Lauwarme Vampire und ferngesteuerte Katzen - Rezi zu Blutprinz


Titel: Blutprinz
Autor: Liz & J.K. Brandon
Verlag: SiebenVerlag
ISBN: 978-3-940235-86-2
Preis: Broschur: 14.90€; E-book: 8,99€


Inhalt:

Natalie ist eine erfolgreiche Innenarchitektin in Wien.
Auf der Eröffnungsparty eines neuen Gebäudes, dessen Lobby sie und ihre Freundin Tina gestaltet haben, trifft sie auf André Barov.

Was sie nicht weiß, der attraktive Mann ist ein Vampirfürst und Natalie wird in einen Strudel aus uralten Fehden und blutiger Rache gezogen.

Meinung:

Klingt irgendwie spannend, oder?

Uralte Fehden, Vampirclans und eine Frau die ins Dunkel der Nacht blickt und ihren Mann fürs Leben findet. Romantasy vom Feinsten.

Für mich eher nicht.

Das Buch aus dem SiebenVerlag gab es umsonst, bei einer Aktion. Ich bin ja jetzt nicht der größte Fan, was diese neue, schmachtende Art von Vampiren angeht (ich bin immer noch eine Verfechterin von Dracula), aber ich dachte mir, hey, der SiebenVerlag verlegt nur deutsche Autoren, vielleicht entdeckst du wieder eine, die sich zu lesen lohnt.

Leider gelingt es deen Autoren nicht, dass bei mir der Funke überspringt.
André und Natalie ... ja, WAS ist den da zwischen ihnen?
Liebe?
Leidenschaft?

Ich meine, was bringt sie zusammen?
Bei André ist es, dass Natalie aussieht wie seine tote, erste große Liebe (IMMER total der SUPER Grund eine Beziehung einzugehen. Selbst wenn er ihr später immer wieder sagt, er würde SIE lieben und nicht Alessandra in ihr sehen ... sorry, dafür hängt er der Vergangenheit etwas zu sehr hinterher)

Und Natalie.
Ja ... hm ... was bringt sie dazu André zu lieben. Im Ernst, keine Ahnung. Wahrscheinlich der Brett-Faktor.
Sie ist einsam, sexuell unterversorgt und er ist a) heiß, b) reich, c) verfügbar = Brett.

Aber damit könnte ich mich ja noch abfinden, irgendwo, wenn der Plot nicht so haarsträubend wäre.

Hier ein paar meiner Kritikpunkte, die evtl. kleine Spoiler enthalten.

Alles ist total vorhersehbar und zeitliche Abläufe stimmen nicht:


Am Anfang. Natalie ist auf der Party, André bekommt nen Anruf und lässt sie stehen. Ihr wird das zu blöd und sie denkt: Pfff der kann mich mal, ich gehe.
Die Pagen am Ausgang bieten ihr an, ein Taxi zu rufen.

Nimmt sie an?

Nö.
Stattdessen läuft das auf sowas raus: Ne danke, ich lauf zum Taxistand, durch diese zwielichtig aussehende dunkle, enge Gasse.

Das war wie bei die Schöne und das Biest, als Belles Vater lieber die Abkürzung durch den gruseligen Wald nimmt.
Sie latscht also, auf ihren zwölf Zentimeterabsätzen, los und wundert sich dann, dass sie von Vampir-Punks überfallen wird.

Das war sooooo vorhersehbar. Wirklich! Das ist, als würdest du dir ein Schnitzel um die Hüfte binden, im Piranhabecken schwimmen gehen und dich dann wundern, wenn die Viecher dich fressen.

Das kann man jetzt einfach mal blöd nennen. (Blöd ist glaube ich Natalies Grund-Charaktereigenschaft)

So dann passiert folgendes: Der Oberböse-Punker (der auf den supercoolen Namen Death hört) boxt sie um, sie fällt hin, er ist auf ihr, sie schreit "HILFE!", er nimmt ihren Kopf, haut ihn auf den Boden, dann kommt ein Schatten und reißt Death von ihr Runter (der Schatten ist André)

Wenn ich das Ganze mal durchrechne, wie lange so etwas dauert. Also er boxt sie um, ist auf ihr drauf, sie schreit Hilfe, er nimmt ihren Kopf und zack der kollidiert mit dem Boden, sagen wir ... ein, zwei Minuten. Höchstens.

Schnitt.

Andrés Perspektive. Er steht auf dem Dach und telefoniert. Dann hört er Natalie von UNTEN Hilfe schreien. (Wir wissen sie liegt schon auf dem Boden. Death greift JETZT nach ihrem Kopf, um ihn aufzuschlagen und DANN müsste André schon kommen) Ich dachte: OKAY, der wird jetzt da runter springen und ... nein.

