Montagsfrage: Welches Klischee verteufelst du als Leser, hast es aber als Autor selbst schon benutzt?



Ja ja, die Sache mit den Klischees.

Ich gebe zu, es gibt ja so einiges, was ich bei Büchern nicht ausstehen kann. Bauernjunge wird zum Weltenretter. Prophetische Träume. Autounfälle die das Leben der Eltern auslöschen. Der Umzug von der Großstadt in ein verschlafenes Nest an der Küste und genau dort trifft tollpatischiges Mädchen die Liebe ihres Lebens.

Aber manchmal kommt man um die Klischees einfach nicht drumherum. Schlimm, aber wahr. Manchmal kann man es sich nicht verkneifen, meistens deshalb, weil das Klischee der einfachste Weg ist.

Ich hab mal nachgedacht, welche Klischees ich verwende und warum.

Waisenkinder: 

Mir ist aufgefallen viele meiner Protagonisten sind Waisen oder Halbwaisen. Und wenn Halbwaisen, dann sind IMMER die Mütter tot.
Ich hab mal eine tote Mütter Liste gemacht und sie war (im vergleich zu der tote Väter Liste) unheimlich lang.
Keine Ahnung warum ich immer die Mutter über den Jordan schicke, aber das nennt sich wohl ein Muster.

Ich als Leser rolle immer mit den Augen, wenn es schon wieder heißt: Nach dem tot ihres Vaters, nach dem Tod seiner Eltern muss Pipapo dies und das tun.

Und die einzige kleine Rechtfertigung dich ich habe, dass ich kein klassischer Buhuhu-Waisenkind-Autor bin ist: Bei mir sind die Eltern immer schon lange von irgendwas dahingerafft worden. Also kein plötzlicher Schnitt. Kein Buhuhu-traurig-traurig Teil bei dem die Prota am Grab vor den Trümmern ihres Lebens steht.

Bei mir sind die Protas immer schon zerrüttet was das angeht.

Starke Frau im historischen Kontext: 

Ich reg mich ja auch immer gern über zu früh emanzipiertes Weibsvolk auf.
Damen die im Mittelalter aufbrechen um Schmied, oder Papst oder Henker oder weiß der Teufel nicht was zu werden.
Da könnt ich, historisch betrachtet, echt das Tier kriegen. Vorallem, wenn sie dann noch so furchtbar emanzipiert sind und von Gleichberechtigung faseln.

Aber natürlich hab ich in meinem historischen Fantasy-Roman auch jede Menge berufstätiger Damen, die gar nicht daran denken zu Hause am Herd zu versauern. Die auch mal und gern Hosen tragen und den Herren in den Hintern treten.

Ich versuch mich natürlich historisch akkurat da rauszuwieseln und sage: Naja die Giftaffäre hab ich mir ja nicht ausgedacht. Die Damen führten nun mal ein florierendes Geschäft mit dem Ableben (untreuer) Ehemänner und lästiger Schwiegermütter.

Aber ich geb schon zu, ein bisschen Klischee sind die Damen dann doch. Und ich wette es wird einige Augenroller für mich in dieser Richtung geben.

So unterm Strich sieht es aber eigentlich recht gut aus.
Ich hoffe ich bleibe Mary & Lary-Sue frei und ich mache einen weiten Bogen um Prophezeihungen aller Art, Autounfälle und Bauernjungen.

Wer wissen will, wie andere es mit den Kischees halten, auf der Möwenseite gibt es noch mehr davon: HIER


Kommentare

  1. Waisenkinder: Ich muss dir absolut recht geben! Ich habe von manchen Lesern Komplimente dafür bekommen, dass ich »Light & Darkness« noch beide Elternteile meiner Protagonistin am Leben sind. Irgendwie schon ein sehr eigenartiger Pluspunkt wenn man so drüber nachdenkt. Allerdings hab ich auch tote Eltern in meinen Projekten und kann dieses Klischee absolut verstehen. Oft sind Eltern einfach im Weg, gerade wenn man über Minderjährige schreibt, da ist eine weniger fürsorgliche Tante, die keine Lust auf den Neffen hat, viel einfacher zum Handhaben.

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