[Rezi] blutige Stille

http://www.fischerverlage.de/buch/blutige_stille/9783596184514
von Linda Castillo
S. Fischer Verlage
400 S. 
ISBN: 978-3-596-18451-4
8,99€
Inhalt: 
Sie töteten alle Mitglieder der Familie Plank. Die Leichen des Vaters und der beiden Söhne fand man im Wohnhaus, die der Mutter und des Babys auf dem Weg zur Scheune. Doch niemand war auf das vorbereitet, was sie in der Scheune fanden. Die beiden Mädchen, gefoltert und misshandelt. Die Familie gehörte zur amischen Gemeinde in Painters Mill, Ohio, sie lebten getreu ihren Glaubensgrundsätzen von Schlichtheit und Bescheidenheit, waren gottesfürchtige Leute. Fernab von den Verführungen der Zivilisation. Oder enthüllt das Tagebuch der ältesten Tochter eine andere Wahrheit?
Spannungsgeladen und aufregend: Auch der zweite Thriller mit Polizeichefin Kate Burkholder ist Nervenkitzel pur. Ein Thriller, der Gänsehaut garantiert!

Meinung: 

Seit Jahren will ich ein Buch von Linda Castillo lesen, aber irgendwie konnte ich mich nie dazu aufraffen eins zu kaufen. Krimis/Thriller behandele ich mit besonderer Vorsicht, einfach weil sie alle am selben Problem kranken. Zumindest meiner Meinung nach. 

Blutige Stille gab es als Mängelexemplar in einer Wühlkiste bei einer großen deutschen Buchhandelskette und meine Chance war gekommen. 

Krimis sind ja ein relativ ausgeschlachtetes Genre und jeder Autor muss sich seine Nische suchen. Denn eigentlich haben schon alle möglichen Leute in Büchern Milliarden von Morden aufgeklärt. Ganz egal ob jetzt Nonne, Pfarrer, Hure, Teenager oder Rentnerin. War alles schon mal da. Linda Castillo hat sich die Amisch ausgesucht. Das ist, zugegebener maßen, mal was anderes. 

Ich hab das Buch jetzt  nicht gekauft, weil die Amisch eine Rolle spielen, oder weil ich mich besonders dafür interessiere. Mich hat nur die Leseprobe im Internet die ich irgendwann mal gelesen habe, auf den Schreibstil der Autorin neugierig gemacht. Und schreiben kann die gute Frau. Ich bin ja jetzt wirklich nicht zartbesaitet, was Brutalitäten in Büchern angeht, aber Linda Castillos Leichen waren echt ... sie waren schon mehr als echt, sie waren schon medizinisch echt und manchmal wars sogar für  mich hart an der Grenze. Ekel- und Schüttelfaktor, für mich sehr hoch. Die Autorin knallt uns die ungeschönte und ungeschminkte Wahrheit vor den Latz und das war schon ... übelst heftig, auf der anderen Seite natürlich auch ein großer Pluspunkt der Geschichte. 

Das Leben der Amisch und die persönliche Verbindung der Protagonistin, Kate Burkholder, waren interessant und ja ... eben mal was neues. Die Story ist gut, die Jagd nach dem Mörder führt uns an Orte und zu Menschen die wir eigentlich nicht kennenlernen wollen, wobei ich mich manchmal echt gefragt habe, wie viele kaputte Menschen in einer so kleinen Stadt wie Painters Mill eigentlich leben können. Und auch die Tatsache, dass in so einem Kaff vor einem halben Jahr ein Serienkiller sein Unwesen trieb (erster Band der Reihe "die Zahl der Toten") und kaum sechs Monate später massakriert jemand eine ganze Familie ... ich möchte echt nicht in Ohio wohnen sag ich da nur :D
Das Tempo des Buches ist rasant und wird durch die gewählte Erzählform (größtenteils Ich-Erzählerin Kate + Präsens) auch noch einmal erhöht. Natürlich will man wissen wer es war und warum und ich hab das Buch an drei Abenden (neben der WM) gerissen. 
Kommen wir zu den oben angesprochenen Problemen, die ich persönlich mit Krimis/Thrillern habe. Die beiden Genres werden ja mit Sadisten, Serienkillern, Geistesgestörten und Perversen nur so geflutet. 
Irgendwann reicht es eben nicht mehr aus, dass der Mörder der Gärtner war, oder dass Cluedo-mäßig Lord Brixton in der Bilbiothek mit einem Kerzenständer erschlagen wurde. Nein, die Autoren müssen immer noch einen drauf setzen. Ich bin wie gesagt kein zart besaitetes Primelchen, aber ich hab immer das Gefühl, dass mich nicht wirklich mehr was schocken kann, weil ich (nach dem Genuss von einigen Thrillern) eh glaube schon alles gesehen zu haben. Ja die genaue Beschreibung der Leichen, war ... eklig, weil die Autorin detailverliebt an die Sache herangeht. Aber der große Schockmoment (das Auffinden der Mädchenleichen) war für mich nur noch ein Schulterzucken. Und wenn mich schon der Schockmoment nicht mehr schockt ... sieht es eben düster aus. Und lässt man jetzt mal die grausigen Details außen vor und beschränken uns nur auf den "Fall" an sich, dann bleibt nicht mehr viel übrig.Es fällt mir schwer genau mit dem Finger darauf zu zeigen, sagen wir einfach, die Figuren und ihre Schicksale waren einfach nicht interessant genug, um mich vollends zu begeistern.
Ein weiterer ... ja ...  nicht Kritikpunkt, denn "Blutige Stille" war ja ein unterhaltsames Buch ... sagen wir einfach die Autorin hakt einfach einen Punkt nach dem anderen auf der langen Liste der "Krimi/Thriller-Klischees" ab. 
Wir haben den sadistischen Killer, ohne die fast kein Buch mehr auskommt. Und auf der anderen Seite stehen natürlich die kaputten Helden. Ständig am Saufen. Ich glaub die haben in dem Buch mehr Wodka vernichtet, als meine angeheiratete russische Verwandtschaft auf drei Hochzeiten. Natürlich ist Kate beziehungsunfähig, natürlich hatten sie und ihr männlicher Kollege krass schwere Schicksalsschläge zu verkraften, was sie dazu bringt noch mehr zur Flasche u/o zu verschreibungspflichtigen Medikamenten zu greifen. 
Natürlich ist man auch wieder total emotional involviert und so weiter und so fort. 
Das heißt jetzt nicht, dass Kate per se ne langweilige oder schlechte Protagonistin war. Es unterstreicht nur mal wieder, die Einseitigkeit dieses Genres. Und das ist eben das, was mir an Krimis/Thrillern meist nicht zusagt. Diese verdammten Stereotypen ... das entlockt mir ganz automatisch ein Augenrollen. Man rechnet ja schon mit nix anderem mehr.  

Fazit: 

Blutige Stille ist ein guter Thriller. Wirklich. Er ist düster, hart und in Sachen Leichen sehr detailier und sicher nichts für schwache Nerven. Leider krankt er an den üblichen Klischees des Genres.

Aber trotz dieser kleinen Mankos hat es Spaß gemacht das Buch zu lesen.

4/5 Sterne

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