Rapunzel Reloaded - [Rezi] zu Bruderliebe

Es war heute schlicht und ergreifend zu heiß um überhaupt irgendetwas vernünftiges zu tun. Also hab ich den ganzen Tag mit schwitzen und lesen verbracht. Ist ja auch noch was. Heute morgen brachte mir der Postbote ein Tauschbuch. Bruderliebe aus dem Dryas-Verlag und das habe ich heute gerissen.

von Stefanie Heindorf, Kathrin Lange
Dryas Verlag
316 S. 
ISBN: 978-3-940855-37-4
12.99€
Inhalt: 
Norddeutschland, Anfang des 19. Jahrhunderts.

Gegen den Willen ihrer Stiefmutter Henriette verlieben sich die behütete Theresia aus adligem Hause und der bürgerliche Sebastian ineinander.

Doch Theresias und Sebastians Vergangenheit verbindet ein dunkles Geheimnis. Als es ans Licht kommt, wendet sich Sebastian von Theresia ab. Keiner der Beiden ahnt, dass sie Opfer einer Intrige sind. Denn nicht nur Henriette setzt alles daran, sie auseinanderzubringen ...

"Bruderliebe" erzählt das Märchen von Rapunzel neu - als düster-spannenden historischen Roman um Intrigen, Zweifel und Mord.

Meinung: 
Zunächst einmal möchte ich mich auf das Positive beschränken. "Bruderliebe" ist mein erstes Buch aus dem Dryas-Verlag und die Aufmachung ist sehr schön. Das gilt sowohl für das Cover, als auch für die Seitengestaltung. 
Jede Seite ist mit einem Balken und einer kleinen Borte verziehrt, jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat aus dem Märchen der Gebrüder Grimm, das Anzeig wo genau wir uns in der "ursprünglichen Geschichte" befinden. Schön gemacht. 

Kommen wir zum Buch und dessen Inhalt. 
Und fangen wir erst einmal mit der Schreibweise an. Das Buch wurde von zwei Autorinnen geschrieben. Ich persönlich bin kein Fan von solchen Gemeinschaftsprojekten, weil man da mitunter den wechsel von einem Autor zum anderen "spüren" kann. 
In Bruderliebe war das zwar nicht der Fall, doch eine Frage bleibt nach Beendigung des Buches zurück: Wie können zwei Autorinnen, so vieles übersehen? 
Der Stil des Buchs ist ... nun ja. 
Ich habe irgendwann aufgehört, zu zählen wie oft den Figuren etwas zu sein "scheint". Es passiert andauernd, und diese Formulierung ist für mich immer wie das Kratzen von Nägeln auf Schiefertafeln. Auch neigen Figuren des öfteren dazu etwas in den "hintersten Winkel ihres Geistes" zu schieben. 
Sätze beginnen unheimlich oft mit Adjektiven (zwei, drei, vier Sätze hintereinander) 
Der Schreibstil des Buchs war eher bemüht, als mitreisend und teilweise sehr, sehr schlicht gehalten. Da bin ich durchaus besseres gewohnt. 
Die wörtliche Rede ist an den "historischen Sprech" angelehnt, und soll wohl einen gewissen Charme und historische Authenzität verleihen. Dennoch wirkte sie auf mich bissweilen hölzern und unfreiwillig komisch. 

Figuren: 
Wo soll ich da anfangen?
Es fiel mir die ganze Zeit schwer, auseinander zu halten wer jetzt Henriette (die Stiefmutter) und wer Theresia (Rapunzel) ist. Ich hab die zwei Namen irgendwie immer mal wieder durcheinander geschmissen. Vielleicht lag das aber auch an der Hitze. Oder daran, dass beide Namen für Protagonisten einfach verteufelt lang gewählt sind. 

Theresia wird von ihrer Stiefmutter Henriette mehr oder minder eingesperrt. Natürlich entwickelt das Kind eine Liebe zu Büchern und entflieht so ihrem tristen Alltag. Denn mit ihren achtzehn Lebensjahren hat sie das eleterliche Schloss noch nie verlassen. Sie überredet ihren Vater dazu endlich mal mit zum Karfreitagsgottesdienst mit ins Dorf zu kommen und dort trifft sie auf die Brüder Langenthal. 
Sebastian ihrem zukünftigen Prinzen und Ludwig dem 0815 Arschloch-Ekelpaket.
Zusammenfassend kann ich sagen: 
Theresia und Sebastian bleiben nach über dreihundert Seiten einfach nur blass und farblos. Sie sind eben wie im Märchen. Sie die unschuldige Prinzessin. Immer lieb, gut und rein. Und er der strahlende Ritter, Prinz, was auch immer. 
Ludwig. 
Wirklich ich frage mich, was zum Teufel Autorinnen sich dabei denken solch plakativ dumme Figuren wie ihn zu erfinden. Ernsthaft? 
Er ist der immergeile, notgeile, Frauen verprügelnde, Frauen vergewaltigende 0815 Schrecken. Er ist so flach, dagegen ist Emsland ne Hügellandschaft!
Immer wenn er auftritt hatte ich das Bedürfnis gleichzeitig zu lachen, zu weinen, das Buch einfach abzubrechen oder gleich gegen die Wand zu schlagen. 
Kann man sich als Autorin nicht einen "ernsthaften" Schurken ausdenken? Muss es wirklich immer so elend flach und simpel sein? 
Genau wegen solchen Charakteren mache ich meistens einen weiten Bogen um historisch angehauchte Romane! Figuren wie Ludwig beleidigen mich! 

Der Rest der Figuren ist ein bunter Mischmasch. 
Die Zofe hat den Standartnamen Marie abbekommen (ich hab immer den Eindruck, immer wenn man eine Zofe benennen muss kommt Marie dabei herum). 
Die böse Stiefmutter hat in ihrer Vergangenheit ein böses Trauma mitbekommen und ist deshalb ein bisschen übervorsichtig geworden. Leider gabs damals noch keine Therapiemöglichkeiten für Leute wie sie. Mutter des Jahres wird sie sicher nicht, aber sie ist doch weit entfernt mit wirklich bösen Stiefmüttern zu konkurieren, die ihre Töchter nur wegen deren Schönheit in irgendwelche Türme sperren. 

Spannung: 
Da es ja an das Märchen Rapunzel angelehnt ist, ist es mäßig spannend. Die Autorinnen tun ihr übriges dazu den Spannungslevel relativ gering zu halten. 
Bruderliebe plätschert so dahin. Ich habs gelesen und gelesen und dann war es vorbei. Es  hat mich zu keinem Punkt gefesselt oder mitgerissen. Spannung kam wie gesagt keine auf, zumindest nicht für mich. 

Fazit: 

Bruderliebe hat mich maßlos enttäuscht. 
Die Figuren waren bestenfalls blass und schlimmstenfalls gingen sie mir auf die nerven. Ein Buch ohne Höhen oder Tiefen. Der Schreibstil der Autorinnen trägt das übrige dazu bei. Für mich war es einfach zu gestelzt und hölzern geschrieben, als das ich hätte mitfiebern können.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Rezension] Eisige Schwestern

[Montagsfrage] Kommentare

[Bookrant] Pakt des Blutes