Historie mit Knorze - [Rezi] der letzte Paladin

Habt ihr mal wieder Lust auf einen historischen Roman mit Unterhaltungswert?
Wie wäre es mit dem neuen Buch von Richard Dübell


 

von Richard Dübell
Bastei-Lübbe
493 Seiten
ISBN:978-3-7857-2469-9
19.99€


Inhalt:

Anno 777. Für den jungen Frankenkrieger Roland ist es eine große Ehre, als er in den erlauchten Kreis der Paladine von König Karl aufgenommen wird; und sein Glück scheint perfekt, als Karl ihm die schöne Arima als Frau verspricht. Doch Arimas Herz gehört einem anderen: ausgerechnet Afdza Asdaq, dem Heerführer der Mauren – und damit einem  Feind der Franken.
Dennoch entwickelt sich zwischen den beiden Männern eine tiefe Freundschaft – bis sie einander in ihrer größten Schlacht als Feinde gegenüberstehen. Doch keiner der beiden ahnt, dass ihre Schicksale eng miteinander verbunden sind. Und dass Arima den Schlüssel zur Wahrheit in Händen hält …

Meinung: 
Ich habe das Buch im Zuge einer Leserunde auf Lovelybooks gelesen und mein Dank geht zunächst an den Autor. Selten eine so gut organisierte, nette und aufschlussreiche Leserunde wie diese gehabt. 
Aber nun zurück zum Buch an sich. 
Ich hab die Inhaltsangabe gelesen und sofort gedacht: Ja, das muss ich lesen. 

Ich LIEBE historische Romane, wirklich, ich liebe sie. Was ich nicht mag, sind Frauen in den Hauptrollen. Das ist jetzt zwar persönlicher Geschmack, aber ich kann Bücher über Hebammen, Huren oder zu früh emanzipiertes Weibsvolk, das sich als Mann verkleidet, einfach nicht mehr sehen. 
ICH WILL MÄNNER!

Schwer so etwas zu finden, vor allem im deutschen historischen Sektor der ja eher auf "starke Frauen" abboniert ist. 

Das Buch kam und ich hab mich drauf gestürtzt, jetzt bin ich fertig und ihm mit etwas gemischten Gefühlen gegenüber.

Positiv ist zu vermerken, dass ich (nicht nur durch die LR) unheimlich viel gelernt habe. Das der Autor es wirklich schafft, das Mittelalter lebendig werden zu lassen und mich auf mehr als nur eine Art und Weise zu unterhalten. 

Außerdem konnte ich mich nicht recht entscheiden ob ich mehr in Remi (Rolands besten Freund) oder in Afdza Asdaq verschossen bin. Muss aufhören sich ständig in Buchfiguren zu verlieben

Das Buch an sich, hat eigentlich alles, was ein wirklich guter Roman braucht. Eine spannende Story, Charaktere mit denen man mitfiebert, eine Liebesgeschichte, allerdings kann ich nicht mit vollem Gewissen sagen: ABSOLUT GENIAL. 

Ja, es war ein gutes Buch. 
Ja, der Autor versteht sein Handwerk (was er ja schon in Büchern wie "die Teufelsbibel"-Trilogie unter Beweis gestellt hat)
Aber leider gab es auch manche Aspekte daran die  mir nicht zugesagt haben.

Manchmal, und da bin ich ehrlich, fiel es mir schwer, das Buch ernst zu nehmen.
 
Wenn sich z.B. Roland und Arima über einen Ausritt streiten, als wären sie fünf Jahre alt.
Oder der Autor versucht witzig zu sein, in dem er unaussprechliche Sachsennamen, unaussprechlichen fränkischen Namen gegenüberstellt, was die Figur dann aber, als Innovation preist.

Humor ist etwas feines und wenn er mit einem Augenzwinkern untergebracht wird, ist es eine wirklich tolle Sache. Aber es kommt m.M.n. auch immer auf das Genre an. Ich habe schon verstanden, dass der Autor diese "Einlagen" nimmt um die anfängliche Unbedarftheit seiner Charaktere zu symbolisieren, ich mochte es halt einfach nicht.

Und leider werden auch in "der letzte Paladin" wieder alte Klischees bedient. Das Bedrängen von Jungfrauen durch eklige Anverwandte. Die große Depression der Protagonistin (ich weiß wieder warum ich Frauen in Histos NICHT mag). Diese Szenen gehören scheinbar zum guten Ton der "Histo Branche" und machen die Figur der Arima zu meiner "nicht Lieblingsfigur".

Als Fazit kann gesagt werden, der letzte Paladin ist ein gut recherchierte, spannender Roman mit kleinen Schwächen, die andere Leser vielleicht sehr unterhaltsam finden mögen. 

Überschriftenerklärung für alle Nicht-Pfälzer:

Ich bin Pfälzerin, wenn wir Knorze sagen, meinen wir in diesem Kontext kleine Fehler. Das ist wie wenn jemand versucht Hochdeutsch zu reden, gestochen scharf, aber dann ein "awwer" oder ein "aaaaayo" einbaut ohne es zu merken. ;) Das heißt bei uns dann "Pälzisch mit Knorze"

Ethymologisch kommt das glaube ich von "Wurzel". Aber es ist vielseitig einsetzbar. Ach wenn z.B. ein hartes Brötchen kauft. "Wasn das fer ä Knorze", oder wenn man etwas an den Kopf bekommen hat "Der hat mer ä Schipp üwwer der Knorze gezoh".



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