Fiebrig bunt - [Rezi] Léonide

Ich liebe es wenn es Autoren gelingt Historie mit Fantasyelementen zu mixen und deshalb war ich vollkommen wuschig auf Léonide.



von Charlotte Schäfer 
Siebenverlag (03/13)
220 Seiten 
ISBN:978-3-864431-32-6
Preis. 14.99 (Buch) 8.99 (Ebook)

Inhalt:

Die neunzehnjährige Léonide Géroux wächst im Arles/Südfrankreich des 19. Jahrhunderts im Haus ihrer Eltern auf. Als ihr Bruder, der Maler Willem Géroux, in der Hitze des mediterranen Sommers dem Fieberwahn verfällt, beschließt sie, den renommierten, aber ebenso gefürchteten italienischen Mediziner und Alchimisten Costantini um Hilfe zu bitten. Nach und nach beginnen Wahn und Wirklichkeit zu verschwimmen. Wer ist Costantini und welche Rolle spielt er in Willems Leben? Als Léonide sich auf die Suche nach Antworten macht, begegnet sie nicht nur der Liebe, sondern auch dem Tod.

Meinung:

Wie ich oben schon schrieb, ich LIEBE historische Fantasy. Oder historische Bücher mit Mysterieelementen. Ich konnte es gar nicht abwarten mir Léonide auf den Kindle zu laden und loszulegen. Es war genau mein Thema.

Aber schon nach ein paar Seiten fing es an, zu stocken.


Was mich beim lesen unheimlich ausgebremst hat, war die Tatsache, dass der Roman im Präsens geschrieben ist.
Präsens ist so gar nicht meins. Ich mag es nicht mal bei Dystopien (wo es ja förmlich zum guten Ton gehört Ich-Person + Präsens zu benutzen)

Deshalb kamen mir die 220 Seiten fast doppelt so lang vor.

Die Gesichte, die auf dem Klappentext sehr spannend klang, plätschert große Teile des Buches einfach nur vor sich hin.
Den Großteil des Buches nimmt Léonides Gedanken/Gefühlswelt ein. Etwas, was mir auch so überhaupt gar nicht liegt. Es passiert zwar andauernd etwas, aber das Geschehen wirkte irgendwie zwischen die ausschweifenden Gedanken der Protagonistin gequetscht.
(Wie gesagt, wer so etwas mag, bitte sehr. Aber ich bin eher der Leser der auf Aktion statt auf Reflexion steht)

Zwar rätselt man mit, ob sie sich das ganze wirklich nur einbildet, ob sie wahnsinnig ist, oder ob Constantini wirklich dabei ist sie langsam in den Wahnsinn und in den Tod zu treiben.
Aber die Autorin verwendet für meinen Geschmack einfach zu oft ein und die selben Bilder (ich weiß bis jetzt nicht, ob das immer Wiederkehrende jetzt ein Stilelement ist, oder einfach nur eine Wortwiederholung. Gewisse Füllsätze kommen ich glaube ein gutes dutzend mal vor, das ich beim Lesen immer wieder das Gefühl hatte, ich hätte das alles schon einmal gelesen. z.B. Huschen gefühlte zweidutzendmal Eidechsen irgendwo hin. Alles ist immer rot und orange und glühend heiß. Wieder und wieder und wieder. Andauernd geht es um die Aussicht auf die Alpillen, oder wie die Hitze etzt schon wieder auf sie herabbrennt. Andauernde Vergleiche und die Häufung von Farbadektiven tun ihr Übriges (gut es geht um Malerei, aber irgendwann war es mir dann doch zu viel))

Wie gesagt: Stilmittel? Wortwiederholung? Zeichen des Wahnsinns? Ich kann es nicht einschätzen.

Mit der Figur Léonide konnte ich nicht so ganz warm werden. Ja, sie will in ihrer Zeit, eine unabhängige Frau sein. Aber dafür ist sie viel zu introvertiert. Ich wurde zwar Teil ihrer ausufernden Gedankenwelt, aber an Aktion lies die Gute es hapern.

Für einen Roman im historischen Gewand, war er erschreckend unhistorisch. Bis auf wenige Ausnahmen (das sie mit Kutschen fahren oder die ein zwei Mal, als Léo erwähnt, dass sie ein Kleid trägt) hätte das Buch genauso gut auch heute Spielen können.

Die Landschaftsbeschreibungen ist ausufernd mit Farbadjektiven unterlegt. (Wie gesagt, Malerei spielt eine große Rolle) und ich denke auch, dass die Autorin dahingehend gut recherchiert hat.
Aber auch in der Beschreibunge der Orte kamen viele Wiederholungen vor. Tannen und Pienen krallen sich andauernd in schroffen Stein. Landschaften die schon wie aus einem Dalí-Gemälde geschnitten scheinen, ähneln sich schon auf gravierende Art.

Ich bin was dieses Buch anbelangt irgendwie Zwigespalten. Ein Teil von mir sagt, es war ein annehmbar gutes Buch, während ein anderer Teil immer nur auf die Wiederholungen linst und langsam mit den Augen rollt, wenn zum gefühlt hunderten Mal Eidechsen aus Mauerlöchern huschen (ja ich bin pingelig bei sowas) und die Handlung sich auf Léos Innenleben beschränkt, anstatt Fahrt aufzunehmen.

Léonide ist ein Dreisternebuch. Ganz in Ordnung, aber nichts, was ich begeistert in einem Rutsch herunterlese.

Wer also introvertierte Heldinnen mag, die viel über ihre Gedanken/Gefühle sinnieren und dem Teufel im Fieberwahn gegenübertreten der ist hier sehr gut bedient.

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