[Hörbuch-Rezi] Silber


von Kerstin Gier
Argon Hörbuch Verlag
Sprecherin: Simone Pahl
Laufzeit: 9 Stunden; 35Min
8 CDs
ungekürzte Lesung
ISBN: 978-3-8398-4050-4
19.95€

Inhalt: 

Geheimnisvolle Türen mit Eidechsenknäufen, sprechende Steinfiguren und ein wildgewordenes Kindermädchen mit einem Beil ... Liv Silbers Träume sind in der letzten Zeit ziemlich unheimlich. Besonders einer von ihnen beschäftigt sie sehr. In diesem Traum war sie auf einem Friedhof, bei Nacht, und hat vier Jungs bei einem düsteren magischen Ritual beobachtet.
Zumindest die Jungs stellen aber eine ganz reale Verbindung zu Livs Leben dar, denn Grayson und seine drei besten Freunde gibt es wirklich. Seit kurzem geht Liv auf dieselbe Schule wie die vier. Eigentlich sind sie ganz nett.
Wirklich unheimlich – noch viel unheimlicher als jeder Friedhof bei Nacht – ist jedoch, dass die Jungs Dinge über sie wissen, die sie tagsüber nie preisgegeben hat – wohl aber im Traum. Kann das wirklich sein? Wie sie das hinbekommen ist ihr absolut rätselhaft, aber einem guten Rätsel konnte Liv noch nie widerstehen ... 

Meinung: 

Oh mein Gott, Kerstin Gier bringt eine neue Fantasy Trilogie heraus!
Ich gebs zu, lustige Fantasy oder lustige Bücher im Allgemeinen sind nicht mein großes Steckenpferd. Kerstin Gier hat mit ihren Müttermafia - Frauen - Rosacover - Lustig lustig Büchern nicht wirklich etwas für mich auf den Markt gebracht, aber die Edelsteintrilogie fand ich lustig und erfrischend. 

Deshalb war ich - wenn auch nicht so euphorisch oder aufgekratzt wie der Rest der Leserepublik - dann doch gespannt auf Silber.

Das Cover finde ich persönlich zu überladen. Ich weiß, ich mach mir damit keine Freunde unter den Fans, aber ich finds einfach zu viel des Guten. Zu wuselig und unterm Strich gefällts mir einfach nicht. 
Nachdem ich die Inhaltsangabe gelesen hatte, wurde (ähnlich wie bei Sternenseelen von Kerstin Pflieger) aus dem Wuhu ein laues Okay, denn wirklich innovativ klang das schon nicht mehr. Zumindest nicht so toll, dass es bei  mir einen Kauf/Vorbestelltreflex auslöste. 

Schlussendlich hab ich das Hörbuch aus einem Buchwanderpaket gefischt und es mir an einem Abend/schlaflosen Nacht angehört. 

Hier mein Bericht: 

Zunächst einmal zur Sprecherin. 
Ich hab viele Rezis gelesen die Frau Pahl ausdrücklich loben. Das kann ich nicht. Es ist nicht so, dass ich sage, sie hätte es schlecht gemacht, aber für mich hat sie es auch nicht super gut gemacht. 
Z.B. ihre "Versuche" das bayrische Kindermädchen "bayrisch" oder "dialektbelastet" klingen zu lassen,  gingen i.m.h.o voll in die Hose. Ich kenne den geschriebenen Text zu Silber an diesen Stellen nicht und weiß nicht, wie sehr Frau Gier da Dialekt vorgegeben hat, aber ich fand Lottie einfach grauslich. 

Weiter zum Inhalt. 
Ich frage mich ehrlich warum die Autorin da überhaupt diese "Traum/Dämonen/Fantasy-Geschichte" mit eingebaut hat. 
Weil Silber hätte auch irgendwie ohne sie funktionieren können. Die Idee mit den Träumen war mal etwas anderes, aber die Umsetzung ging weitestgehend in dem ganzen Alltagskrusch unter. Der Rest der Fantasyelemente war eher altbekannt.  Ich will hier keine großen Vergleiche zur Edelsteintrilogie ziehen, aber z.B. bei Rubinrot setzt das Fantasy-Element gleich auf Seite eins ein. 
Silber braucht dafür gefühlte Ewigkeiten.

Denn zuerst geht es nur um Liv, Mia, ihr Klischeebayrisches Kindermädchen Lottie, die Mutter und jede Menge Alltagsprobleme. 
Die Mutter, eine akademische Karrierefrau, schleift ihre Kinder rund um den Globus, hier hin und dort hin. Ein Leben mehr oder minder aus dem Koffer. 
Und auch London ist nicht das, was sich die "zwei Mäuse" erhofft hatten. Denn aus dem versprochenen Cottage bei Oxford wird eine übertrieben kitschige Interims-Wohnung mit Aussicht auf Einzug in das Haus des "Neuen" an der Seite der Mutter. 

Und so geht es on and on. 
Und Kerstin Gier übertreibt, überspitzt, sucht jeden Gag mehr oder minder mit dem Holzhammer. Da ist die Wohnung voller Porzelanballerinas, die "nervige Schnalle" an der Schule hat einen Alliterations-Namen Persephone P... P...-irgendwas, sollte wohl witzig sein, aber das hat bei mir nur Augenrollen ausgelöst. 
Das ist genau der Grund warum ich diese "witzigen Bücher" eigentlich nicht mag. Sobald der Autor aufhört krampfhaft nach Gags zu suchen, kommt heraus, dass die Geschichte ein einziges (schlechtes) Klischee ist und bis auf wenige Punkte nicht mal sonderlich orignell. 

