[Rezi] the Inquisitors wife

Ich bin ein Suchtleser.
Wenn ich mir erst mal ein Thema, eine Zeit oder ein Setting ausgesucht habe, kann es passieren, dass ich Wochenlang nichts anderes lese.

Meine momentane Obsession für die Renaissance, Ghettos, Religionskonflikte und Liebe, hat mich zu diesem Buch geführt:


von Jeanne Kalogridis
St. Martin Griffin´s Puplishing
400 S. 
ISBN: 9780312675462
 8.99€ (e-book)
21.00€ (Hardcover)

Inhalt: 

1481 Seville: The Inquisition makes its first appearance in Spain.  Its target: conversos, Christians of Jewish descent—specifically those who practice Judaism secretly in their homes. The penalty for “crypto-Judaism”: Burning at the stake.
Marisol Garcia, a young conversa, is hurriedly wed to Gabriel, a civil lawyer working for the Inquisition, in hopes that he will protect her. But she still yearns for the childhood love who abandoned her four years earlier, and she’s shocked when he reappears suddenly at her wedding.
When her father is arrested and tortured, Marisol finds herself caught between her love for him and her desire to save the lives of her people. After becoming a favorite of the ruthless Queen Isabella, Marisol discovers a dangerous secret about her former lover, Antonio, and finds herself trapped in a life-threatening web of intrigue. As the Inquisition’s snares tighten around her, Marisol’s love for Antonio and loyalty to her Jewish family is tested as never before…


Schwierigkeitsgrad: 

Leicht
 für jemand der es gewohnt ist Bücher auf englisch zu lesen, sollte "the Inquisitors wife" kein Problem darstellen. Ich musste kein einziges Wort nachschlagen. 

Meinung: 

400 Seiten. 
Auf Englisch. 
In drei Tagen. 

Und jetzt, da ich fertig bin, stehe ich etwas unsicher da. Ich weiß nicht, was ich von dem Buch, der Geschichte und den Personen halten soll. 
Der Grund ist einfach: Alles was in dem Buch passiert, wird auf dem Rückencover erwähnt. 
Es gibt nicht ... mehr. 

Das Buch beginnt mit Marisols Hochzeit, diese Hochzeitszeremonie spannt sich über 4 Kapitel (30%) des Buches und wird immer wieder von Rückblenden durchbrochen, die uns zum jetzigen Status quo der Geschichte bringen. 
Was ist passiert, bevor Marisol Gabriel Hojeda heiratet. 
Diese 30% sind das Beste an dem ganzen Buch. Ich gebs zu, ich hab zweimal geheult, das Drama war grandios.

Danach gibt es einen steilen Sinkflug. Marisol von ihrem Vater verstoßen, findet sich als Ehefrau von don Gabriel in dessen riesiger Villa wieder. Leider ist den Hojedas das Geld ausgegangen und sie versuchen sich, durch die Inquisition, die Taschen wieder voll zu machen. 
Und Marisol, soll ihnen dabei helfen. 

Was folgt ist eine überaus merkwürdige Wiedersehensszene mit ihrem Ex-Verlobten Antonio. Der hatte sie nämlich heiraten wollen, aber ihr dann plötzlich keine Briefe mehr von der Uni in Salamanca geschickt. Sie dachte er hätte ne Andere, er dachte wohl das Selbe von ihr. 
Aus Gründen die mir immer noch nicht so ganz klar sind (und nein, das hat nichts damit zu tun, dass ich Englisch nicht ganz so gut verstehe wie Deutsch) soll Antonio ihr Lautenunterricht in seinem Büro bei der Inquisition geben und dort treffen sie zufällig auf die Königin. 

Der gefällt Marisols Gesang so gut, dass sie Marisol auffordert an diesem Abend für sie zu singen. Dann folgen (ungelogen) 20% nur über diesen Abend im Real Alcazar (dem Königspalast) inklusive ausschweifender Architekturbeschreibungen, Festivitäten und Tänzen. 

Man schießt über die 61% Hürde und mehr ist noch nicht passiert. Und so langsam beginnt man sich zu fragen, wann diese Story mit dem "Marisol finds herself caught between her love for him and her desire to save the lives of her people." endlich mal passiert. 

Bis zu den 80% verbringt Marisol viel Zeit in Kutschen und fährt an einem Tag mal eben so kreuz und quer durch Sevilla. Irgendwo bei 75% wurde ihr Vater verhaftet, der dann bei 81% gefoltert wird. Und ab den 82% setzt dann das "Marisol discovers a dangerous secret about her former lover, Antonio, and finds herself trapped in a life-threatening web of intrigue" ein, was sich bis zum Ende durchzieht. 

Ja. 
Und genau das ist es, was mir an diesem Buch einfach nicht zusagen will.
Die Ereignisse laufen in einer Art Zeitraffer ab und man hat keine Möglichkeit mit irgendeiner Figur wirklich warm zu werden. 

Weder mit Gabriel Hojeda, noch mit seinem Bruder dem Abt, oder Antonio. Mit keiner der Nebenfiguren, außer vielleicht Mariam, Marisols nubischer Kammerzofe, deren kurze Episode über ihre eigene Vergangenheit eins der erzählerischen und emotionalen Highlights des Buches war.

Auch bei Marisol bin ich mir unschlüssig. 
Sie ist die Ich-Erzählerin (ich mag keine Ich-Erzähler in Histos. Vorallem nicht, wenn es Frauen sind). 
Marisol hat einen Faible für Architektur und betrachtet Räume sehr viel genauer und detailreicher, als das sie Personen hinterfragt, oder Schlüsse zieht. 
Ja, sie ist noch jung, und furchtbar naiv, aber auf der anderen Seite wandelt sie sich von der "strengen Neu-Christin" zu Yentl innerhalb von zwei Seiten.

Jeanne Kalogridis hat einen soliden Roman geschrieben, der einem eine Idee vom Spanien der Renaissance geben kann.
Ich lese relativ wenige Bücher die im spanischen Raum spielen (ist einfach nicht mein Favorit. England, Frankreich oder Italien sind mehr in meinem Regal vertreten) aber ich hab zumindest das Gefühl ein klein wenig gelernt zu haben.
Zwar bleibt die Autorin eher an der Oberfläche von politischen, religiösen und geschichtlichen Fakten, aber es verschafft wie gesagt einen ersten Überblick. Und das ist ihr auch ganz gut gelungen.

Fazit:

Ein Buch das sehr gut anfängt, aber dann auf langer Strecke doch wegen der relativ eindimensionalen Charaktere und der voraussehbaren Geschichte (Rückencover = fast das komplette Buch) einbricht.
Für Fans von "starken" Frauen im historischen Setting sicher gut geeignet.
Für Historienfetischisten und Charakterleser (also die Charaktere sind für mich das wichtigste an einem Buch) nur bedingt zu empfehlen. 




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