Dan Brown und ich - [Rezi] Inferno und mehr

Ja, der Posttitel trägt den Titel, Dan Brown und ich. Einfach weil, Dan (ich bin so frei und verwende nur seinen Vornamen) ja schon alte Freunde geworden sind.

Ich lese ziemlich viel, aber ich gebe zu, ich bin kein treuer Leser. Ich mag es nicht wenn Serien sich ewig hinziehen, und jemand der schon Probleme damit hat, den zweiten Band einer Reihe zu kaufen.
Bei mir ist es eher ein "neues Spiel, neues Glück" Verhalten.

Aber irgendwas fuchst mich an Dan so ungemein, dass ich wirklich alle Robert Langdon Romane gelesen habe. Eine unfassbare Leistung, für einen Serien-Verweigerer wie mich.
Und genau deshalb musste ich auch sein neustes Werk Inferno schon am Tag des Erscheinens haben.

Hier meine Geschichte.


von Dan Brown
Bastei-Lübbe 
ISBN: 978-3-7857-2480-4
Preis: 26,00€ gebunden
19.99€ ebook
685 S. 

Inhalt: 

Dante Alighieris »Inferno«, Teil seiner »Göttlichen Komödie«, gehört zu den geheimnisvollsten Schriften der Weltliteratur. Ein Text, der vielen Lesern noch heute Rätsel aufgibt. Um dieses Mysterium weiß auch Robert Langdon, der Symbolforscher aus Harvard. Doch niemals hätte er geahnt, was in diesem siebenhundert Jahre alten Text schlummert. Gemeinsam mit der Ärztin Sienna Brooks macht sich Robert Langdon daran, das geheimnisvolle »Inferno« zu entschlüsseln. Aber schon bald muss er feststellen, dass die junge Frau ebenso viele Rätsel birgt wie Dantes Meisterwerk. Und erst auf seiner Jagd durch halb Europa, verfolgt von finsteren Mächten und skrupellosen Gegnern, wird ihm klar: Dantes Werk ist keine Fiktion. Es ist eine Prophezeiung. Eine Prophezeiung, die uns alle betrifft. Die alles verändern kann. Die Leben bringt. Oder den Tod.


Meinung:

Ein neuer Dan Brown!
Ein neuer Dan Brown der wieder in Europa spielt!
Ein neuer Dan Brown der in Florenz spielt und Dante Alighieri behandelt!

Ich bin fast ausgerastet vor Freude, als ich das gehört hab. Das Buch rauf auf meinen Wunschzettel und dem Tag der Veröffentlichung entgegengefiebert. 

An diesem Tag dann sofort in meine Uni-Buchhandlung gerannt und mit Glück das letzte Exemplar bekommen. Grenzenlose Freude, und das obwohl ich gerade um satte 26€ ärmer war. Aber was solls! 
Es ist der neue Robert Langdon!
Ich hab das Buch den ganzen Tag angestarrt, ich liebe dieses Cover! Und ich hab mir Gewalt antun müssen, nicht die Folie aufzureisen und anzufangen. 

Kaum war ich an dem Abend zu Hause, hab ich alles stehn und liegen lassen und hab angefangen zu lesen. 
Ich hatte auf ein unheimlich spannedes Buch gehofft, die Realität sah anders aus. 

 Zunächst einmal will ich sagen: Ich geb dem Buch drei von fünf Sternen. Gutes Mittelmaß. Denn es war mir klar, was für ein Buch ich da kaufe. 

Ich kaufe einen Dan Brown. 

Ein Buch aus der Feder des Mannes, der gnadenlos mit unserem Un- und Halbwissen spielt und gerne auch mal Dinge als Fakt verkauft, die nicht wahr sind. Sie aber so geschickt in seine Geschichten webt, dass jeder ihm alles glaubt. Das ist ein seltenes Talent, und davor hab ich großen Respekt. Ich habe viele andere Bücher gelesen, die damals auf der "Sakrileg"-Welle mitgesurft sind, und niemand auf dieser Erde macht es so geschickt, elegant und gewandt wie Dan Brown.

