[Rezi] Quintessence

http://www.tor.com/stories/2012/08/quintessence-excerpt
von David Walton
Tor Books
320 S. 
ISBN: 0765330903
10.90€
Inhalt: 
Imagine an Age of Exploration full of alchemy, human dissection, sea monsters, betrayal, torture, religious controversy, and magic. In Europe, the magic is thin, but at the edge of the world, where the stars reach down close to the Earth, wonders abound. This drives the bravest explorers to the alluring Western Ocean. Christopher Sinclair is an alchemist who cares only about one thing: quintessence, a substance he believes will grant magical powers and immortality. And he has a ship.

Meinung: 
AAAAAAAAAAAAAAAAARGH!
Ganz ehrlich. 
AAAAAAAAAAAAAAAAARGH trifft es so ziemlich genau. Ich meine, seht euch diese Buchbeschreibung an! Dieser Weltenentwurf, diese Ideen, dieses Chancen, dieses Potential, und dann dass ... 
Ernsthaft, ich hab die Beschreibung gelesen und gedacht, das hier wird wieder eins von den Büchern die ich in einem Happs esse. Eins von denen, die mich nie wieder loslassen. Genau meins. Genau das, was ich will. Und dann ... dass!
Wo soll ich anfangen? 
Ich weiß um ehrlich zu sein, nicht mal wo ich anfangen soll. Das Buch beginnt zunächst richtig cool. Ein Schiff kehrt nach London zurück, fast alle Männer sind tot oder am Sterben. Auch der Captain weiß er wird draufgehen, aber er hat den Laderaum voller Diamanten und heilendem Wunderwasser, voller Schätze und Gold und überhaupt. Dann beim Einlaufen in den Hafen stellt er fest, ... war wohl nix mit den Schätzen. Shit happens. 
Ein Mann namens Christopher Sinclair luxt der Witwe das Schiff ab, und will damit zum Rand der Welt segeln (ja die Welt ist eine Scheibe, Columbus wohl über den Rand gefallen, die Sonne knallt jeden Abend mehr oder minder in den Ozean, und dort vermutet Sinclair die Quintessence. Die Prima Materia. Den Schlüssel zu unendlicher Macht, sogar über den Tod. Ich weiß, das klingt jetzt alles total booooah, aber es ist fürchterlich verkopft und wissenschaftlich. Ich hab da an sich nichts gegen, aber die Art wie der Autor das umsetzt ... dazu später mehr. 
Auf der anderen Seite gibt es da noch Stephen Parris. Der ist seines Zeichens Leibarzt des Königs, und hat ein für die damalige Zeit gefährliches Hobby. Wenn er nicht gerade dem König beim sterben zusieht, zerlegt er in der heimischen Diele gerne Leichen, um zu verstehen wie der Körper funktioniert. Auch in einer alternativen, flachen, von Alchemie durchsetzen und von Seeungeheuern heimgesuchten Welt ein absolutes No-Go. Aber da er dieser Abendbeschäftigung lieber in seiner Diele, anstatt an irgendeinem geheimen Ort wo ihn keiner kennt nachgeht, dauert es echt nicht lang, bis er erwischt wird, und dann ist die Kacke mal so richtig am dampfen. Und Parris muss besser jetzt, als gleich das Land verlassen. 
Als gibt es noch Catherine. Parris unsymphatische Mary-Sue-Tochter. Ehrlich Catherine war all das was mich an Frauen in Histos abstößt. Natürlich will sie frei und unabhängig sein und pi pa po. Natürlich findet sie es total geil in irgendwelchem Gekröse herumzuwühlen und nach einer Weile hatte ich das Bedürfnis sie über die Reling des Schiffs zu schubsen und ihr beim ersaufen zuzusehen, denn Catherine nervt!
Gut wir haben also unsere drei mehr oder minder recht unsymphatischen Charaktere. Wenn ich für einen noch was über hatte, dann wohl für Sinclair. 
Die machen sich also auf den Weg nach Horizon, der Insel am Ende der Welt. 
Begleitet werden sie von einem Priester der die Heiden bekehren will, dessen Sohn der natürlich total auf Cat abfährt, einem nubischen Prinz und einem Haufen protestantischer Flüchtlinge die vor der neuen Königin (Bloody Mary) flüchten. Ach ja ... und einem Mantikor. 
Den hat nämlich der oben erwähnte Captain mit nach England eingeschleppt. Chichirico hat auch sowas wie eine Shiningbeziehung zu Catherine und ihrem Dad, weil er die ... ach lest selbst. 
Ich glaube, das größte Problem der Story war: sie ist unendlich laaaaaaaaaaangsam. Ernsthaft, ich hab für zwei Seiten zehn Minuten gebraucht. Und es passiert und passiert und passiert einfach nichts. Zuerst ist man in England und ich lasse es dem Autor, dass er wirklich einen genialen und gewagten und außergewöhnlichen und faszinierenden Weltenentwurf abgeliefert hat. Und es gab wirklich Szenen bei denen ich dachte: WOW unfassbar, wie cool. 
Aber diese Szenen werden einfach von der geballten Ladung Langeweile und ja ... Nichtinformation aufgewogen. 
Du hast Figuren, die wenn schon nicht symphatisch, dann doch wenigstens einigermaßen interessant sind. Aber Handlungsstränge werden manchmal über Kapitel schleifen gelassen, Dinge bei denen ich mich frage, wie sie funktionieren sollen, werden nicht erklärt. 
Als Beispiel: Der Mantikor ist auf dem Schiff (der kann sich unsichtbar machen) und keiner weiß davon außer den Protagonisten und ein paar anderen. Dann vergehen Seiten um Seiten. Der Mantikor wird nicht mehr erwähnt. Dann erfährt man mal in einem Nebensatz, dass er jede Nacht zu Catherine kommt, um ihr seine Sprache beizubringen. Okay ... dann ist er wieder für die nächsten 20 Seiten weg. 
Das Buch hat 320 Seiten. Auf Seite 170 war Horizon immer noch nicht in Sicht. Dafür hatten wir viele höchst wissenschaftliche Diskussionen. Alchemistische Experiemnte. Debatten über jedes naturwissenschaftliche Thema. Eine Meuterei. Glühende Schädel. Shiningbeziehungen. Eine kleine Exkursion in das Problem der Conversos in Spanien. 
 