Er schaut runter: Hm. Ne dat überlebt ich nicht.
Rennt! Zu Fuß! Sechs Stockwerke hinunter (nicht Überschallmäßig), danach durch die Party, wird da noch von einem angequatscht, wimmelt den ab, die Tür raus, über den Parkplatz, durch die halbe dunkle Straße und dann ... ihr merkt ... DAS PASST DOCH NICHT!

Ich weiß nicht, vielleicht bin ich auch ein Korinthenkacker, aber sowas stört mich beim lesen!

Fähigkeiten

Großer Gott Andrés Fähigkeiten.
Er kann in den Geist anderer Leute eindringen und durch ihre Augen sehen, sie zwingen Dinge zu tun, oder sogar ... sie töten.

Warum zum Geier er das nicht bei Death macht, als er oben auf dem Dach steht? Nu ... keine Ahnung. :D
So eine fette Klopperei kommt bei der designierten Dame in Nöten besser an. Denke ich mal.

Dafür kann er ja seine Katze fersteuern.
Ja, genau seine Katze.

Denn als Death und Konsorten seine Wohnung demolieren (woher die seine Adresse haben? Keine Ahnung ...) und beinahe Natalie schon wieder umbringen, hat er eine telephatische Verbindung zu seiner Katze Bastet. :D

Die geht dann Killer-Kitten-mäßig und von ihm ferngesteuert auf die Angreifer los. Puss in boots ist nichts dagegen.

Dazu kann er auch noch sich selbst heilen, kann Natalie einschläfern und so weiter und so fort.
Für einen Vampir kann er echt verdammt viel.

Und mir war dieses Telephatiedings einfach zu over the top und letztlich hab ich es als lächerlich empfunden.

In die Köpfe aller kann er eindringen, in die seiner Gegenspieler nicht. Aber das kam bei mir nicht so an, wie: Ja das hat einen guten Grund, sondern eher wie ein: Ja er darf sie halt jetzt noch nicht fertig machen, weil sonst ist ja die Geschichte aus, und ich muss hier schluss machen.

Simpel

Der größte Kritikpunkt an "Blutprinz" ist allerdings, das die Autoren es simpel halten.

Was ich damit meine.

Beispiel:

André findet heraus, das jemand ihn betrogen hat. Dieser Jemand ist Geschäftsführer einer Firma. André fährt hin und bedroht den Mann.

Der bekommt Panik und André riecht ihn, und dann kam sowas wie: "Er roch den Gestank ungewaschener Haut".

Also bitte. Die Autoren sind gut darin, Figuren die negative Aspekte personifizieren, mit negativen Attributen auszustatten. Und sowas geht mir als Leser tierisch auf den Zeiger. Einfach weil man beim lesen denkt: Häh? Der Typ im Designeranzug wäscht sich nicht, oder wie?

Natürlich, so muss man sich nicht lang und breit mit ausbalancierten Gegenspielern aufhalten, ihnen echte Beweggründe, Motive und Motivationen basteln.

Der Geschäftsführer einer Firma, klar der wäscht sich nicht, der MUSS ein Verräter mit niederen Motiven sein. Jeder Investmentbanker den man in einer Bar aufreißt, ist ein potentieller Vergewaltiger und alle Punks riechen nach Exkrementen.

Tada ...

Das gesamte Buch ist in dieser einfachen Art und Weise gehalten.
Große Geständnisse "Ich bin ein Vampir" "Mein Freund wurde ermordet", werden ja ... mal so hingenommen. Und dann ist man auch schon wieder weg.

Emotionale Tiefe? Spannung?
Eher mäßig.

Wie gesagt, was die zwei aneinander finden ... ich weiß es nicht.

André ist eigentlich ... ich weiß gar nicht wie. Ich könnte ihn nicht einmal sagen, was seine Hauptcharaktereigenschaft ist.

Natalie ist dagegen einfach nur strunzblöde. Bei ihr dachte ich nur die ganze Zeit. Mädchen. Mädchen. Mädchen.
Ich weiß nicht, was die Autoren mit ihr aussagen wollten, aber sie kommt mir vor, als würde sie nur existieren, damit André was zum verlieben hat.

Denn eigentlich hat sie keine nennenswerten Charaktereigenschaften. Sie soll wohl das Bild einer toughen Karrierefrau abgeben. Aber eigentlich ist sie nur ein Abklatsch davon.

Sie kommt mir im gesamten Plot eher wie ein dummes, verheultes Kind vor. Das sich in Selbstmitleid suhlend zu Hause verkriecht, weil es vor sechs Jahren von seiner großen Liebe sitzen gelassen wurde.

Also ich bin auf jedenfall froh, das Buch nicht gekauft zu haben.
Ich hätte mich, vorallem wegen der fehlenden Gefühle und den flachen Charakteren totgeärgert.

---- Cover von der Seite des SiebenVerlags entnommen ---

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