verwirrend naiv - Rezi zu "die dritte Prinzessin"

Seit ich einen Kindle-E-Reader besitze, liebe ich Kurzgeschichten.

Früher fingen lesbare Geschichten für mich bei mindestens 250 Seiten an. Alles darunter ... da verschwendete ich keinen Blick für.

Kurzgeschichtensammlungen? Anthologien? Short-Stories?
Das alles waren Dinge für mich, die sich nicht zu lesen lohnten. Kaum bist du drin in einer Story, ist sie schon wieder vorbei.

Mit dem Kindle habe ich richtig Lust auf solche kleinen Geschichten bekommen. Sie lassen sich perfekt in einer oder zwei Kaffeepausen lesen.

So bin ich auch auf "die dritte Prinzessin" von J.R. Kron gestoßen.



von J.R. Kron
 ca. 50 S.
Dateigröße: 251 KB



Inhalt:

Garvin soll in dieser Nacht endlich in den Heerhaufen aufgenommen werden und zum Mann werden.
Stattdessen ruft sein Hauptmann ihn zu sich und gibt ihm einen "Spezialauftrag".
Er soll Prinzessin Marla beschützen, denn eine Gruppe von Verrätern will ihren Tod.
Und plötzlich sieht sich Garvin im Zentrum einer königlichen Verschwörung.


Aufbau/Stil/Sprache:


Die Geschichte beginnt genauso spannend, wie die Zusammenfassung sich liest.
Schnell ist man Mitten im Geschehen und mit Garvin auf dem Weg zur "alten Poststation" um sich dort mit der Prinzessin zu treffen.

Aber schon da, fängt die Geschichte an wackelig zu werden.
Der Autor wollte eine Verschwörung aufziehen, aber leider gelingt es ihm nicht, Spannung aufzubauen.

Nachdem das Unglück seinen Lauf nimmt, kommt der Leser leider viel zu schnell auf die Lösung. (zumdinest ich)

Die Figuren in der Geschichte reden zu viel. Zu viel wird bis zum Tode ausdiskutiert, was den Autor in Sackgassen manövriert, aus denen er seine Figuren nur dadurch befreien kann, indem sie vollkommen überzogen reagieren oder zu flapsig werden.

Garvin stellt seinem Hauptmann unfassbar viele Fragen. Wie es komme, dass man bei einer Verschwörung nicht die Palastwache informiere, warum ER das jetzt machen müsse, was er denn machen müsse.

Irgendwann ist der Punkt erreicht, dass er Autor nicht mehr auf Garvin Fragen antworten kann, ohne dem Leser zu viel vorweg zu verraten oder ihn gleich auf die "richtige" Fährte zu locken.
Also werden die Antworten des Kommandanten immer flapsiger. Bis hin zu: "Ja ... und mach mal und ...".
Von einem Autoritätsgefälle innerhalb des Heerhaufens, bleibt da nicht mehr viel über.

Der Leser muss in "die dritte Prinzessin" nicht wirklich kombinieren, nicht rätseln oder groß nachdenken. Denn alle Erkenntnisse werden von den Figuren für den Leser gelöst, erklärt und ausdiskutiert.
Was natürlich nicht mehr viel Spannung über lässt.

Was ebenfalls stört war das Schema:
A behauptet etwas. Garvin fasst es als die Wahrheit auf. Und tut was A sagt.
B kommt dazu und behauptet, dass das was A sagt gelogen ist. Also glaubt Garvin das was B sagt und fasst es als gegeben und wahr auf und tut jetzt das was B von ihm will. Oo

Auch bleibt der Realismus böse auf der Strecke, wenn selbst gefährliche Verletzungen andauernd mit, von der Kleidung abgerissenen, Stoffstreifen verbunden werden. Und man Prinzessinen nach fünf Minuten einem das du anbieten.

Nachdem also vieles geklärt wurde, und es zum großen "Showdown" kommt, hatte ich beim Lesen das Gefühl in einem B-Movie festzustecken.

Auch der "Endkampf" besticht durch unlogische, flapsiges und Fremdscham verursachendes aggieren der Protagonisten.
Ernst nehmen konnte ich das Ende nicht. Das Tableau welches der Autor da auffährt, ist knapp an einem Sharuk Kahn Ende in Bollywood vorbeigeschrammt. Gemischt mit vielen phatetischen Reden seitens der Prinzessin.

Angesichts der Endszene kann ich das Handeln der Prinzessin nicht so ganz nachvollziehen, aber seis drum.

Ein richtiges Ende gibt es nicht.
Die Szene reist ab.
Den Rest gibt es von zwei Pennern in der Retrospektive erzählt. So ala: Ja und dann ist noch das und das passiert.

Nicht wirklich befriedigend.

Was ebenfalls negativ auffällt, sind Anglizismen die m.M.n. in einem Roman der sich "historisch" nennt, nichts zu suchen haben.

Worte wie flirten, gab es in einer pseudo-mittelalterlichen Welt einfach nicht, so etwas stört beim Lesen ungemein.

Ebenfalls hat es gestört, das Garvin seinen Vorgesetzten mit "Sir" anredet. Alle anderen Namen des Buches und das Setting lassen auf ein eher deutsches Umfeld schließen. Wieder etwas, das nicht zusammenpasst.

Man kann "die dritte Prinzessin" gut in einer dreiviertel Stunde lesen. Leider trüben die ganzen Aufbau- und Stilfehler erheblich das Lesevergnüngen.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Rezension] Eisige Schwestern

[Montagsfrage] Kommentare

[Bookrant] Pakt des Blutes