[Rezi] Hörig/die Augen Rasputins

Ich bin ehrlich, und gebe zu, dass ich manche Dinge im Buchgeschäft nicht mag.
Dazu gehören u.a. die unnötige Teilung mancher Werke (wie z.B. der Black Dagger Bücher) oder die Neuauflage alter Werke unter neuem Titel.

Hätte ich gewusst, dass Petra Hammesfahrs "neues Buch" die "Neuauflage" eines dreißig Jahre alten Romans von 1983 ist, hätte ich es mir nicht gekauft. Vielleicht ist das jetzt ein bisschen kindisch von mir, aber wenn ich den "neuen Petra Hammesfahr" lesen will, dann soll der doch auch bitte neu sein. Und nicht unter einem anderen Titel nur neu aufgelegt!

http://www.rowohlt.de/buch/Petra_Hammesfahr_Hoerig.3027706.html

von Petra Hammesfahr
Rororo
320 S. 
ISBN: 978-3-499-26683-6 
9.99€

Inhalt: 

Eine Kusshand hatte er ihr zugeworfen .Und ein wehmütig sehnsüchtiges Lächeln.
Im August vor sieben Jahren.
Ehe ein Gerichtsdiener die Tür hinter ihm und den beiden Polizisten schloss.
Und jetzt stand er hier vor der Tür.
Sie fühlte ihr Herz flattern und gleichzeitig den stählernen Ring um die Brust, der es zusammenpresste.
«Hallo», stammelte sie endlich und machte den ersten, winzigen, unsicheren Schritt auf ihn zu.

Für die Presse war er ein Dämon. Für Patrizia die große Liebe. Als Heiko Schramm zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde, brach für sie die Welt zusammen. Erst viel später akzeptierte sie, was alle zu wissen glauben: Dass er sie nie geliebt und nur benutzt hat. Diese Erkenntnis hat sie vor allem Ed zu verdanken, ihrem früheren Psychotherapeuten und jetzigen Ehemann.
Sieben Jahre später steht Heiko vor ihr. Und Patrizia kann nicht anders, als mit ihm zu gehen. Zurück bleibt eine Nachricht von ihr: «Es tut mir leid, Ed.»
Während Ed alle Hebel in Bewegung setzt, um sie zu finden, erkennt Patrizia nach und nach die entsetzliche Wahrheit ...

Meinung:

Seit meine Mutti auf einer Lesung von Petra Hammesfahr war, ist sie sozusagen zum Petra Hammesfahrsuperfan mutiert. 
Sie liest sich durch das Gesamtwerk der Autorin und sie ist da so, wie jede andere Leserin auch. Wenn wir von was begeistert sind, wollen wir, dass auch die Menschen in unserem Umfeld davon begeistert sind. 
Ich bin jetzt, wie schon öfters gesagt, nicht so der Krimileser, aber der "neue" Roman Hörig klang ja ganz gut. Und weil ich weiß, wie sehr man sich darüber freut, wenn andere Menschen die Bücher lesen (und gut finden) die man ihnen empfohlen hat, hab ich meiner Mutter die Freude gemacht und mir Hörig gekauft und angefangen zu lesen.
Ja, was soll ich sagen. Ich bin durch, aber irgendwie hat mir der Thrill bei diesem Thriller total gefehlt. 
Oder ich hab einfach was anderes, oder zu viel erwartet. 

Die Story an sich, war ziemlich verworren und ja, über lange Strecken dümpelte das alles so vor sich hin. Für mich persönlich macht Heikos großartiger Plan recht wenig Sinn, und die Figuren sind unterm Strich durch alle ziemlich unsymphatisch, oder sie lassen einem kalt. 
Hinzu kommt, dass das ganze ganz schrecklich, ja bieder geschrieben war. 

Ich hab das gelesen und für mich eigentlich die ganze Zeit nur zwei Sachen gedacht: 
a) Ja wann passiert denn da jetzt endlich mal was!
b) Kein Wunder, dass meine Mutter diese Bücher so liebt. Da kann sie sagen, sie hat einen Krimi/Thriller gelesen, ohne dass ihr die Pumpe geht. 

Ein Großteil des Buches nehmen endlos lange Rückblenden ein. Wenn sich Ed, oder Patty an die Therapie oder die Zeit des Überfalls erinnern. Das was dann aktuell wirklich passiert, ist wie gesagt ein Bauerntheater deutscher Biederkeit. 
Der übervorsichtige Beschützervater, der voreingenommene Polizist, die "Revolutzerschwester" mit dem unehelichen Bastard-Kind. 
Ich weiß ja nicht, ob es wirklich daran liegt, dass dieses Buch jetzt schon dreißig (!) Jahre alt ist, und man nur ein paar moderne Elemente wie Handys neu eingefügt hat, oder ob die Story an sich einfach nur ziemlich lahm ist. 
Das große Finale hab ich irgendwie überlesen. 
Dann war das Buch vorbei und ich dachte: Und das wars jetzt oder wie?
Hab noch einmal zurück geblättert, aus Angst beim quer lesen etwas überlesen zu haben, aber nein.

Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, so in der Retrospektive, kamen mir die Namen schon irgendwie alle durch die Bank durch komplett "albtbacken" vor. Aber dann dachte ich, naja die werden jetzt so alt sein wie du, und bei mir gabs ja auch nen Heiko in der Klasse. Und wir Deutschen haben halt gern mal diesen biederen Touch anheften. 

Wie gesagt, vielleicht mutiere ich hier wieder zum Korinthenkacker. ABER ein Autor entwickelt sich im Laufe der Zeit ja immer weiter, und ich lehn mich jetzt einfach mal aus dem Fenster und sag: Petra Hammersfahr kann das Heute bestimmt besser.

Und ich finde es ja auch löblich, dass Rowohlt die "alten Werke" seiner Autoren neu verlegt und ja ich kann sogar verstehen, dass man im Jahr 2013 mit einem Titel wie "die Augen Rasputins" keinen mehr hinter dem Ofen hervorlockt.

Aber ein kleiner Hinweis auf Buchverkaufsportalen und der eigenen HP dass es sich bei "Hörig" eben nicht um ein "neues" sondern um ein wiederaufgelegtes Buch handelt, wäre schon nett gewesen. 

Als Fazit kann ich nur sagen:
Das Buch hat m.M.n das Etikett Thriller nur im aller kleinsten Ansatz verdient.
Ich persönlich hab bis zum Ende den Thrill gesucht und nicht gefunden. Die Figuren sind bieder und eigentlich mag ich keine davon, Empathie kam  nicht auf und die Story (sofern man das so nennen kann) ist sogar für einen Thriller sehr konstruiert und über weite Strecken einfach nur langweilig.




Kommentare

  1. Auf einer Lesung durfte ich die Autorin bisher leider noch nicht erleben, aber ich habe einige ihrer Bücher gelesen, die mich überzeugt haben.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Rezension] Eisige Schwestern

[Montagsfrage] Kommentare

[Bookrant] Pakt des Blutes