[Rezi] der Henker von Paris

Als absoluter Historien/Paris/Barock/Rokokofan gab es für mich ja eigentlich nur eine Option: Ich muss den Henker von Paris lesen.

Jetzt bin ich durch und ich muss sagen: ...

http://www.lenos.ch/

von Claude Cueni
Lenos-Verlag
391 S. 
ISBN 978 3 85787 433 8
19.99€

Inhalt: 

Charles-Henri Sanson fühlt sich zum Arzt berufen. Doch auf seiner Familie lastet ein Fluch, der ihm bereits in der Schule zum Verhängnis wird: Man erkennt ihn als Sohn des Henkers, eine medizinische Laufbahn bleibt ihm verwehrt, er muss in die Fussstapfen seines Vaters treten. Töten statt heilen. Sanson wird zum Gefangenen seines Schicksals, die Qualen der Todeskandidaten werden zu seinen eigenen. Tagsüber richtet er auf dem Schafott, abends spielt er Klavier, und nachts seziert er die Leichen, um die menschliche Anatomie zu erforschen.
Während der Terrorherrschaft im Gefolge der Französischen Revolution guillotiniert »Monsieur de Paris« über 3000 Menschen. Die Stadt ertrinkt im Blut, und Sanson verliert allmählich den Verstand. Verzweifelt sucht er nach Menschlichkeit und Anerkennung. Die Liebe einer Siamesin, die er gleichwohl nicht heiraten darf, gibt ihm Halt. Bis sie selbst auf die Todeslisten der Revolutionäre gerät …
Claude Cuenis Roman ist eine ebenso beklemmende wie packende Charakterstudie über den berühmtesten Henker der Geschichte.


Meinung: 

Ich habe, wie schon öfters erwähnt, ein großes Faible für historische Stoffe mit Männern in den tragenden Hauptrollen.
Das Problem ist, dass der historische Sektor zu sehr von Frauen dominiert wird und man deshalb Kerle in Histos so schwer findet.

Als ich das Buch sah, Titel, Inhalt, Zeit und Ort, war mir klar: Das musst du lesen!

Jetzt bin ich fertig und ich muss sagen, Respekt an mich selbst, dass ich das durchgehalten habe. Ich hab den Autor gegoogelt und mir die überschwänglichen Rezensionen auf verschiedenen Buchplattformen angesehen und ich frage  mich ernsthaft: Hab ich beim Lesen etwas falsch gemacht?

Das ist wie bei moderner Kunst.
Ich steh vorne drann, alles um mich herum ist total begeistert davon, aber ich finde es grausam.

Und genau das selbe Gefühl hab ich auch bei der Henker von Paris.

Auf der einen Seite steht das interessante Thema, die Zeit in der es spielt und natürlich meine Lieblingskulisse ... Paris. Und wenn ich ein Buch habe das in einer tollen Zeit, mit tollen Menschen und in meiner absoluten Lieblingsstadt spielt, dann grab ich mich normalerweise da rein und komm nicht mehr raus, bis ich es durch habe.

Aber bei der Henker von Paris, ging alles sehr schnell in die Binsen, weil ich mit dem Schreibstil des Autors überhaupt nicht klar komme.
Kalt und emotionslos reiht er Hauptsatz hinter Hauptsatz. Ich glaube wirklich, dass ich noch niemals, nirgends so viele kurze, Sätze hintereinander weg gelesen habe und manchmal, ohne jetzt böse sein zu wollen, hatte ich mich echt gefragt, ob das ein Witz sein soll.
Auch manche Wendungen in der Geschichte, Dinge die passiert sind, wie sie sich entwickelt haben,  kamen mir ... ich weiß das klingt jetzt blöde, einfach schlecht gemacht vor. 

Zwar ist Monsieur de Paris im Grunde eine sehr interessante, vielschichtige, tiefe Person, die es wirklich verdient hat, dass man ihr ein literarische Denkmal setzt, aber leider hatte ich überhaupt keinen Bezug zu den Figuren. Einfach weil ... ja weil der Schreibstil mich nicht abgeholt hat. Der Bezug zu den Figuren, oder besser zu der zentralen Figur, stellte sich bei mir nicht ein.
Wäre Sanson auf der nächsten Seite von einer Kutsche überrollt worden, hätte ich das auch mit einem Achselzucken hingenommen.

Eigentlich weiß ich nicht so recht, was ich noch großartig über das Buch schreiben soll. Der Inhalt ist in der oben abgedruckten Zusammenfassung gut wiedergegeben.
Buch und Autor haben seine Fans, ich zähle bei Gott nicht dazu. Es war eine Chance eine wirklich interessante Epoche aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen (mal nicht den ganzen Fokus auf Marie Antoinette, Versailles usw.) und die wurde m.M.n. nicht wirklich ideal genutzt.

Unterm Strich ist zu sagen: Ein gut recherchierter Historienroman, der mir leider im Schreibstil überhaupt nicht zugesagt hat.

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