[Rezi] die Korallendiebin

Dieses Buch lag fast zwei Jahre ganz unten auf meinem SUB.
Aber weil dieses "blöde Ding" immer weiter wächst, und ich beschlossen habe an der SUB-Extrem-Challenge mitzumachen, wurde es Zeit mir mal die ganz alten Schätzchen aus meinem "noch zu lesen Regal" zur Brust zu nehmen.


von Rebecca Stott
352 Seiten
ISBN: 978-3896673398
9.95 €

Inhalt: 

Der gerissenste Meisterdieb der Literaturgeschichte ist eine Frau: Lucienne Bernard

1815: Der junge Medizinstudent Daniel Connor reist von Edinburgh nach Paris, um ein Jahr lang die Arbeit des berühmten Naturwissenschaftlers Georges Cuvier am Jardin des Plantes zu begleiten. In der Postkutsche trifft er auf eine geheimnisvolle Frau, deren Schönheit, Wissen und radikale Ideen ihn zutiefst beeindrucken. Als Daniel nach einem kurzen Schlaf am Ziel seiner Reise aufwacht, ist sowohl die Frau weg als auch sein größter Schatz: eine Koralle, ein Mammutknochen und zwei Notizbücher – alles Referenzen, die ihm Zugang zur renommiertesten Forschungsstätte seiner Zeit verschaffen sollten.

Fieberhaft sucht Daniel in den verwinkelten Straßen von Paris nach der geheimnisvollen Fremden, und er ist nicht der Einzige: Bei seiner Reisebekanntschaft handelt es sich nämlich um die Philosophin und Meisterdiebin Lucienne Bernard, der die französische Justiz seit Jahren auf den Fersen ist. Als sie erneut in Daniels Leben auftaucht, gerät er endgültig in ihren Sog und verliebt sich haltlos. Nun ist die Polizei auch hinter ihm her, und trotzdem wird er zu Luciennes Komplizen …
 

Meinung:

Ich bin ehrlich und sage: Nach diesem Klappentext hab ich persönlich etwas ganz anderes erwartet. Eine Meisterdiebin! Paris! Verwinkelte Gassen ... das Buch hatte mich schon bei Meisterdiebin. 

Wie gesagt ich hatte etwas ganz anderes erwartet, eine spannende Story, Einbrüche, Verfolgungsjagden durch die engen Gasse von les Halles. 
Aber irgendwie ... die Story ist nicht wirklich das Beste an dem Buch. Wirklich nicht. Die Handlung ist eigentlich eher solala und solala auch nur dann, wenn man gewillt ist ein paar Abstriche zu machen. 

Es lässt sich eigentlich zusammenfassen in: naiver Jungspund der ein bisschen akademisch weltfremd daher kommt, verliebt sich in ältere Frau (Lucienne ist schon an die 40) und wird zu ihrem Komplizen. 
Das kommt im Buch weder besonders spannend, noch nervenaufreibend, noch atemberaubend rüber. Wie gesagt, die Story ist bei dem Buch sowieso Nebensache. 
Das was dieses Buch so unheimlich genial macht, ist die Atmosphäre. Die Kulisse, die Beschreibungen. 


Es ist das Paris nach 20 Jahre nach dem Terreur. Das Paris nach Napoleons endgültigem Sturz, das von aller Welt geplündert und ausgeräumt wird. Verlassene Adelspaläste, immer noch frische Massengräber. Eine Stadt genau zwischen mittelalterlichem Chaos und der Moderne die in ein paar Jahren Napoleon III und Baron Hausmann einführen werden. Das alte Paris beginnt zu sterben, das neue entsteht. Und diese Atmosphäre hat für mich das Buch ausgemacht. Nicht die Story, die eher etwas dürftig war. Nicht die Charaktere, die auch insgesammt eher blass daherkamen.

Alles stinkt gegenüber der Location und dem Feeling ab. 
Aber das macht nichts. Überhaupt nichts, damit kann ich leben. Ich hab das Buch in zwei Tagen ausgelesen und jetzt will ich nach Paris in den Jardin de Plants. 

Denn dort spielt ein Großteil der Handlung, unser Held ist ja auf dem besten Weg Naturwissenschaftler zu werden. 
Ein bisschen erinnert er mich an Prof. Arronax aus 20.000 Meilen unter dem Meer. Ich persönlich mag es ja, wenn er anfängt über Molusken abnormer Größe und Korallen vor der Küste von Timor zu schwärmen die in Jahrmillionen die Sockel unserer Inseln und Kontinente gebildet haben. (Ich wusste ich behalt eine Störung zurück, wenn ich 20.000 Meilen unter dem mehr über zwanzig mal als Hörbuch höre)

Wenn ihr also ein Buch über das alte Paris lesen wollt und ihr lange Diskussionen über die Entwicklung von Arten, Unterartungen, Gattungen und Familien nicht scheut. Dann ist die Korallendiebin das ideale Buch für Euch.

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