[Rezi] the fifth servant

So und weiter geht die Suchtlesetour.

Alle Bücher sind historisch und erschreckenderweise sind alle davon nur auf Englisch zu haben. Diesmal war es ein wilder Ritt durch Prag:


von Kenneth Wishnia
Harper Collins Puplishing
416 S. 
ISBN: 0061725382
7.03€ Ebook

Inhalt: 
 In 1592, Prague is a relatively safe refuge for Jews who live within the gated walls of its ghetto. But the peace is threatened when a young Christian girl is found with her throat slashed in a Jewish shop on the eve of Passover. Charged with blood libel, the shopkeeper and his family are arrested, and all that stands in the way of a rabid Christian mob is a clever Talmudic scholar, newly arrived from Poland, named Benyamin Ben-Akiva. Granted just three days to bring the true killer to justice—hampered by rabbinic law, with no allies or connections, and only his wits, knowledge, and faith to guide him—Benyamin sets off on a desperate search for answers. Following a twisting trail from the streets to the shul, from the forbidden back rooms of a ghetto brothel to the emperor Rudolf II's lavish palace, he will dare the impossible—and commit the unthinkable—to save the Jews of Prague . . . and himself. 


Leseniveau/Meinung:

Mittel - Schwer

Durch die vielen hebräischen, yiddischen, tschechischen und polnischen Einschübe wird das Sprachniveau noch mal extra angehoben. Nicht alle Worte werden erklärt. 
Auf dem Kindle ist die Darstellung von Hebräisch kein Problem, allerdings kommt es bei der Darstellung von Sonderzeichen des öfteren zu unschönen Zeilenumbrüchen. 

Wie der Autor auf seiner HP anmerkt, sprechen die verschiedenen Personen im Buch verschiedene Dialekte (wir reden hier von Yiddisch/Hebräisch nicht Englisch) und wenn jemand nicht weiß was eine Ketubba ist, dann hat er eben Pech gehabt ;) und im Buch sagt auch niemand Ketubba sondern die Frau des Protas nennt es  “ksubeh”  und er sagt: “ksibeh” Und man versteht es nur über den Kontext des Gesprächs, um was es eigentlich geht.

Auch im Englischen liegt die Latte hoch oben, vor allem bei den ganzen kabbalistischen Gesprächen, da bin ich manchmal ausgestiegen und hab den Text erst dann wieder zu 100% folgen können, wenn die Story wieder eingesetzt hat. 

Im Gegensatz zu "the inquisitors wife" gräbt sich Kenneth Wishnia tief in die Geschichte des 16. Jahrhunderts ein. Und auch in die jüdische Kultur. 
Wer vor hat dieses Buch zu lesen, sollte also zumindest ein paar Grundkenntnisse über Zeit und Kulturkreis haben, sonst kann es passieren, das man nicht so ganz mitkommt. 

Nichts des Trotz ist "the fifht servant" ein Buch, wie ich es mir wünsche. Man ist knietief in der Historie und der Autor schenkt uns einen Protagonisten der einfach nur fantastisch ist.
Ehrlich Benyamin Ben-Akiva ist alles was ich mir gewünscht habe. Er ist sarkastisch, öfter mal verpeilt und manchmal einfach nur zum knuddeln. Ja ich weiß, das war jetzt eine wirklich geniale Personenbeschreibung, aber ich bin die ganze Zeit zwischen: "Och komm her ... lass dich drücken. Du tust mir so so leid" und "Oh mein Gott, das kann doch jetzt nicht dein Ernst sein!" hin und her geschwankt. Letzteres, als sie z.B. den halben Tag darauf verbracht haben, vom Ghetto in die Burg des Kaisers zu laufen, anstatt die Kutsche zu nehmen ("durften" sie nicht, weil Sabbath) und ähnliche Umständlichkeiten.

Benyamin ist unser Ich-Erzähler, der die Handlung über weite Strecken trägt, aber es gibt noch andere Neben-Protagonisten, deren Erlebnisse dann aus der Erzählperspektive geschildert werden.

Die Geschichte ist oben in der Zusammenfassung eigentlich sehr gut wieder gegeben. Und dafür, dass die Handlung sich nur über wenige Tage erstreckt, ist man den Figuren unsagbar nah gekommen. Ich bewundere die Arbeit dieses Autors allein schon deswegen, weil Benyamin zu allem was passiert, die passenden Worte irgendwelcher großen, berühmten und mir vollkommen unbekannten Rabbis auf Lager  hat. Die Recherche war bestimmt die Hölle und Hut ab dafür.

Wie oben schon erwähnt, war es für mich ziemlich schwer manchen Gedankengängen zu 100% zu folgen. Vieles gleitet in den Mystizismus/Kaballa/Talmund ab, und davon hab ich wirklich nur rudimentäre Kenntnisse.
Aber das tut der Geschichte an sich keinen Abbruch.

 Wer also einen richtig gut recherchierten historischen Roman mit tollen Helden sucht, und auch vor Zitatemarathons, Sprachproblemen und Dialekten nicht zurückschreckt, der sollte "the fifth Servant" auf jeden Fall lesen. Es ist ein großartiges Buch, voller Ironie, schwarzem Humor und das alles vor einer sagenhaft authentischen Kulisse.

Lesen!



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