[Rezi] Der Schauermann

von Martin Barkawitz
157 S. 
Stor2go Verlag
3.99€
 
Inhalt:
 
Nackte Angst macht sich breit, als im Hamburger Hafen im heißen August des Jahres 1892 eine schöne junge Frau grausam ermordet wird. Beunruhigende Gerüchte machen dei Runde - ist wirklich ein Vampir für ihren Tod verantwortlich?
Polizei-Offiziant Lukas Boysen glaubt nicht an einen Blutsauger als Täter. In einer Stadt, die unter einer schlimmen Cholera-Epidemie leidet, gleich die Kriminalermittlung einem Tanz auf dem Vulkan. Als Boysen eine heiße Spur aufnimmt, wird er schon bald von seinen Vorgesetzten gestoppt. Mächtige Interessengruppen scheinen den Mörder schützen zu wollen. Der Fahnder kommt einem furchtbaren Geheimnis auf die Spur.
Boysen ist ganz auf sich alleine gestellt. Unterstützung bekommt er nur von der resoluten jungen Schönheit Anna Dierks, die Zeugin eines Mordversuchs geworden ist. Zwischen Hurenhäusern und Opiumhöhlen, Schiffs-Laderäumen und eleganten Bürgersalons kommt es zu einer atemberaubenden Mörderjagd durch das choleraverseuchte Hamburg.

Inhalt:

Ja, es ist halb zwei Uhr in der Früh. Ich bin müde. Ich bin stinksauer, ich muss diese Rezi jetzt schreiben, weil ich sonst an die Decke geh. 

Auf meiner Suche nach neuen Indie-Histos bin ich vor längerer Zeit auf den Schauermann gestoßen. Hamburg. Killer. Ein Typ in der Hauptrolle. Opiumhöhlen. Her damit.

Die Story beginnt wirklich gut. Ich mochte den Schreibstil. Derbe. Dreckig. Blutig. Gefiel mir sehr gut. Der Prolog, der erste Mord, die ersten Kapitel mit Boysen. Ich dachte wirklich, ich hätte eine Perle gefunden. 

Doch dann. Dann ging alles den Bach runter. Auftritt Anna Dierks. Selbsternannte Retterin der gefallenen Mädchen, die dem bis dahin schön schmodderigen Hamburg ihre christliche Nächstenliebe aufdrückt. Kaum steckt Anna ihre Suffragettennase in den Plot, stürzt dieser ab. War es vorher noch eine ganz nette Milleustudie, mit kleinen Schwächen, bekommen wir von Fräulein Dierks wieder all dass, was ich bei diesen Büchern nicht ausstehen kann. Wertungen für den Leser, Armutstourismus, Händeringen ob der Armut. Verblödete Meinungen reicher Bürgerstöcher, die von hartgesottenen Polizisten abgewatscht werden. 

Der Moment, als Anna auftaucht ist der Todesstoß für den Plot. Der Autor verliert sich in winzigen Subplots. Chinesische Mafia. Ehemannsuche in Blankenese. Cholera-Epidemie. Immigrantenprobleme. Alles wird minimalst einmal angekratzt und dann weiter zum nächsten Punkt. Wir reden hier von einem Text von gerade mal 150 Seiten! Ich bitte euch, das kann man doch gar nich alles in 150 Seiten stecken und dann einen tollen, logischen, spannenden Plot rausbekommen!

Die Mordermittlung ist, und es tut mir leid das zu sagen, rundheraus lächerlich. Auch das Boysen Anna so stark in seine Ermittlungen involviert ist einfach nur unglaubwürdig. Die Handlung geht immer zack-zack voran, ohne Probleme kann das Fräullein Dierks sich ins Haus der Hauptverdächtigen einschleußen und liefert Hinweise. Und wir reden auch hier nicht von einer Entwicklung ... nein! Morgens baldovert sie mit Boysen den Plan aus. Dann schmeißt sie sich sofort danach an die Schwester des Verdächtigen rann, die am selben Abend einen Lyrikabend veranstaltet und genau an diesem Abend, belauscht sie ein wichtiges Gespräch, und kann am nächsten Morgen schon Bericht erstatten. 

Ich saß kopfschüttelnd vor dem Text. Was zu Anfang noch sehr vielversprechend aussah, entwickelte sich zum Ende hin zu etwas, das mich absolut geschockt hat. Nicht, weil es so schockierend spannend gewesen wäre. Nein. Von den letzten Kapiteln fühle ich mich als Leser veralbert und an der Nase herumgeführt. Ein Gefühl, dass ich schon lange nicht mehr hatte. Im vorletzten Kapitel, wird dem Leser, mehr oder weniger aus heiterem Himmel, die Lösung präsentiert. Warum hat der Mörder gemordet. Zack Bum. Ich saß vor dem Text und dachte nur: Hä? WAS? 
Und dann im lezten Kapitel ... Zack Bum ... Handlung reißt ab. Epilog ... Tralalala
 
Der Schreibstil gefiel mir zu Anfang sehr gut. Weil es eben so derbe und authentisch war. Im Laufe des Buches allerdings, wurde der Stil immer schludriger. Alle zehn Sätze macht sich Boysen keine Illusionen über etwas. Anna reißt alle fünf Seiten ihre schönen Augen weit auf. Der Autor wiederholt andauernd Erkenntnisse, die der Leser schon längst hat. Irgendwann hatte ich den Verdacht, der Autor wollte so Seiten schinden. Auch das er für mich wertet mag ich nicht. Ich bilde mir mein Urteil beim Lesen lieber selbst. 

Fazit:
Unfassbar! Der Schauermann ist das erste Buch seit langem, bei dem es mich einfach nur noch ärgert Zeit und Geld darin investiert zu haben.  Das Buch startet gut, verliert aber im Laufe der Handlung stark an Potential. Und das Ende ist eine einzige Enttäuschung für mich gewesen.
 
1,5/5 Sternen
Keine Empfehlung von mir

Kommentare

  1. Hallo :)
    eine ehrliche und toll geschriebene Rezi! Schade dass das Buch so nervig war. Der Klappentext klingt echt toll!

    Liebe Grüße und einen guten Rutsch!

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    1. Ich weiß.
      :(
      Klappentext und die ersten Kapitel waren auch toll, aber dann ... mich ärgert das so ...

      lg

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