Ich sags mal so: Ich hab nichst gegen irgendetwas von den oben genannten. ABER es sollte in einer packenden Story vermittelt werden. Leider verliert sich Quintessence in diesen verwinkelten Abseiten der Geschichte und verliert irgendwie den Fokus. 
Und auf Horizon wird die Sache dann auch nicht wirklich besser.
Fazit: 
Auf der Plusseite steht wirklich die Idee dieses Weltenentwurfs. Für sich betrachtet einer des Besten die ich je gelesen habe. Der Autor ist brilliant darin ... wirklich. Die Welt ist nicht das Problem des Buches. Sie ist vielschichtig, in sich stimmig, atemberaubend und wirklich einzigartig. Die Wesen. Der Aufbau. Alles. Es hat mich dazu gebracht das Buch wirklich bis zum Ende zu lesen. 
Auf der Gegenseite steht, die verkopfte Erzählweise. Der Autor verliert sich in diesen wissenschaftlichen Abseiten und die Geschichte kommt nicht in Gang. Quintessence war wieder eins von den Büchern, bei denen ich am langen Arm verhungert bin, weil ich einfach mehr wollte. Mehr Infos. Mehr Charaktere. Mehr Hintergründe. Mehr von einfach allen und ich hab es nicht bekommen. Noch dazu konnte ich mit den Protagonisten, allen voran Catherine, nicht so wirklich warm werden. 
Zurück bleibt eine vertane Chance. Schade. 
3/5 Sternen
  
 

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