Denn, und dieser eine Verlgeich sei mir noch gegönnt, im Vergleich zu Rubinrot, stinkt Silber einfach nur ab. 
Rubinrot, das war Gwen und die war ein, wie wir in der Pfalz sagen "dumm Dippe". Sie war schon ein bisschen langsam, tollpatschig und hintendran, aber irgendwo noch symphatisch. Sie hatten ihren Sidekick und gut war. 
Liv ist einfach nur kindisch,  nervig und ich weiß gar nicht wie. Ich mochte Liv nicht. Sie soll 15/16 sein, verhält sich aber gut und gerne wie eine zehnjährige. 
Dagegen ist ihre kleine Schwester Mia natürlich der Ausbund an Logik und Erwachsensein. 
Liv konnte während des ganzen Buches keine wirklichen Pluspunkte bei mir sammeln, insgesamt bleibt sie eine sehr blasse Protagonistin, mit der ich eigentlich nur negative Dinge verbinde.

Bei den Kerlen hat Frau Gier einfach nur noch übertrieben. Gut, ich bin mit meinen knappen 30 Jahren bei Leibe nicht mehr die Zielgruppe für Teenies unter zwanzig. Aber auch als ich 16 war, hat bei mir dieses Boy-Band-Schema nicht gezogen.
Jede dieser Bands hatte einen schönen Sunnyboy (Arthur); einen Womanizer der nix anbrennen lässt (Jasper); einen für die Stillen Mädels der auf geheimnisvoll macht (Henry); und den miesepetrigen Typen (Grayson).
Natürlich sind alle diese Typen total heiß, gutaussehend und weiß nicht wie. Ich mag solche aalglatten, wie im Buch beschriebenen "engelsgleichen" Typen einfach nicht. Und so wahr ich hier sitze, das hätte mich in meiner Teeniezeit auch net gereizt. Ich war und bin an die dreckigen Sondrelinge verloren ;)
Das schlimme an sämtlichen dieser Kerle, sie sind komplett austauschbar, und bleiben flach und blass. Nur Grayson wusste ich eine Charaktereigenschaft zuzuordnen "mürrisch" oder so, die anderen drei habe ich irgendwie immer verwechselt. Vier Kerle, alle heiß, alle von den Mädels begehrt, das war für mich einfach zu viel des "Guten".
Ein weiterer Punkt ist die gefühlte Länge der Szenen. 
Ich hatte beim Hören das Gefühl, manche davon würden einfach niemals enden. Beispielsweise die Szene in der die Kinder von den "wir ziehen zusammen"-Plänen der Eltern erfährt. 
Livs Stiefschwester in spe rastet total aus, und auf Liv ist nicht von schlechten Eltern. Und insgesamt dauert und dauert und dauert die Szene. Ich hab mich dabei ertappt wie ich auf die Uhr sehe, wie lange die noch darüber diskutieren wollen, wer jetzt welches Zimmer bekommt. Insgesamt muss ich sagen, dass solche Szenen, oder die ganzen Koch, Schul, Freizeitsachen auf mich eher wie Seitenschinderrei wirken. 
Eine neue Trillogie muss her, wir müssen Seiten vollbekommen, am besten noch voller "Altagshumor" der bei eben nicht zünden will. Silber war ein regelrechter Teufelskreis, wenn man mir diesen Scherz am Rande erlaubt. 
Ein weiteres störendes Element waren diese "Blog-Einträge" von Secrecy (?) und dieses Tittle-Tattle-Zeug. 
Ich weiß nicht, ob dieses Elemente im Buch z.B. durch andere Schrift (kursiv o.ä.) vom restlichen Text abgehoben sind. Beim hören war ich zunächst ziemlich verwirrt, was das jetzt soll, weil die Ich-Perspektive bis zu diesem Punkt ja Liv gehört. 
Naja. 
Der Inhalt dieser Tittle-Tattle-Einschübe ist einfach nur Lästerei. Über die dicke Mitschülerin, über unwichtiges Zeug, über diesen und jenen. Es ist bösartig und gemein. (Ja Kinder/Jungedliche sind böse und gemein) aber ich mag nicht, was für ein Bild da gezeichnet wird. 
Alle sind reich. Alle sind schön. 
Also komm lasst uns über die Dicken abziehen? 
Was genau diese Einschübe sollten? Keine Ahnung, vielleicht der Versuch ein Rätsel einzubauen, wer den jetzt Secrecy ist. Ist mir aber persönlich Jacke wie Hose. 
Was also bleibt unterm Strich von Silber?
Erschreckenderweise muss ich sagen: Nicht besonders viel. 
Die Story ist banal, und zum Ende hin erschreckend vorhersehbar. Kerstin Gier lehrt ein prall gefülltes Glas Kitsch über dem Buch aus und garniert es überall liebevoll mit Klischees. Die Figuren sind erschreckend blass. 
Zwar kann Frau Gier schreiben, oh ja, das kann sie, aber Spannung kommt nie wirklich auf. Es plätschert so vor sich hin und das Fantasyelement hätte man eigentlich nicht wirklich gebraucht. 
Den zweiten Teil der Trilogie werde ich mir schenken. 
Schade, ich hätte gern eine Edelsteintriloge 2.0 gehabt, aber das war wohl leider zu viel gehofft. :(






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