Adieu Lieblingsthema - meine Lesedepression am Wochenede

Jeder Leser hat seine Lieblingsthemen. Meine beste Freundin verschlingt ein "altes Herrenhaus mit Familiengeheimnis"-Buch nach dem anderen.
Meine Mutter liebt Krimis mit "kulinarischem Bezug". Ohne Witze, sie hat "Teufelsfrucht" innerhalb von einer Woche gelesen, absoluter, unschlagbarer Rekord!

Mein Lieblingsthema war, über lange Jahre, "Phantom der Oper".

Angefangen mit dem (auf mehr als nur eine Art) gruseligen Original von Gaston Leroux. Über das unschlagbare "Phantom" von Susan Kay. Es gab böse Ausrutscher nach Unten (Progeny) und lustige Stunden im Erotiksektor (Phantom der Lust)

Letzte Woche beim Durchforsten der Untiefen des Internets, bin ich auf "No Return: A Contemporary Phantom Tale". Contemporary ... das heißt, es spielt Heute!



Angetan von der Option meine Lieblingsgeschichte mal mit Autos, Handys und Tiefkühlpizza zu erleben, habe ich mir das Buch auf meinen Kindle geladen.

Es beginnt eigentlich ganz gut. Christine Daly ist Musikschülerin in L.A. und fühlt sich beobachtet. Dann trifft sie ihren Kommolitonen Randal (Raoul) und die Zwei kommen sich näher.

Okay Okay. Wenn man 50mal das Selbe liest, gibts keine großen Überraschungen mehr, hm? Es ist als hinge man in einer Endlosschleife fest, und weiß genau was kommt. Genau wie bei Titanic (als würde dieses dumme Schiff JEMALS den verdammten Eisberg NICHT treffen). Spartacus. Biopics. Man weiß ja eh schon wie es ausgeht und was kommt.

Solange der Focus auf Chris lag, hatte ich kein Problem mit dem Buch. Alles gut. Dann wird Erik "das Phantom" POV-Charakter und das Buch ist gekippt.

Ich war so dermaßen angewiedert, das ich mich gefragt habe, wie ich so etwas jemals toll finden konnte. Oder war es nur die Tatsache, dass es andere Gegebenheiten waren. Ich schwankte.

Erik. Reich. Klug. Mit einer begnadeten Stimme gesegnet. Soweit alles okay. Setzt einen Privatermittler auf Musikschülerinnen an. DAS war schon creepy.

Im Original ergibt sich die "Beziehung" zwischen Erik und Christine einfach aus der Tatsache heraus, dass er in der Oper "haust" und sie dort arbeitet. Also summa sumarum ein einigermaßen normales boy-meets-girl.

In diesem Buch setzt Erik geziehlt jemanden auf Sängerinnen an. *Würg*

Weiter gehts, nicht, nur dass ich DIESES Grundverhalten schon ekelhaft finde (sorry keine Mitleidspunkte hier). Ich versteh auch das Problem nicht. Der Kerl hat "nur" ein halbes Gesicht. Okay. Alle plastischen Operationen nützen nix. (WTH? Ich meine WAS kann denn da so kaputt sein, dass die das nicht hinbekommen, obwohl seine Eltern im Geld schwimmen und die Besten der Besten angagieren) des weiteren, raff ich nicht, was der DESWEGEN so ein Fass aufmacht. Ich ja nicht so, dass der wie im Original fünfzig wäre, und keine Nase hätte. Nö. Nur ein halbes Gesicht. Und das in einer Zeit (Heute) in der Leute mit wassermelonengroßen Gesichtstumoren eine Familie und einen Job haben. Torsomenschen drei Kinder haben und Leute ohne Arme den Segelflugschein machen.

Ich schüttelte den Kopf.

Dann erfahre ich, dass er sich Phantom der Oper angeschaut hat (klar spielt ja Heute *_*) und sich seitdem auf der Suche nach "seiner Christine" begeben hat. Also sie MUSS genau die Stimmlage haben WIE IM MUSICAL (Colloratursopran), sie muss genau so aussehen wie Sarah Brightman (also langes, dunkles, lockiges Haar. Große Augen. Wie im Musical!!!) und sein Privatermittler stalkt seitdem die Studentinnen der Musikschulen in L.A. und Pasadena.
Aber hey, die eine hatte die perfekte Stimme, aber war rothaarig, und die nächste, ja da hat ihm das net gepasst.

Ich denke mal dass dem "echten Phantom" Christines Aussehen total egal war. Wie oberflächlich ist denn das bitte?

Jetzt ist sie ja aber mit Randal am rumknutschen und Erik beschließt ihn auszuschalten.

Das war der Moment (bei ca. 15% des Buches) an dem ich nicht mehr konnte. Ich hab den Kindel vor mich aufs Bett geschmissen, als wäre er ein giftiges Insekt. Mir ist richtig ein Ekelschauder über den Rücken.

Klar, war die Beziehung zwischen Erik und Christine nie "gut" oder "perfekt". Aber es war ein klassisches "Schöne und das Biest"-Thema. Ja, er war Irre, und ein Stalker und nicht gut für sie. Aber sogar Edward Cullen ist ein irrer Stalker und alle lieben ihn.

ABER DAS!

Ich bin ins Wohnzimmer und hab auf mein Regalbrett mit der "Phan"-Literatur geschaut und hab sie ganz nach hinten ins Regal verbannt. Hab irgendwie meine Joe Abercrombie Bücher davor gestapelt, dass ich sie nicht mehr sehen muss.

Seit Samstagabend hab ich so das Gefühl, dass ich mein Lieblingsliteraturthema für immer verloren habe!

Kommentare

  1. Zitat: "Und das in einer Zeit (Heute) in der Leute mit wassermelonengroßen Gesichtstumoren eine Familie und einen Job haben. Torsomenschen drei Kinder haben und Leute ohne Arme den Segelflugschein machen."

    Herrlich, herrlich, ich musste so grinsen. Vergleichbare Gedanken kommen mir hin und wieder auch, wenn die Schwierigkeiten in Romanen an den Haaren herbeigezogen werden.

    LG Heather

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