[Rezi] Tanz zu den Sternen

http://www.luebbe.de/Buecher/Kinder/Details/Id/978-3-8339-0174-4

von Sophie Flack
Baumhaus Verlag
315 S. 
ISBN: 978-3-8339-0174-4
14.99€ (gebunden)
11.99€ (E-book)
 
Inhalt: 
 
Einmal im Rampenlicht stehen, davon träumt die 19-jährige Hannah seit ihrer ersten Ballettstunde. Doch die Konkurrenz an der renommierten Manhattan Ballet Academy ist groß. Jedes Mädchen kämpft darum, eines Tages Solotänzerin zu werden. Zwischen hartem Training, Proben und Aufführungen bleibt kaum Zeit für ein Leben außerhalb des Theaters. Doch dann verliebt sich Hannah in den Musiker Jacob ... Wie viel ist sie bereit, für ihre Karriere zu opfern?
 
  Meinung: 

Ich mag Ballet-Bücher.
Und das ist seltsam, denn ich bin wirklich nicht der größte Balletfan der Welt. Natürlich sieht das was die Tänzer auf der Bühne vollführen immer schwerelos, toll, elegant und grazil aus, aber (so dumm wie das jetzt auch klingen mag) mir fehlt der Dialog.
Ich brauche Worte! Sätze! Sprache die Geschichten erzählt.

Schon als ich das Cover zum ersten Mal gesehen hab (irgendwann letztes Jahr im Hugendubel in München) hatte ich so diesen Schnappreflex. Ich wollte dieses Buch lesen. Vielleicht weil ich immer noch dieser verkitschten Tutu, Glitzer, Krönchenlüge aufgesessen bin, die viele Leute mit Ballet verbinden.

Tanz zu den Sternen, oder Bunheads, wie das Buch im englischen Original heißt, wird auch noch dem letzten Balletentheusiasten und Träumer die schonungslose Wahrheit vor den Latz knallen.
Ich glaube jedem ist klar, dass Ballet eine unheimnliche Schinderrei ist, dass man auf vieles (nicht nur Brot) verzichten muss, um einmal mitten auf der Bühne zu stehen und dass der Druck riesig ist.

Das war mir alles natürlich im Voraus klar. Womit ich nicht gerechnet hatte, war ... wie sehr mich dieses Buch in Anbetracht auf viele andere Dinge desilusionieren würde.

Die Protagonistin ist Hannah.
Sie ist 19 und wohnt praktisch im Theater. Sie hat ihre Eltern mit 14 verlassen und ist ganz allein nach New York gekommen, um ihren Traum zu verwirklichen. Ballerina zu werden.
Aber Hannah ist noch keine Ballerina. Sie gehört zum Corps de Ballet, den Mädchen im Hintergrund, die sich täglich beide Beine ausreisen, um endlich ein Solo zu bekommen.

Und auch Hannah träumt davon.
Solo.
Solotänzerin.
Aber Hannah hat noch ein anderes Problem. Sie will mehr, als nur das. Sie will ein Leben. Sie will lesen, auf Parties gehen, und sie will einen Freund der nicht in Strumpfhosen steckt. Aber geht das? Kann man beides unter einen Hut bringen?

Tanz zu den Sternen ist ein tolles Buch.
Die Autorin weiß was sie schreibt, denn sie war selbst Ballettänzerin bevor sie zum Stift gegriffen hat und man könnte Hannahs geschichte fast autobiographisch nennen.

Was mich fasziniert und gleichzeitig erschreckt hat, war diese ... ja Routine.
Mir ist zum ersten Mal in den Sinn gekommen, dass Ballerina ein Job ist wie jeder andere. Vielleicht mit anderen Kriterien, vielleicht mit strengeren Regeln, und schwankenden Arbeitszeiten, aber trotzdem ... nur ein Job. (Das klingt echt bescheuert, sich das so einzugestehen). Aber wenn ich mal ins Theater/Ballet/Oper gehe, dann ist das für mich immer dieser: Whoa-Effekt. Das die Leute auf der Bühne heute auch echt mal keinen Bock drauf haben, diese olle Kamelle von Shakespeare zum 2394mal aufzuführen, darüber hab ich noch nie einen Gedanken verschwendet.
In dem Buch hassen alle, alle, alle Tänzer den Nussknacker wie die Pest.
Vorallem wegen dem Kunstschnee, der nach der dritten Vorstellung eher aus Dreck besteht und überall kleben bleibt und nach Seife schmeckt.

Beschämend erinnere ich mich daran, dass ich letztes Jahr in London den Nussknacker gesehen habe, es ganz toll fand.

Hannah trägt über viele Seiten einen inneren Kampf mit sich aus. Sie ist mit dem, was sie will unheimlich zwiegespalten. Sie hat lange Jahre hart (wirklich hart) dafür gearbeitet dort zu sein wo sie jetzt ist. Und das Ballet aufzugeben wäre für sie, wie sich einen Arm abschneiden. Aber sie merkt auch, dass sie etwas (zu viel) vom richtigen Leben verpasst, weil sich ihr ganzes Tun und Denken nur auf das Ballet konzentriert.
Sie ist ein toller Charakter, auch wenn ich manchmal am liebsten ins Buch gekrochen wäre, um ihr bei manchen Dingen mal die Meinung zu geigen.

Auch die anderen Figuren sind mitunter großartig geworden. Allen voran Zoe. Zoe und Hannah haben ein sehr ambivaletes Verhältnis zueinander. In der einen Minute schminken sie sich gegenseitig, nur um sich in der nächsten gegenseitig ein Karrieremesser in den Rücken zu rammen.

Man sollte bei dem Buch natürlich keine richtigen Messer, Mord oder Totschlag erwarten. Es ist einfach nur das "ganz normale Leben" von Leuten, die einen außergewöhnlichen Job haben, der einem eine ganze Menge abverlangt.
Und als solches ist Tanz zu den Sternen wirklich ein gutes Buch, das ich jedem wirklich weiterempfehlen kann. 


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