[Zeit für Indie] - Besprechung von Auf Immer und Ewig

Damit ich in der Mittagspause nicht wieder in "das Puppenzimmer" versumpfe, überziehe und nicht zum Essen komme, hab ich eine der Indie Kurzgeschichten gelesen die ich mir auf meinen E-Reader geladen habe.

Die Wahl fiel auf: 

Auf Immer und Ewig
von Victoria Veel
77 S. 
3.08€

Inhalt: 
Eigentlich ist Gefängnispsychologin Laura Williams ein rational denkender, zuverlässiger Mensch. Aber als sie auf den zu lebenslanger Haft verurteilten Mörder und Ex-Millionär Jason Gardner trifft, verliebt sie sich sofort rettungslos in ihn.
Mit seinem Charme und seinem äußerst attraktiven Erscheinungsbild schafft Jason es in Windeseile, Lauras Herz zu erobern und in die tiefsten Abgründe ihrer Seele einzudringen. Als Jason der jungen Frau vorschlägt, gemeinsam seine Flucht aus dem Gefängnis zu initiieren, ist Laura hin- und her gerissen zwischen Vernunft, Liebe und Wahnsinn. Und was sie nicht ahnt: Jasons Vergangenheit ist viel düsterer, als sie es ahnt... 


Meinung: 

Inhaltlich klang es nach Suspense, dunklen Gefülen und ordentlich Action. 
Leider muss ich sagen: "auf immer und ewig" ist seit langem das erste Buch, durch das ich mich wirklich durchquälen musste. Mehrmals war ich kurz davor abzubrechen und die Sache einfach zu vergessen, und das bei gerade einmal 77 Seiten!

Schon nach den ersten Seiten fällt eines gravierend auf: Der Schreibstil der Autorin ist noch sehr verbesserungswürdig. Der Text ist voller Zahlwörter, die es erschweren überhaupt in die Geschichte reinzukommen. Auch Adjektive und Einschübe machen das Lesen nicht gerade zu einem Genuss.

Allen voran Sätze wie: Ich, Name der Figur als Einschub, Satz.

Wenn man dem Leser den Namen der Figur mitteilen will, hat man wahrhaft bessere Stilmittel, als die Figur sich selbst in Gedanken vorstellen zu lassen (Wer denkt schon seinen vollen Namen?). Diese und ähnliche Anfängerfehler, häufen sich im Text geradezu an.

Auch strotzen diese nicht einmal hundert Seiten nur so vor Zeiten und Rechtschreibfehlern jeder Art.
Es wird mitunter wild zwischen Präsens und Präteritum hin und her gewechselt, ohne dass ein stilistischer Grund vorhanden wäre.
(Oder die Autorin hat hier und da bei manchen Worten das E hinten vergessen. Dann fiele das wieder in die Kategorie "Rechtschreibfehler")

Es gibt hier und da auch Momente in denen die Autorin einfach Worte verwechselt. Zum Beispiel wird erwähnt, Jason habe vier Menschen erschossen. Einen Satz später wird ausgeführt, er habe eine Person mit vier gezielten Schüssen niedergestochen. Das  hätte wahrscheinlich ein "niedergestreckt" werden sollen, oder die Tatwaffe war in einer vorherigen Version ein Messer. Wurde aber von der Autorin übersehen und trägt so nicht gerade zur professionellen Wirkung des Textes bei. Es wurden auch die Worte Stief- und Schwiegervater verwechselt. Als Jason Laura seine "traurige Lebensbeichte" macht, nennt er den neuen Mann seiner Mutter, zweimal seinen Schwiegervater. Es gäbe hier noch weitere Beispiele und die Summe des Ganzen gibt dem Werk rein vom stilistischen her, den Anstrich von "schnell runtergeschrieben und nicht korrigiert/lektoriert".

Kommen wir zur Story.
Und auch hier offenbaren sich Schwächen.
Zusammenfassen könnte man es in: naives Dummchen ohne Selbstwertgefühl verfällt man mit dunklem Geheimnis.
Leider gelingt es der Autorin nicht, irgendwie Spannung zu erzeugen oder mich Empathie für die Figuren entwickeln zu lassen.
Laura stieß mich irgendwie von vorne herein ab. Sie wird im Klappentext als rational denkender, zuverlässiger Mensch beschrieben. Sie war aber ein von Selbstzweifeln zerfressenes Mauerblümchen, für das ich nichts anderes als ... ja Verachtung empfinden konnte. Ich weiß, Verachtung ist ein sehr hartes Wort. Aber es passt.
Kaum tritt Jason in ihr Leben (der gutaussehende, reiche, gebildete, wortgewandte Traumtyp den sich jede Frau wünscht) fängt sie an auf ihr Äußeres zu achten. Schminkt sich, trägt Hochhackige. So etwas löst bei mir immer ein Augenrollen aus, weil das einfach so ... ich will solche Frauen nicht als Heldinnen von Büchern haben. Fertig.

Aber ich hätte ja noch über Lauras Styling-Upgrade hinweggesehen, würde sie wenigsten ihren Job machen. Und ich rede nicht davon, dass es sicher unethisch ist, mit einem verurteilten Mörder eine Flucht zu planen oder mit ihm rumzumachen, davon leben ja Geschichten. Sondern davon, wie sie ihren Job macht.
Ich meine ernsthaft. Sie steht draußen und begrüßt Neuankömmlinge (Jason) mit dem Satz: "Willkommen im California State Prison. Ich bin Laura, Ihre Psychologin"
Als wäre das hier eine Ferienanlage in Pasadena und nicht ein Hochsicherheitstrakt. Ich hab eigentlich nur noch auf den Begrüßungsdrink mit Schirmchen gewartet. Und auch sonst, immer wenn Laura in einer ihrer "Sitzungen" den Mund aufmacht, kommt es mir so vor, als würde sie Menschen betreuen denen das Leben auf grausame Weise übel mitgespielt hat, anstatt verurteilte Killer.
Dinge wie: Ja das Essen ist jetzt nicht so gut, aber das hier ist auch kein fünf-Sterne Hotel, weißt. Und hey mach doch mal gewaltfreies Töpfern, ist gut gegen Aggression.
Ich meine klar, machen die Häftlinge sowas, es ist einfach die Art wie es rübergebracht wird. So vollkommen unauthentisch, das man wirklich nur darauf wartet, dass einer von den Kerlen aufsteht und ans All-you-can-eat Buffet beim Pool geht.

Und sogar darüber hätte ich noch hinwegsehen können. Der Knackpunkt, der Punkt an dem ich den Text nicht mehr Ernst nehmen konnte, war bei knappen 30% erreicht. Als Jason Laura von seiner Tat erzählt, von seinem gebrochenen Herzen und damit den Mord an vier Menschen rechtfertigt und Frau Psychologin das als ehrliche Reue wertet. Ab diesem Zeitpunkt hab ich den Rest des Textes quer gelesen und mein Wundern, Staunen und Aufregen auf ein Minimum reduziert. 

Abschließend bleibt zu sagen, dass ich mich seit langem über kein Buch so geärgert habe, wie über "auf immer und ewig". Einfach weil ich mich alle drei Sätze aufregen musste.
Das Buch kostet regulär drei Euro, ein strammer Preis für gerade einmal 77 Seiten. Wer trotzdem wissen will wie das mit Jason und Laura ausgeht, dem empfehle ich zuerst einen Blick ins Buch zu werfen, und sich dann zu entscheiden.


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