Der Unsymphat die Zweite - Rezi zu "der stumme Tod"



Titel: der stumme Tod - Gereon Raths zweiter Fall
Autor: Volker Kutscher
Verlag: KiWi
Seiten: 541 S.
ISBN: 978-3462042122
Preis: 9,99€ Broschur

Ich hatte ja das große Gereon-Rath Packet (alle 4 bisher erschienen Bücher der Reihe) auf Lovelybooks gewonnen.

Nun hab ich endlich einmal Zeit (und Muse) Teil 2 zu kommentieren.

Inhalt:

Der Tod einer aufstrebenden Filmschauspielerin, führt Kommisar Rath in die glitzernde Welt des Berliner Films. Mitten hinein in ein Ära, in der der Stummfilm langsam ausstirbt und der Tonfilm die Leindwand erobert.
Als immer wieder Schaupsielerinnen ermordet aufgefunden werden, ist klar, ein Serientäter ist unterwegs und Rath muss ihn stoppen, bevor er das nächste Mal zuschlägt.

Meinung:

Klingt bestimmt interessant. Ist es leider nur bedingt.
Krimis und ich ... das ist wie ... Cherry-Coke und Iny Lorentz und ich.
Es will und will einfach nicht klappen.

Eine durchaus in ihren Grundzügen spannende Story wird durch die vielen Schwächen die das Buch meiner Meinung nach hat, kaputt gemacht.

1. Man weiß sofort, wer der Täter ist.

Schon bevor er auf Gereon Rath trifft (im ersten Drittel des Buches und da ist wirklich JEDEM klar, dass dieser Mann der Killer sein MUSS) gibt es immer wieder Passagen aus der Sicht des Mörders.
Diese sind, im Gegensatz zu dem Rest des Buchs, im Präsens gehalten. Der Autor hatt damit versucht die Psyche eines so wirren Kopfs einzufangen, was m.M.n. nur bedingt gelungen ist.

Wir wissen wie der Mörder mordet.
Warum er mordet.
Wo er mordet.
Wir kennen sein krudes Motiv.

Allerdings erwächst sich aus der Tatsache, dass wir als Leser diesen Informationsvorsprung haben, keine wirkliche Spannung. Denn Rath jagt den Täter zwar, aber ohne dass es (bis zum Ende dann) ein Katz und Maus spiel wäre.

Man wartet einfach 200 Seiten darauf, dass der Herr Rath ENDLICH eins und eins zusammenzählt, zu der Person fährt und sie hochnimmt.

2. Zu viele Nebenschauplätze:

Das Buch strotzt nur so vor Subplots.
- Raths Vater kommt nach Berlin und bittet ihn für seinen alten Kollegen, das ist niemand geringeres als Herr Konrad Adenauer, einen Erpressungsfall aufzuklären. Das macht der Herr Rath. Einfach mal so, neben den Mordermittlungen so neben bei.
Mir zu einfach. Zu schnell und eigentlich zu unrealistisch. Mal wieder auf Tante "großer Zufall" gesetzt und gewonnen.

- Rath bandelt mal wieder mit Charlie an. Endlose Ausflüge lang, die nix zur Handlung beitragen, außer dass sie Seiten füllen.

- Raths Freund aus Köln kommt vorbei und der Versuch eine lustige Geschichte aus der Kindheit zu erzählen endet für mich mit diesem Gesichtsausdruck: ÖÖ ja was sollte das jetzt.

- Rath hat jetzt einen Hund (wohl der letzte Versuch ihn symphatisch zu machen. Hat bei mir nicht funktioniert)

3. Rath ist und bleibt ein Unsymphat

Herr Rath ist ein Säufer. Ja, das muss man so sagen. Wenn er nicht gerade eine Overstolz nach der nächsten quarzt, säuft er wie ein Loch.

Er benutzt Frauen, wie es ihm gerade passt.

Er benutzt andere Menschen wie es ihm gerade passt. Hält sich an keine Regel. Herr Rath darf andere verprügeln und schafft es dann sogar noch den ungeliebten Kollegen ein Disziplinarverfahren anzuhängen, während ER der IMMER gegen jede Regel, jedes Gesetzt und jeden Anstand hinweg am laufenden Band Scheiße baut, kommt er IMMER ungeschoren davon!

Es ist wirklich nicht zum aushalten, das so ein Mistkerl immer so ein Glück hat.
Für mich grenzen seine Ermittlungsmethoden und Erfolge immer an puren Zufall. Die Arbeit machen immer andere, Herr Rath fährt immer noch mit dem Auto rumm, raucht, säuft und zack bum, irgendwas ergibt sich schon. Diese "einsamme Wolf"-Masche zieht bei mir nicht. Weil Herr Rath nichts, aber auch gar nichts sympathisches an sich hat.

Das allerschlimmste aber, ist der Versuch des Autors, in diese Story noch Witze einzubauen. Oder lustige Situationen zu schaffen.
Meist wird das durch die Darstellung von unwichtigen Nebencharakteren getan, die einfach als rumpeldumm ausgelegt wurden.

Preusisch spießig + dumm = Witz

Nicht zum aushalten. Es gab eine Szene in der ruft der Herr Rath bei einem Chinarestaurant an, um zu fragen, ob sie eine gewisse Frucht führen, und woher sie diese beziehen.

Der Chinese an der Strippe versteht kein Wort. Will Herrn Rath immer einen Tisch für halb fünf andrehen, während Herrn Rath den Chinesen anbrüllt und schließlich entnerft aufgibt.
Ich finde das schon deshalb peinlich, weil damals ja noch fast keiner ein Telefon zu Hause hatte. Warum ausgerechnet die Chinesen jetzt eins haben und benutzen, obwohl sie kein Wort Deutsch können ... keine Ahnung. Es SOLLTE wohl witzig sein, wars aber nicht.

Genauso wie Charlies und Raths Besuch auf dem Fernsehturm. Sie waren der 1 Millionste Gast. Eine ganze Szene fast so unnötig wie ein Kropf. Wieder mit verkrampft, gewollten Humor, wo ich einfach nur dachte: Und als nächstes wird Charlie Miss Berlin und Herr Rath Mitarbeiter des Monats, DANN haben wir wirklich alles durch!

Ich hätte mir von dem Buch, wirklich mehr erhofft, denn Supermann Rath kann sich immer aus allem herauswieseln, ohne dass ich genau sagen kann, wie eigentlich. Die Logik und der Realismus bleiben da schon Kapitelweise auf der Strecke und das Rath sich immer wieder retten kann, und nie für seine Verfehlungen mal ordentlich eins auf den Deckel bekommt, spricht für sich.

Vielleicht ist es die Intention des Autors, einen Charakter zu schaffen, der alles mal en passant macht, und aus sich wie Baron Münchhausen, an seinen eigenen Haaren aus der Scheiße zieht, die er verbockt hat. Aber bei mir bleibt einfach immer ein fader Deus Ex Machina Nachgeschmack zurück.

Schade.

--- Cover von der Seite des KIWI-Verlags entnommen -----

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