Dan Brown ist und bleibt nicht nur, der Herr des "nutzlosen Wissens", nein. Er ist auch König der Cliffhanger. 
Sachen wie "Robert Langdon drehte sich um, was er sah, lies ihm das Blut in den Adern gefrieren". Darf auch NUR und AUSSCHLIEßLICH ein Mann wie Dan Brown bringen. 
Dan Brown hat da sozusagen eh schon den Maximum Level erreicht, und wenn man einmal diesen Level erreicht hat, dann wird man dadrin weder besser, noch anders. 

Ich verzeihe ihm auch, die vielen, vielen, vielen Ausflüge in Themen wie: Kunstgeschichte für Dummies. Dante für Dummies. Florenz in 3 Tagen, die must-sees der Stadt am Arno, für Blinde mit extra ausführlichen Gebäudebeschreibungen. Und die 1268746 anderen Wikipedia-Einträge, die mir so etwas wie "Wissen über-" vermitteln wollen. Ich kenne das ja von Dan Brown. Ich weiß, dass Langdon ein schrecklicher Fabulist ist, der sich gern vier Seiten  lang an eine Dante-Vorlesung erinnert. Bei jedem anderen Autor würde der Lektor da mit dem roten Marker drüber und dick und fett "INFODUMP STREICHEN" drüber schreiben, jeder Leser würde die Augen rollen. Aber: So ist Dan Brown. Wir haben ihn so genommen, also bekommen wir ihn auch so. 

Nein, was mich beim lesen dieses Buchs so unfassbar gestört hat, waren zwei Dinge. 

Dieses bekannte Schema F seiner Geschichten, hat diesmal nicht bei mir gezündet. Es kam mir die ganze Zeit vor, als hätte ich die Geschichte schon einmal gelesen und Dan hat einfach nur die Personen, Orte, Rätsel getauscht. 
Obwohl immer irgendetwas passierte, und sie (wie üblich) von einem Ort und einem Rätsel zum nächsten hetzten, um das "Inferno" zu verhindern. Lies es mich vollkommen kalt. 

Nach den ersten hundert Seiten war ich irgendwie ernüchtert und hab das Buch erst einmal zur Seite gelegt. Das wäre mir bei Sakrileg nie passiert! Ich hab Sakrileg sozusagen gegessen. 
Doch bei Inferno hab ich  immer mal wieder hab ich ein paar Seiten gelesen, ich hatte schließlich viel Geld bezahlt und irgendwie wollte ich jetzt wissen, wie es ausgeht. Aber das war eher eine Trotzreaktion: Ich wollte dieses Buch! Ich habe mich darauf gefreut! Ich mag Dante! Es muss besser werden, ich hab 26€ dafür bezahlt!

Der zweite Störfaktor war, das Buch wirkte auf mich sehr bemüht und konstruiert. 
Ja es ist Dan Brown und es ist Robert Langdon. Der Mann der mit einem Jacket aus einem Heli springt und sicher im Tiber landet, der den Vatikan gerettet, und den heiligen Gral gefunden hat. 
Und alle Plots hatten etwas "an den Haaren herbeigezogenes" aber, so sehr wie diesesmal hat mich das noch nie gestört. Noch nicht mal bei "das verlorene Symbol" was ich immer noch für den schwächsten Teil der Reihe halte. 

Der Verlag wollte noch einen Langdon. 
Die Fans wollten noch einen Langdon. 
Also hat Dan Brown noch einen geschrieben. Mit wieviel Lust und Elan, sei mal dahingestellt. Mein persönlicher Leseindruck war, dass er sich bemüht hat, noch einmal knappe 700 Seiten zusammen zu bekommen, aber man der Geschichte diese Mühe anmerkt. 

Die ganze Verschwörung um "Inferno" war hier die Mühe nicht Wert. Ich weiß nicht, ich hatte vielleicht auch was anderes erwartet, aber diese Auflösung ... ne ... ich hätte echt heulen können. Das war wie der vierte Teil von Indiana Jones. So wenig Aliens da reingehören, so wenig gehört dieses "Inferno" zu Robert Langdon!

Als Fazit schreibe ich: Ich hoffe Dan Brown gönnt Robert jetzt seinen verdienten Ruhestand. 








Kommentare

  1. Guten Morgen,
    Artikel 5 endet so, das ganz viel Platz bleibt für Spekulationen ☺ Nicht wirklich ein Cliffhanger, aber eben auch nicht rund.
    GLG,
    Mel

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Rezension] Eisige Schwestern

[Montagsfrage] Kommentare

[Bookrant] Pakt des Blutes