[Höhrbuchrezi] die Wahrheit des Blutes

Was gibt es schöneres als aus dem Urlaub nach Hause zu kommen und zu erfahren, dass man beim großen Bastei-Lübbe Jubiläumsbuch-Gewinnspiel gewonnen hat?

Ich hatte ja keine Ahnung! Zumindest hab ich keine "herzlichen Glückwunsch"-Mail bekommen, oder sie ist einfach nur in der Spamflut untergegangen. Ich riss packte das Päckchen aus und was kam zum Vorschein?


von Jean Christophe Grangé
6 CDs, 382 Minuten 
ISBN: 978-3-7857-4790-2
19.99 €
Sprecher: Martin Kessler

Inhalt: 
 Olivier Passan, Polizeikommissar und Einzelgänger, steht kurz davor, einen raffinierten Serienkiller zu stellen, der es auf schwangere Frauen abgesehen hat. Zugleich versucht er zu begreifen, warum die Ehe mit seiner japanischen Frau Naoko offenbar gescheitert ist. Als in ihrem gemeinsamen Haus bedrohliche Dinge geschehen, vermutet Passan zunächst einen Racheakt des Killers. Doch dann stellt sich heraus, dass die Anschläge mit der geheimnisvollen Vergangenheit Naokos zu tun haben …
 Meinung: 

Ich bin ein riesiger Fan von Grangé. 
Ich glaube er ist einer der ganz wenigen Autoren von dem ich wirklich jedes einzelne Buch in meinem Regal stehen habe (ich nenne es die schwarze Abteilung) und deshalb war ich total aus dem Häuschen, dass ich genau dieses Buch gewonnen hatte!

Der Inhalt klingt nach einem typischen Grangé. 
Düster. Brutal. Hart. Abgebrüht. 

Ab und zu muss man ja mal aus seinem Wolkenkuckucksheim den Elfenbeinturm herunterklettern und sich dem Dreck, der Gewalt und dem Elend von Paris stellen. Grangé ist immer eine gute Kur und wie gesagt, der Inhalt klang wie immer sehr nach eiskaltem Thriller. 

Jetzt nachdem die düstere Melodie der letzten CD verklungen ist, bin ich doch etwas unschlüssig. Zunächst einmal sei gesagt, dass die Geschichte mit dem Serienkiller, dem die Presse den treffenden Namen "der Geburtshelfer" verpasst hat und die Japan-Geschichte zwei autonome Handlungsstränge sind, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. 
Das ist ziemlich Schade, weil "der Geburtshelfer" an sich schon eine ziemlich interessante Geschichte abgeben würde, leider kommt die Story viel zu kurz. Es gibt kein richtiges Verfolgen (so wie man es aus anderen Büchern des Autors gewohnt ist) und dieser Teil ist auch leider viel zu schnell und relativ unspektakulär vorbei.
Es kommt einem beim Hören so vor, als hätte Grangé zwei tolle Ideen für zwei tolle Bücher gehabt, aber er hatte nicht genug Material für zwei, also hat er sie einfach, getrennt von einander, in ein Buch gepackt. 

Herausgekommen ist ein eher schwaches Buch des Autors. Das zwei genauso brutal, realistisch und düster ist, wie alle anderen Grangés. Der Autor schont den Leser/Höhrer nicht, die Morde werden wie gewohnt detailgenau geschildert und ich kann versichern, dass es ein zwei wirkliche Schocker gab, mit denen ich nicht gerechnet hatte. 
Der Japanplotteil watet auch mit einigen Szenen auf, die mich dazu gebracht haben, den I-Pod mitten in der Nacht auszumachen. 

Aber irgendwie bleibt der Roman hinter den Erwartungen und den anderen Büchern des Autors weit zurück. 

Bei seinem Held bleibt Grangé sich treu. Natürlich ist Olivier wieder ein Polizist. Und natürlich hat auch er, wie alle Helden des Autors seine persönlichen und familiären Probleme. 
Aber im Vergleich zu den starken und kaputten Helden früherer Bücher bleibt auch Olivier weit hinter seinen Kollegen zurück. 

Insgesamt kann man sagen: Ein solider Thriller, mit Schockmomenten, viel Blut, bildhafter Gewalt und einigen Aha-Effekten, aber sicher nicht das beste Buch des Autors. 

Der Vorleser, Martin Kessler, ist die deutche Synchronstimme von Vin Diesel. 
Viele meiner Freundinnen und wenn ich ehrlich bin, ich auch, mögen Vin Diesel besonders wegen seiner tiefen, männlichen, deutschen Synchronstimme. (Ehrlich warum sollten wir uns sonst Fast & Furios 1-100 ansehen ... wegen der Autos? Naja ;P)
Martin Kessler kann vorlesen, er ist die perfekte Wahl für einen Thriller wie diesen. Seine Stimme holt meistens noch mehr aus dem Text raus (und ich weiß endlich wie man die ganzen Namen und Plätze richtig ausspricht) 

Ich bin ja sozusagen eine Höhrbuchjungfrau (bis auf 20.000 Meilen unter dem Meer beschränken sich meine Erfahrungen auf die Benjamin Blümchen Kassetten meiner Kindheit) aber ich glaube ich hab Blut geleckt, was Höhrbücher anbelangt. 


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