S.
ISBN: 978-3-462-03932-0
Preis: E-Book/Broschur (8.99); gebunden: (19,90)
Ich habe gezahlt: 0 ich hab es zusammen mit den drei anderen Bänden gewonnen (danke nochmals Lovelybooks!)

Inhalt:

Kriminalkommisar Gereon Rath ist neu in Berlin und ist dort bei der Sitte gelandet. Aber illegale Nachtclubs ausheben, und Pornofotographen jagen, macht ihm keinen Spaß. Als eines Tages ein Toter aus dem Landwehrkanal gefischt wird, beginnt Rath auf eigene Faust zu ermitteln und sticht in ein Wespennest. Denn das Berlin der 20er Jahre ist ein brodelnder Vulkan.

Meinung:

Ich mag Krimis nicht.
Es ist immer das Selbe. Da ist ein Typ, und der ist Polizist. Sein Leben ist dabei den Bach runter zu gehn und er hat ein Problem mit Alkohol, Frauen, seinem Job und seinem Leben an sich. Sagen wir, er ist einfach mit der Gesamtsituation unzufrieden.

Ich habe sämtliche Bücher dieser Reihe bei Lovely Books im Paket gewonnen und sagte mir: einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul. Außerdem, klang es vom Rückencover her, sehr nach Noir. Und ich mag das Genre eigentlich sehr gern.

(Ich steh auf Männer im Trenchcoat und mit Fedora^^)

Ich hab das Buch während, der nicht enden wollenden, Autofahrt von Deutschland nach Italien gelesen. Und was soll ich sagen, (fast) alle Klischees wurden mal wieder bestätigt.

Gereon Rath unser Protagonist, schlägt wirklich in jede Kerbe, die man als Ermittler treffen kann.

- Er trinkt zu viel.
- Er raucht wie ein Fabrikschlot (so viele Overstolz wie dieser Mann raucht ... seine Lunge ist besser geteert, als eine vierspurige Autobahn)
- Er hat ein Problem mit Frauen (seien wir ehrlich, er IST ein riesen Arschloch. Das sag nicht ich, das sagt sein Love-Interest Fräullein Charlotte Ritter, und die Kleine hat Recht)

Und genau das war das Problem an dem Buch. Gereon Rath ist ein ARSCHLOCH. Ich wusste nie, ob ich mir nicht wünschen sollte, dass er drauf geht.

Er macht alles im Alleingang. Also so eine Art, "einsammer Wolf" Gehabe, aber er macht das auf so umsymphatische Art und Weise, mir geht das nicht ab. Er BENUTZT alle Menschen in seinem Umfeld, um sich selbst, den Vorteil zu verschaffen, von der Sitte in die Mordkommision zu kommen.
Ich habe wirklich nichts gegen "hardboiled" und seine Charaktere. Ich LIEBE Joe Abercrombie und Konsorten. Aber für seine Figuren empfinde ich wenigstens Symphatie. Für Gereon Rath hab ich nur ein müdes, Schulterzucken übrig.

Denn egal, was er tut, es hat keine schlimmen Konsequenzen und ALLES aber auch wirklich ALLES in diesem Buch, ist PURER Zufall. Rath hat NULL Kombinationsgabe.

Genau DESHALB mag ich Krimis nicht.

Ich weiß nicht, ist Polizeiarbeit wirklich so, immer schön auf Tante Zufall setzen?
Aber, die großen Rätsel des Buches, werden durch puren Zufall miteinander verknüpft. Es geht ja um Gold (das steht auch innen in der Inhaltsangabe, ist also so gesehen kein Spoiler) und Rath erfährt aus purem Zufall davon!
Auch kann er sich durch puren Zufall, vor Strafverfolgung retten (mehrmals)

Bei den übrigen Figuren schwanke ich zwischen sehr gut (Charlotte Ritter; der Onkel; Böhm; Dr. Schwarz), und abgekupfert (Doktor M. der mich total an Doktor Moriaty erinnert hat Oo natürlich mit Quotenchinese)

Setting:

Gut, ich mag die Hauptperson nicht. Aber der Grund warum ich dieses Buch gelesen habe, und momentan schon fast fertig mit Teil 2 bin, ist das Setting. Denn das ist erste Sahne. Mal im Ernst. Ich war überrascht, beigeistert, fasziniert und empört.

Überrascht darüber, WAS 1929 schon alles möglich war (das es da schon Karstadt gab, ich weiß echt NIX über mein Land. Wird mir immer wieder erschreckend klar, wie sehr ich in Geschichte gepennt haben muss)

Begeistert davon, wie echt alles wirkt. Man ist mitten drinn. Berlin wird lebendig (ich mag zwar Berlin nicht, aber es ist cool darüber zu lesen)

Fasziniert, davon, wie sehr sich die Weltgschichte jetzt schon vorzeichnet. Der Nationalsozialismus, schwingt immer als Unternote mit. Und ich die ja weiß wie alles endet denke nur: OH oh oh ... Oh Gott!!!

Empört wie spießig wir Deutschen doch sind. Berlin versucht wirklich eine Metropole zu sein. Glitzernd, mit Neonröhren und Jazzmusik. Aber im endeffekt endet alles immer bei Knödeln, Steppdecke und einem Kurzen. Und das ist so authentisch, so typisch deutsch. Manchmal möchte man nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen und rufen, sind wir wirklich so (ja wir sind es wohl).

Fazit:

Ich mag die Hauptfigur kein bisschen und der Schluss hat mich enttäuscht (weil alles so Knall auf Fall ging und es für Herrn Rath relativ klimpflich ausging. Aber es kommen ja noch Bände, in denen die Geschehnisse von Bd. 1 mit einfließen. Deshalb sei es dem Autor verziehen)
Das Setting und die Sprache, machen es wieder wett, das ich Herrn Rath nicht ausstehen kann.

Das Buch hat mich zwar nicht zum Krimi bekehrt, ABER es hat ihn weniger abstoßend für mich gemacht.

Der Herr Rath hat sogar eine eigene Seite. Einfach dem Link folgen, wenn man sich genauer informieren will.

---Buchcover und andere wichtige Information wurden der Seite des Verlags Kipenheuer & Witsch entnommen ----

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