Puppenhorror - [Rezi] zu das Puppenzimmer

Im Zuge einer Leserunde auf LB habe ich ein Buch über meine Urängste gelesen. 


von Maja Ilisch
Dot-Books-Verlag
481 S. 
eBook 978-3-95520-380-1
4,99€


Inhalt:


London im Jahr 1908. Drei Wege führen aus dem Waisenhaus: der Tod, das Arbeitshaus oder eine Adoption. Als die junge Florence in den Haushalt der Familie Molyneux aufgenommen wird, kann sie eigentlich aufatmen – doch sie erkennt schnell, dass etwas auf dem prachtvollen Landsitz Hollyhock ganz und gar nicht stimmt. Warum darf außer ihr niemand das Zimmer voller alter Puppen betreten? Wieso kann sie dort manchmal Kinderlachen hören und manchmal ein Weinen? Und welches düstere Geheimnis bergen der gutaussehende Rufus Molyneux und seine eiskalte Schwester? Florence ahnt noch nicht, wie gefährlich Neugier sein kann – und dass nicht nur ihr Leben auf dem Spiel steht ...

Meinung: 

Okay, ich gebs zu, ich hab die Inhaltsangabe von "das Puppenzimmer" gelesen und hatte sofort diesen Schnappreflex. 
Ich weiß nicht, wie lange ich schon nach einem solchen Buch gesucht hatte. 
Düsteres Herrenhaus, Grusel, unheimliche Vorgänge. 

Meistens sind düstere Herrenhäuser und das frühe 20 Jahrhundert eher für "düstere Familiengeheimnisse" reserviert, aber ich wollte ja noch was mit grusel dabei und Maja Ilischs Puppenzimmer schlug genau in diese Kerbe. 

Die Geschichte wird aus sicht von Florence erzählt, einem Waisenmädchen das vom undurchsichtigen Rufus Molyneux unter sehr merkwüridgen Umständen aus dem Waisenhaus geholt wird. 
Im Haus der Familie, Hollyhock, wird es ihr zur Aufgabe gemacht die Puppensammlung der verstorbenen Tante zu Katalogisieren. Und schon bald häufen sich die merkwürdigen Ereignisse. 
Ich mochte Florence. Sie ist grade aus, sie sagt was sie denkt und ist weder auf den Kopf, noch auf den Mund gefallen. Natürlich hat ihr die Autorin ein paar Klischees verpasst Waisenkind mit geheimnisvollen Medaillon, aber darüber konnte ich hinwegsehen. 

Die ersten Abschnitte flogen nur so dahin. 
Florence Leben im Waisenhaus,  ihre Ankunft in Hollyhock und die Puppen. Alles war stimmig. Auch der Grusel kam nicht zu kurz. Eingefleichte Horrorfetischisten werden vielleicht lachen, aber ich hab mir fast in die Hose gemacht, als eine von den Puppen gelacht hat. 
Ernsthaft. 
Sowas rührt an meinen Urägnsten. Puppen sind gruselig und die Autorin suhlt sich in diesem Thema geradezu. Puppen mit zersprungenen Gesichtern, Puppen die aussehen wie die Protagonistin, böse Puppen.
Ich hatte wirklich wilde Theorien, was es mit Hollyhock und seinen Bewohnern so auf sich hat. Immer ein gutes Zeichen, wenn man sich über ein Buch solche Gedanken macht. 

Dann kam die Auflösung und ich war schon irgendwie. Ich kann den Finger nicht drauf legen, aber irgendwie hat mir die Auflösung des Mysteriums nicht in den Kram gepasst. Ich habe vielleicht etwas mehr Grusel erwartet.
Und auch das Ende ... war etwas unbefriedigend. 

Was bleibt ist das Positive gegen das nicht ganz so positive Aufzuwiegen. 

"das Puppenzimmer"  ist ein sehr gut recherchierter Roman. Die Autorin wirft mit Insiderinfos zum victorianischen Zeitalter und Refferenzen zu Büchern und Begebenheiten nur so um sich. Florence ist eine Protagonistin die man ernst nehem und mit der man mitfiebern kann. Und das Setting ist einmalig. 
Dagegen steht die gediegene Spannung. Ich will nicht sagen, dass es keine gibt, es existieren eine Menge Situationen bei denen es auf Messers Schneide steht. 
Ein Vorbild der Autorin ist Wilkie Collins, dessen Buch "Frau in weiß" eins der besten ist die ich je gelesen habe. 
Mit so einem Vorbild, ist es klar, dass man hier keine Blutorgien und Körperfresser erwarten sollte. Aber darauf war ich ja eingestellt. 
Leider fehlt der Story eine ordentliche Liebesgeschichte. Ohne zu viel vorweggreifen zu wollen, war ich doch vom Ende in dieser Beziehung ziemlich enttäuscht.

Fazit: 

Ein grundsolider Roman, der am Anfang genau das war was ich wollte, und gegen Ende zu etwas wurde, was ich durchaus akzeptieren kann. Ich bin ja normalerweise nicht so die Romantiksau, aber ein wenig mehr Lovestory hätte es schon sein können. 
Wer also einen hervoragend recherchierten Gaslicht Roman mit Fantasyelementen lesen will ist beim Puppenzimmer von Maja Ilisch genau richtig!






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