[Rezi] Survive - wenn Schnee dein Herz berührt

http://egmont-ink.de/die-buecher/

von Alex Morell
Egmont INK
256S.
ISBN: 978-3-86396-047-6
14.99€

Inhalt: 

Das hochdramatische Abenteuer einer starken Heldin, die im erbitterten Kampf ums Überleben zu sich selbst findet und dabei ihrer großen Liebe begegnet. Aufreibend, ergreifend und herzzerreißend! Wie durch ein Wunder überlebt Jane einen Flugzeugabsturz mitten in den Rocky Mountains. Ironie des Schicksals – genau für diesen Tag hatte sie ihren Selbstmord geplant. Außer Jane hat es nur noch ein einziger Passagier geschafft: Paul. Gemeinsam schlagen sich die beiden Teenager durch die eisige Wildnis, und dabei erkennt Jane zum ersten Mal seit Langem: Sie will leben. Das ist vor allem Paul zu verdanken, der ihr Bestes zum Vorschein bringt. Nie zuvor hat Jane so etwas für jemanden empfunden, und für diese unverhoffte Liebe wächst sie über sich selbst hinaus … 

Meinung: 
Fazit nach dem Buch: Ja ... hm ... 
Das also schon gleich mal vornweg. Survive stand ewig und drei Tage auf meinem Wunschzettel. Es klang mal nach "etwas anderem" und ich bin ein großer Fan von Büchern, die etwas von der Norm abweichen. 
Dem entsprechend enthusiastisch ging ich an das Buch heran. 
Was augenblicklich wieder zu dem: Ja ... hm ... führt. 

Jane kommt aus einer Familie von Selbstmördern. 
Ihr Vater hat sich umgebracht, ihr Großvater hat sich umgebracht, ihre Großmutter ... wir wissen wohin das führt. 
Nach ihrem eigenen "Zwischenfall" landet Jane im Life House, einer Therapieanstalt. Aber Jane hat einen Plan, sie will alle hinters Licht führen und die perfekte Patientin werden und sich dann, beim weihnachtlichen Heimaturlaub, im Flugzeug umbringen. 

Und genau da fingen die Probleme des Buches an. 
Es ist einfach in sich vollkommen unlogisch. Nicht nur gelingt es Jane praktisch jedem vorzumachen sie wäre "geheilt", so dass man sie wirklich ohne Aufsicht in ein Flugzeug steigen lässt (ich dachte immer Psychiater wären besser ausgebildet, als das sie auf die Tricks einer 16jährigen reinfallen ) nein, sie recherchiert die Zutaten für ihren "Todescocktail"  am Rechner der Klinikbibliothek. (Alles klar. Gut zu wissen, dass psyschichkranke freien Interentzugang haben, um "wie kann ich mich  umbringen"-Foren zu besuchen, und niemand merkt es)

Dann kommt es zu der grenzenlosen Ironie des Plots. 
Das Flugzeug stürzt ab, Jane überlebt (unangeschnallt und schwerelos) in der Flugzeugtoilette den Absturz (das nächste ... ja ne klar). 
Am nächsten Morgen krabbelt sie aus den Trümmern, alle sind tot und zerstückelt oder erfroren, alle, bis auf ihren nervigen Sitznachbar Paul, der (wie der grenzenlos unlogische Plot es so will) mit seinem Sitz in einer Steilwand hängt und dann von Jane gerettet wird. 

Innerhalb von wenigen Minuten dreht sich Janes Gefühlswelt von Ich-mach-Schluss zu ich-will-leben. Ich kann nachvollziehen, dass man einen gewaltigen Überlebenswillen entwickeln kann, wenn man sich selbst mit schier unlösbaren Aufgaben konfrontiert sieht.
Was ich nicht nachvollziehen will, ist die grenzenlose Idiotie des Plots.
Paul und Jane beginnen vollkommen planlos durch die Gegend zu stiefeln und eine Steilwand raufzuklettern.
Und je mehr sie bergauf krakseln desto mehr geht es mit der Story und der Logik bergab. Scheinbar ist es möglich mit zwei stelbstgeschnitzten Stöckchen und genugen Willenskraft von jetzt auf gleich zum Superbergsteiger zu mutieren.

Wenn es sich dann nicht darum dreht dass am a) kalt hat (es ist Winter, oh welch Wunder) oder b) Jane innere Monologe führt, in dem sie die vergangenen Therapiestunden mit ihrem Psychodoc Revue passieren lässt, spielt sie Lebensbeichte-Bullshit-Bingo mit Paul.

Ja, das Leben ist kein Ponyhof.
Und ja, es gibt schlimme Schicksale da draußen.
Es gibt schreckliche psyschiche Erkrankungen, wie Depressionen, die einen Menschen so weit treiben können, dass er sich eine Kugel in den Kopf jagt.
Und ja, es gibt grässliche Erkrankungen, wie Krebs, die man echt seinem schlimmsten Feind nicht an den Hals wünscht.
Nur fand ich, die Autorin übertreibt hier maßlos.
War Paul am Anfang der coole, abgeklärte, der der etwas verrückten, introvertierten Jane als Pol gegenüber stand, so mutiert er im Laufe der focierten Handlung (das rumlaufen dient nur dazu, dass die Figuren sich näher kommt und ist deshalb *augenroll* ) zu einer Jane 2.0
Was er an "Ballast" mit sich rumschleppt ist auch nicht von schlechten Eltern und in der Summe, war das einfach zu viel Drama auf einmal.

Daneben geht die Kleinigkeit mit dem Flugzeugabsturz und das "Oh verdammt wir sitzen in der Wildnis fest" eh so gut wie unter.
Denn komischerweise ist dieser Flugzeugabsturz die beste Therapie die Jane hätte passieren können. Und sie kapiert endlich, wie lebenswert das Leben eigentlich ist und wie kostbar.
Und an sich, war die Idee zu Survive wirklich klasse, nur scheitert die Handlung eben an sich selbst.

Ich hatte etwas mehr Überlebenskampf und etwas weniger Schlimme-Kindheit-Trauma erwartet und vor allem, wie oben erwähnt, auch etwas mehr Logik.
Denn obwohl es saukalt ist, sie nix zu fressen haben und Wasser mühsam schmelzen müssen, finden die Zwei immer noch Zeit und Kraft übereinander herzufallen wie ausgehungerte Berglöwen.
Auch sind sie mit ihren, teils haarsträubenden Verletzungen, immer noch in der Lage immer weiter zu maschieren. Und Jane verliert, trotz eigentlich unzureichender Ausrüstung, nicht mal einen kleinen Zeh.

Fazit:

Ich hatte mir von Survive mehr versprochen, als es am Ende gehalten hat. 

Der Autorin gelingt es irgendwie nicht den Plot logisch und nachvollziehbar zu gestalten. Ein Großteil der Handlung wurde so forciert, damit aus den zwei einzigen Charakteren die im Buch eine aktive große Rolle übernehmen, auf Teufel komm raus, so etwas wie ein Liebespaar wird. 

Unterm Strich ist Survive einfach eine Spur zu viel langweiliges Drama und zu wenig Überlebenskampf. Die knappen 200 Seiten werden der emotionalen Tragweite die ein Flugzeugabsturz + Survival in der Wildnis mit sich bringen könnte, nicht gerecht. Es hätte einfach mehr Füllmaterial gebraucht, denn so, und man möge mir diesen Wortwitz verzeihen, lies mich der "Überlebenskampf" in den verschneiten Rockys eifnach nur kalt. 

Survive bekommt deshalb keine Leseempfehlung von mir. Schade! Chance vertan :(

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