[Rezi] Schauspieler küssen anders

So.
Nach der ganzen Fantasy, den Histos und  Mord und Todschlag, wollte ich einmal was lesen, was absolut nichts, mit keinem von allem zu tun hat.

Meine Wahl fiel auf dieses Buch:


von Sandra Regnier
Drachenmondverlag (12/12)
304 S. 
Softcover
ISBN: 978-3-931989-75-0
Preis: 14.90€


Inhalt: 

Du arbeitest hinter den Kulissen von Hollywood. Der Star hat nur Augen für dich. Unmöglich, denkst du. Unmöglich, denken alle anderen. Aber was tust du, wenn dein Herz nicht auf dich hören will, weil es sich absolut richtig anfühlt? 


Meinung:  

Es gibt (wenige) Bücher, die sind wie Donuts. 
Ich sehe sie, ich kaufe sie, ich verschlinge sie. 

Schauspieler küssen anders, war eher so wie chinesisches Essen. 
Eigentlich mag ich kein Chinesisch. Die Zutaten sind mir suspekt und ich mag lieber was Handfestes, anstatt mir aus einem Berg von Zeug das ich nicht mag, das herauszupicken was ich mag. Aber ab und an überkommt es mich und ich hab Lust drauf. 

Wahnsinn, ein Vergleich mit Hand und Fuß. 

Der Klappentext gibt den Inhalt des Buches eigentlich ziemlich gut wieder. Lisa, die neu hinter den Kulissen Hollywoods als Production Designerin arbeitet und Robert, der Filmstar schlechthin, verlieben sich ineinander. 

Der Roman wird aus sicht von Lisa Green (Ich-Perspektive) erzählt und, um beim chinesischen Essen zu bleiben, das war so eine Zutat die mir nicht gefallen hat, und die ich gern aussortiert hätte. 
Lisa ist 9 Jahre älter als Robert, ganze 33 Jahre alt. Sie tut manchmal aber so, als wäre sie schon fünfzig und oh Gott oh Gott ist sie so schrecklich alt. 

Für jemanden der an der Schwelle zur magischen drei steht, ist das ziemlich ... ja, es ist schlechtes Lesemojo, wenn man von einer Anfang-dreißigjährigen (auf die komischerweise alle Kerle fliegen, wie Motten aufs Licht) andauernd zu höhren bekommt, wie grässlich alt sie nicht ist. Und was sie nicht für Krähenfüße und Kilos zu viel hat. Und das obwohl das Bild, das ich nach der Beschreibung im Buch geformt habe, auf keinen Fall hässlich oder unscheinbar ist.

Ein Grund, warum ich "Liebesromane" eigentlich nicht mag, ist die Tatsache, dass es immer so eine süßsaure Soße sein muss, in der alles schwimmt.
Was ich persönlich immer am Schlimsten finde, ist die Selbstverleugnung der Protagonistin. 
"Er ist ein Hollywoodstar und wer bin denn ich im Vergleich dazu?"
"Er ist neun Jahre jünger, als ich".
Dieses Thema mit Variationen wird ziemlich totgetreten. 
Natürlich, kann man diesen Gedanken ganz am Anfang nachvollziehen, aber dass er sich auch im Laufe des Buches nicht einstellt. Nun ja.

Während die Lovestory sich ganz langsam anbahnt, die Protagonistin sich gern selbst verleugnet und kleinredet, fliegen die Seiten eigentlich nur so dahin. Ich hab das Buch auf der Rückfahrt von Amsterdam gelesen. In fünf Stunden. Neue Bestzeit. 

Schauspieler küssen anders, hat ein wirklich interessantes Setting. Das muss ich ihm lassen, es hat auch Geheimnisse und ja okay, es hat sogar seine dramatischen Höhepunkte. 
Wirklich erstaunlich. 
Genau das ist der Grund, warum ich manchmal chinesisch esse und solche Bücher lese.

Am Setting, und dem Drama hab ich wirklich nichts auszustezen und wäre Lisa nicht andauernd so ... nervig, wie sie nun mal ist, hätte ich sie wirklich  noch mehr mögen können. 

Was aber an mir total vorbeiging war Robert Faulkner. Der Kerl der Geschichte. Der Held. Das Brett. Das Loveinteresst. Der Typ auf dem Cover.
Die Autorin legt sich wirklich ins Zeug, aus ihm einen Frauenschwarm zu machen. 
Die adjektivlastigen Beschreibungen seiner äußeren Physiognomie können gut mit denen von Edward Cullen  mithalten. 
Gottgleich. Göttlich. Perfekt.
Er sieht unheimlich gut aus. Er ist Schauspieler, nein mehr noch Hollywoodstar. Er ist nett und treu und super. Er küsst wie ... ja wie ein Gott und sein Körper ... oh Gott sein Körper. 
Und als wäre das nicht schon genug: Er spielt Klavier wie Mozart, Bach und Debussy zusammen, hat ein Verständnis für Kunst und kochen kann er auch noch.

War mir jetzt ein bisschen viel des Guten.
Aber perfekte Schauspielertypen,die sich auch mal ans Piano setzen, sind glaub ich einfach nicht mein Typ Mann.  (Ich bleib bei Mr. Books und den anderen Akademikertypen)
Da kann ja aber die Autorin nix führ, sie liefert eigentlich die perfekte Steilvorlage für jede Liebesromanleserin sich seufzend noch tiefer in ihren Ohrensessel zu kuscheln.

Als reine Figur erfüllt Robert seinen Job ausgezeichnet, er ist einfach nur nicht mein Typ. Und wenn einem der Held des Buchs bei einem Liebesroman nicht zusagt ... naja da bleibt relativ wenig anderes übrig.
Das Lisa bisweilen nichts anderes macht, als zum tausendsten Mal zu erwähnen wie unsagbar perfekt und toll Robert nicht ist, macht die Sache auch  nicht besser. Ist jetzt vielleicht blöd das bei nem Liebesroman zu sagen, aber wäre da ein Tick mehr Story bei gewesen und ein Tick weniger Liebes-Beziehung-Ex-mann-Familienchaos, wäre es ein wirklich tolles Buch für mich geworden.

Und ernsthaft, mich würde brennend interessieren ob Robert Pattinson der Autorin als "Vorlage" gedient hat.

Zusammenfassend kann man sagen:
Schauspieler küssen anders, ist ein Buch mit einem sehr coolen Setting. Einer Prota die sich gerne mal selbstverleugnet und einem echten Traumtypen. Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen und dem obligatorischen Ende dieser Literaturgattung.

Eine Fortsetzung wird es auch noch geben.

Wer also Lust auf Hollywood und ganz viel Liebe hat, sollte dieses Buch lesen. Vielleicht ist Robert Faulkner euer nächster Traummann. Man kann ja nie wissen.


 


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