Satz mit X - [Rezi] Blutspur am Vesuv

In meiner Frühstückspause lese ich wirklich gern Kurzgeschichten. Und durchforste deshalb immer den Indie-Dschungel nach neuem Material.
Dann hab ich gesehen, dass jetzt auch der Bookshouse-Verlag Kurzgeschichten anbietet und mir sofort eine heruntergeladen.
Leider war diese der berühmte Satz mit X

von Michael Suhr
Bookshouse Verlag
38 S. 
9789963521425 (.pdf)
9789963521432 (.epub)
9789963521449 (.mobi)
0,99 €
Inhalt: 
Eine furchtbare Mordserie setzt eine Sonderkommission monatelang unter Druck. Erschöpft tritt der ermittelnde Beamte einen Urlaub an und reist nach Italien. In einer kleinen Pension hofft er, neue Kraft zu schöpfen. Er lernt eine junge Frau kennen und verliebt sich. Nach einer Liebesnacht am Strand ist seine Freundin plötzlich verschwunden und auf seiner Kamera finden sich grauenhafte Fotos. Verfolgt ihn der Serienkiller, um ihn endgültig fertigzumachen?

Meinung: 
Die Inhaltsangabe klang spannend. 
Der Text war es leider überhaupt nicht. Ich sitze immer noch hier und habe drei große Fragezeichen über dem Kopf. Nicht, weil ich mich frage, was da jetzt eigentlich passiert ist, die Frage die ich mir stelle, ist wie so etwas wirklich verlegt werden kann. 

Das mag jetzt hart klingen, aber da draußen gibt es viel bessere Geschichten, die es nicht in einen Verlag oder ein E-book-Label geschafft haben. 


Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.
Die Geschichte wird von einem Kommisar-Namenlos erzählt. Keine Figur in diesen 38 Seiten hat einen Namen. Alle sind nur "die Freundin" "der Kollege" "der Killer" "der Psychologe". Das kann schon ganz schön nerven.
Dieser Kommisar-Namenlos jagt einen Serienkiller, nun ja eigentlich ist "jagen" etwas zu hoch gegriffen. Wir erfahren von ihm "erzählt in der Retrospektive" dass die Polizei eigentlich im Dunkeln tappt und nichts anderes tut, als sich jeden Morgen zu einem Meeting zu treffen.
Dann wird "die Kollegin" aka "der Lockvogel" ermordet und man beschließt, dass Kommisar Namenlos mal einen schönen, langen Urlaub braucht.
In Italien.
Dort lernt er dann "Sie" aka "meine Freundin" aka "die Fremde am Strand" kennen und die beiden verbringen ein paar Tage miteinander. Zu dieser Zeit weiß der Leser sowieso schon wie der Hase läuft und was passieren wird. Nicht, weil ich so super zwischen den Zeilen lesen kann, sondern weil der Autor einem sofort plump draufstößt.
Die restlichen zehn Seiten sind dann auch weiterhin nichtssagend und ziemlich dröge und ich hab die ganze Zeit nur auf den Balken meines E-readers gestarrt und gehofft die 90% endlich zu erreichen, um den Sinn dahinter zu verstehen, doch auch das Ende ist ... es war ein Ende.

Ich verlange ja gottlob auf knappen vierzig Seiten keinen Shakespeare oder was weiß ich. Aber ich verlange, ein Mindestmaß an Erzählgeschick und Erzählfluss.
Das was einem "Blutspur am Vesuv" wirklich kaputt macht, ist das mangelnde Erzählgeschick. Es gibt eigentlich keine wörtliche Rede in dieser Geschichte. Nichts was die Story lebendig machen würde. Alles wird von der namenlosen Hauptperson heruntererzählt.
Spannung kommt zu keinem Punkt auf, weil der Autor sofot alles verrät.
Der Schreibstil ist noch sehr verbesserungswürdig. Wortwiederholungen, Wörter die einfach nicht zu der Erzählweise passen wollen (Wörter die einfach nur zu antiquiert für die sonst derbe oder lässige Sprache der Erzählstimme sind) Fehlender Spannungsbogen. Fast schon peinliche Erklärungen warum passiert, was passiert.

Was noch erschwerend hinzukommt, sind die vielen ekligen Sexbeschreibungen. Ich bin ja weiß Gott nicht prüde, aber wenn man Sex schon bringt, dann doch bitte nicht auf so plumpe, eklige Art und Weise. Ja, ich war richtig abgestoßen. Vor allem bei der Szene mit dem Vater (kein Spoiler hier) da habe ich einfach nur dagesessen, den Kopf geschüttelt und mir mit der flachen Hand gegen die Stirn geschlagen.
Alles daran war einfach nur falsch, konstruiert und fast schon lächerlich.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass ich wirklich enttäuscht von dieser Kurzgeschichte bin.


Kommentare

  1. Komisch, ich habe die Geschichte ganz anders empfunden. Natürlich war mir auch schnell klar, wie die Geschichte ausgehen wird. Aber ich habe mit der Frau in Italien gebangt, ahnte das Unglück, das unausweichlich war.

    Die abschließende Erklärung fand ich tiefsinnig, das Schicksal des Mannes hat mich berührt. Für knapp einen Euro bekam ich gute Unterhaltung.

    Die sexuellen Beschreibungen, naja, ich fand es anregend. ;-)

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