Bombastisch historisch - [Rezi] the Religion

Immer wenn ich in Großbritannien bin, stürzt mich WHS (eine Buchladenkette) in eine tiefe Krise.
Anders als bei uns gibt es in England keine Buchpreisbindung. Und das wiederrum bedeutet, dass ich zwei Bücher kaufe, und von einem nur die Hälfte des Preises zahlen muss.

Das ist doch grausam.
So eine Versuchung.

Wir (meine beste Freundin und ich) standen in Edinbrugh am Flughafen und warteten auf unseren Flug und was sehe ich da.

"The Religion" von Tim Willocks aus dem Vintage Verlag.

(Ich poste hier den Link zu Amazon.com.uk, weil beim Verlag Coverdownloaden nicht geht. Doch das Cover ist so toll, ich muss es mit euch teilen)



Inhalt: 

Malta, 1565. The greatest war the world has ever seen is unleashed on the doomed island as the Turks do battle with the Knights. The Knights call themselves The Religion. The Turks call them the Hounds of Hell.
Back in Sicily, the beautiful, rich Carla pines for her bastard son, lost in the bloody inferno across the water.
Enter Mattias Tannhauser - warrior, hero and double agent. Under Carla's command, he embarks on a death-defying mission to save her son. But can he evade the Inquisition and escape to run the Turkish blockade to victory in time?

Meinung: 

Meiner Liebe zu historischen Romanen steht immer der Einheitsbrei der Verlage im Weg. 
Jedes Buch und jedes Genre mag seine Fans und Liebhaber haben, jedem das Seine, jedem das was ihn glücklich macht. 

Aber die Masse an Heldinnen, die sich aufmachen die Vergangenheit als Hebammen, Heilerinnen oder Dirnen zu erobern, spricht mich einfach nicht an. 

Männer in tragenden Hauptrollen historischer Romane sind selten. 
Genau deshalb musste ich dieses Buch haben.

The Religion ist brutal. Es ist ehrlich. Und es ist (soweit ich das als nicht Historiker beurteilen kann) authentisch. 
Der Autor wird oft (von Amazon und den Verlagen) mit Ken Follett verglichen. Dazu kann ich nichts groß sagen, weil ich bei Follett schon an den ersten Seiten von "die Säulen der Erde" gescheitert bin. 

Was ich aber sagen kann, ist dass Tim Willocks, sehr viel Kraft und Arbeit in seine Figuren legt. Und sehr viel über sie einbringt. Bis Seite 100 ist wirklich noch nicht viel passiert, aber Willocks ist einer der Autoren, bei dem mich das nicht stört. Ich ziehe zu viel aus seinen Figuren, die wirklich gelungen sind. (DAS hat mich persönlich an Joe Abercrombie erinnert. In dessen ersten Band der "First Law"-Trilogie auch nicht wirklich viel passiert ist, du aber die Figuren so toll findest, dass du die anderen beiden auch noch lesen musst)

Es gibt viele verschiedene Handlungsttränge. Sowohl auf Seiten der Helden (Matthias; Amparo, Carla, Orlandu) als auch der Seite der Antagonisten (z.B. der Inquisitor und der türkische General dessen Namen ich beim besten Willen nicht mehr zusammen bekomme). 

Alle Handlungsstränge waren spannend, alle hatten etwas besonderes. Nur Orlandus hat mich ... ja nicht genervt, aber da hab ich schneller gelesen, einfach weil ... ich will nicht sagen, es hätte mich nicht interessiert, aber die anderen waren besser. 

Vom Gewaltlevel ist "the Religion" nichts für zartbesaitete. Es wird gefoltert, gemordet, ausgewaidet und zerstückelt. Und ja, auch ausführlich. Dafür spart der Autor sich "plakative Gewalt" wie ich sie in anderen Büchern immer ankreide.

1565 war kein Zuckerschlecken, für niemanden. 

Wer also den Anblick größerer Mengen Fäkalien, Innerein, Blut und Dreck in Großaufnahme nicht mag: Finger weg!

Wie gesasgt, es war genau mein Geschmack. Das was ich von einem Histo will. Figuren benehem sich historisch, aber auf dieses manchmal verquarste Historiensprech, wird zum Glück verzichtet. Genau wie auf überzuckterte "Ja es war damals halt so"-Gewalt an Frauen, oder pseudoböse Auftritte in bester SAT1-Schurkenmanier.

Matthias Tannhauser ist ein Prota wie ich ihn mir Wünsche, er ist echt und kein glattgebügelter Schönling mit perfekt weißem Persillächlen. Er und sein Gegenspieler der Inquisitor Ludovicus ... als es bei denen endlich ernst wurde, da hab ich mir fast die Nägel runtergekaut. 

Großartige Charaktere!
Spannende Story!
Für beides die Daumen nach oben. 

Schwierigkeitsgrad: 
Ich würde dem Buch eine 3,5/5 geben. 

Ich habe vom Sinn her alles verstanden, aber im Detail hätte ich viele Worte nachschlagen können, um genau zu wissen, was der Autor jetzt eigentlich meint (Beispielsweise zum Thema Bewaffnung). 

Wenn man das dann mal genau wissen will, helfen handelsübliche Übersetzercomputer und das große Langenscheidt auch nicht weiter, und man muss schon googlen. Das ist dem geschuldet, dass es sich dabei um spezielle historische Begriffe handelt. 

Wer jetzt neugierig geworden ist, aber sagt ... hm ja ... englisch, nicht so meins. 

Das Buch gibt es auch auf deutsch: 

Tim Willocks: Das Sakrament. 
erschienen im Aufbau Taschenbuch Verlag

(Ich persönlich würds auf englisch lesen, allein die deutsche Inhaltsangabe hätte mich persönlich abgeschreckt)

2. Teil: 

Der zweite Teil "the twelve children of Paris" (da gehts um die Bartholomäusnacht *_______* kommt diesen Monat raus. Historischer Roman ... Paris ... Mann als Hauptfigur. Komm her du Buch meiner Träume!)

Dieser wird auch in deutsch erscheinen unter dem Titel: die Blutnacht (08/13) beim Verlag Rütten & Loening








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