Masel Tov - Rezi zu "die Vereinigung jiddischer Polizisten"


Titel: die Vereinigung jiddischer Polizisten
Autor: Michael Chabon
Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-13793-5
Preis: 9,90€ Broschur

Inhalt:

Michael Gambons großartiger Roman spielt in einer alternativen Historie.

Der Staat Isreal, 1945 nach dem zweiten Weltkrieg gegründet, (nachdem die Amerikaner endlich eine Atombombe auf Berlin abgeworfen haben) wird 1948 von den Arabern dem Erdboden gleichgemacht und die Juden haben, keine drei Jahre nach der Gründung, ihre nächste Diaspora.
Große Klasse!

Da sie mal wieder nicht wissen wohin, beschließt Amerika, netterweise, ihnen ein Gebiet oben in Alaska, für eine bestimmte Dauer zu überlassen. Den Distrikt Sitka.

Sechzig Jahre sind seit dieser glorreichen Gründung vergangen, und was ist?
Auch Amerika will sie mehr, oder weniger wieder loswerden. Der Distrikt soll aufgelöst werden, das würde bedeuten, dass das Volk Israel schon wieder heimatlos da steht.

Mitten rein, in diese "Reversion" (also die Zurückführung zu Amerika) platzt der Mord an Mendel Sphielman.
Der junge Mann liegt eines Abends, die Nase voll mit Koks und mit einem neun Milimetergeschoss im Hinterkopf, in seinem Zimmer im Hotel Zamenhof.

Wie gut, das der abhalfterte Detective Meyer Landsmann das Zimmer obendrüber hat. Er nimmt die Ermittlung auf , was gar nicht so einfach ist, denn die Reversion ist wie gesagt in vollem Gange und eigentlich wollen alle einfach nur noch weg (wenn sie denn irgendwo hin können). Und wer interessiert sich da schon, für eine tote Koksnase? Unterstützt wird Landsmann bei dieser fast schon aussichtslosen Suche durch seinen Cousin Berko (der ist ein Halbindianer-Jude, BTW der einzige Halbindianer-Jude, der mir je untergekommen ist)

An sich wäre das das ja nur ein ganz normaler Mord, vielleicht auch der letzte Mord, den man im Distrikt Sitka aufklären könnte.
Wäre da nicht eine winzige Tatsache, die man über Mendel Sphielman wissen sollte.
Es könnte sein, nun ja ... das Mendel Sphielmann der Zaddik ha-Dor gewesen ist, der Messias auf den die Juden jetzt schon eine Weile warten

Meinung:

Mich hat das Buch von der ersten Seite an begeistert. So sehr, das ich es innerhalb von drei Tagen gerissen habe.

Allein die Erzählperspektive, ist schon etwas ganz anderes.
Präsenz, aber in Erzählerperspektive.
Repsekt, an Herrn Chabon, dass er das so gut hinbekommen hat.

Das Buch steckt voller skuriler Leute und irrwitziger Wendungen.
Und nebenbei lernt man jiddisch und kann sein Wissen über das Judentum noch mal auffrischen.

Krimis sind ja eigentlich gar nicht so mein Fall, aber dieses Buch, ist eine wie ein guter Noir Film. (In meinem Kopf war es sogar schwarz/weiß)

Die Stimmung ist ... ja, es hat etwas von Weltuntergang, weil eine ganze Welt (in dem Fall die jüdische) Mal wieder zusammenbricht.
Man will eigentlich die ganze Zeit nur den Kopf schütteln und sagen: Och Leute, nicht SCHON wieder.

Meyer Landsmann gibt einen wunderbar heruntergekommenen Polizisten ab, dem man, im Gegensatz zu vielen anderen heruntergekommenen Polizisten (ist wohl eine Berufskrankheit) immer noch etwas sehr liebenswürdiges abgewinnen kann.

Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen, für alle, die einmal etwas ganz anderes lesen wollen.

----Cover von der Seite des KiWi Verlags entnommen ------

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