[Rezi] Tannöd

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Tannoed-Roman/Andrea-Maria-Schenkel/e363289.rhd

von Andrea Maria Schnekel
BTB-Verlag
190 S. 
ISBN: ISBN: 978-3-442-74263-9
7.99€

Inhalt 


In der tiefsten bayerischen Einöde: Eine ganze Familie wird in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Jetzt heißt er nur noch Mordhof, der einsam gelegene Hof der Danners in Tannöd, und vom Mörder fehlt jede Spur.

Meinung
  
Es gibt ja Bücher, da wirst du, auch nach Jahren, immer komisch angeschaut, wenn du dich dem Hype entzogen und sie nicht gelesen hast. 
Harry Potter. Twilight. Der Schwarm. Schneewittchen muss sterben. Feuchtgebiete. 50 Shades of Grey. Tannöd. 

Tannöd, das war vor ein paar Jahren ja ein Phänomen. 
Ich hatte das Gefühl, jeder hat dieses Buch gelesen und alle fanden es einheitlich toll und großartig. 
Krimis und Kriminalgeschichten haben nie einen großen Reitz für mich gehabt. Wegen der ganzen alkoholkranken Ermittler mit Eheproblemen und ähnlichen, immer wiederkehrenden Krimi-Klischees. 

Dann vor ein paar Monaten hab ich ein Reportage gesehen, über den ungeklärten Mordfall in Hinterkaifeck. Dem realen Verbrechen aus dem Jahre 1922, was sozusagen die Schützehilfe von Tannöd war.
Dieser Bericht, die Bilder, diese Atmosphäre, das hat mich tief drinnen, an der innen Seite meiner Knochen gegruselt. So ein wohohohohoho-Gruseln, ich will nicht sagen, ein "gutes Gruseln" weil 1922 ja wirklich Menschen gestorben sind. Aber es war eine morbide Faszination für das Szenario an sich. Ähnlich wie bei den Romanows, oder der Titanic. 

Und da hab ich dann die Verbindung zu Tannöd hergestellt, und wollte mir das Buch kaufen. Aber dann acht Euro für nicht mal 200 Seiten, in einem Genre das mir eigentlich nicht liegt?
Aber hey, zum Glück hab ich Vielleserkollegen, die mir nur zu gerne Büchr leihen. 
Nachdem Tannöd, im Zuge eines Weihnachtsaufräumens, im Bücherregal meiner Kollegin wieder aufgetaucht ist, hab ich das Ding gelesen. 

Und ja ... was soll ich sagen. 

Tannöd ist ein ungewöhnliches Buch, ungewöhnlich in jeder Hinsicht. 
Ungewöhnlich wie es erzählt wird. Manchmal sind es "Interviews" die einer namenlosen Person (der Autorin?) von Bewohnern des Dorfs gegeben werden. 
Manchmal sind es Passagen aus einer allgemeinen Erzählperspektive. 
Manchmal sind es seitenweise nur Gebete. 

Ich gebe ehrlich zu, dass mich der Stil den die Autorin hier an den Tag legt, nicht packen konnte. Die Interviews lesen sich wirklich so, wie (alte) Menschen sprechen. 
Hauptsatz an Hauptsatz. Endlose Wiederholungen. Irgendwann willst du die redende Person nur  noch anbrüllen "Ja wir haben es verstanden! Deine Beine sind nicht mehr so gut wie früher ... komm mal zur Sache!" 
Was auf der einen Seite authentisch ist, weil es eben Anno Dazumal spielt und man die ich nenns mal "schlichte Landbevölkerung" zu Wort kommen lässt, nervt auf der anderen Seite beim lesen gewaltig. Zumindest mich. Die vielen Kurzen Sätze. Subjekt - Prädikat - Objekt. Hintereinander weg, sind einfach nur ermüdend. 

In den Erzählerpassagen wird das auch nicht besser, und so konnte ich sprachlich recht wenig mit Tannöd anfangen. 

Rein von der Story her, war ich auch sehr enttäuscht. 
Eingentlich besteht fast das gesamte Buch, aus Gerede. Wer hat was über diese Familie zu sagen. Gerüchte. Gerede. Klatsch. Tratsch. 
Klar ist jede Gemeinde an Mikrokosmos aus solchen Verleumdungen, Halbwahrheiten und so weiter, aber irgendwann hätte ich mir schon etwas mehr Handlung an sich gewünscht. 

Der Schluss war für mich dann eine echt herbe Enttäuschung. 
Ich weiß nicht was ich erwartet hatte, aber die Auflösung lässt das ganze schon sehr banal wirken. 

(Ja ich weiß, die meisten Morde lassen sich auf dumme Banalitäten wie Eifersucht, Geld, Lust usw. herunterrechnen. Aber wenn man dieses mysteriöse Rätsel von Hinterkaifeck vor Augen hat und bekommt dann kurz und bündig diese Erklärung hier präsentiert, ich war mal wieder so: Okay ... hm ... ja ... in Ordnung und dann hab ich das Buch zugeschlagen)

Das was mich an Tannöd so enttäuscht hat war, ja, das es am Ende absolut banal und nichtssagend geblieben ist. 
Spannung, gab es nicht wirklich. 
Dieses gruselige Feeling, das ich beim schauen der Reportage hatte, hat sich nicht eingestellt. 
Die Figuren ... die meisten davon tauchen zu kurz auf, um einen Bezug herzustellen. Die Ermordeten waren mir durch die Bank weg unsymphatisch (bis auf die Kinder natürlich und die arme Magd, die echt mal Pech hatte). 

Als Fazit zu Tannöd kann ich sagen. 
Das Buch hat einen ungewöhnlichen Aufbau, und bleibt ansonsten erstaunlich blass udn banal. Wie daraus ein hochgelobter, mit Preisen ausgezeichneter Roman werden konnte, versteh ich mal wieder nicht. 
Aber ich kann wenigstens sagen: Tannöd, ja hab ich gelesen und vielleicht ist es ja auch das, was Bücher zu Bestsellern macht. Das kollektive Eingeständnis es gelesen haben ZU MÜSSEN, weil man ansonsten der Meinung ist etwas verpasst zu haben ;)

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