[Rezi] Ewig und eine Stunde

von Miram H. Hüberli
75 S. 
ISBN: 978-3-646-60109-1
1.49€
Ich habe vom Carlsen Verlag eine Gratis Kopie dieses Buches erhalten. Vielen Dank dafür!
Inhalt:

Immerbald – Fremdbekannt – Lieblichkühl...
Es ist ihr drittes Jahr in Paris – der Stadt der Liebe, wenn auch nicht für Geneviève. Bis sie eines Tages anfängt Botschaften zu finden. Auf Kaffeebechern, Parkbänken und in den Augen eines jungen Mannes, den sie nie zuvor gesehen hat. Aber der sie zu kennen scheint.


Meinung: 

Okay, okay.
Ich will eins vorwegschicken: Ich bin ernüchtert.
Wie ich, in meinem letzten Post, angemerkt habe, mag ich Kurzgeschichten und Novellen eigentlich ganz gerne. Für kurze/kürzere Formate ist der Kindle einfach ideal und perfekt.
Allerdings gebe ich jetzt zu, dass gerade mal 75 Seiten, für eine komplette Geschichte, rein erzählerisch, verdammt wenig sind.

Gut. Vielleicht bin ich nicht die glühende Verehrerin von Liebesschnulzen und Young Adult/New Adult Inhalten. Ich lese zwar beide Genres, aber nicht in der großen Masse. Und vielleicht wird der eine oder andere sagen: "Es ist halt nicht dein Genre". Ein Argument, das ich immer recht kurzsichtig finde. Wie soll man den neue Genres finden, wenn man sich nicht an ihnen versucht?

***

So, genug Einführung. 
Kommen wir nun zur Geschichte selbst. 
Der Schreibstil von Fr. Hüberli ist, genau wie ich erwartet habe, locker und schnell. Man ist sofort in der Geschichte und  im chaotischen Leben von Genevieve (Gen) drin. 

Gen wohnt in Paris
Also nicht falsch verstehen. Sie wohnt nicht in Paris, der Hauptstadt Frankreichs, sondern in Paris.  Das Paris, das wir aus Hollywood-Kitschfilmen und überzuckerten Liebesromanen kennen. Das Paris in dem es scheinbar nur Kopfsteinpflasterstraßen, pittoreske Cafés und Parks gibt. Sogar die Straßenlaternen sind ein Traum! 
Ich hab schon einige Zeit in Paris verbracht und solche Beschreibungen führen immer dazu, dass ich ungläubig den Kopf schüttelte. Stimmt etwas mit mir  nicht? Ist das das Bild, das Leute von Paris haben, die noch nie dort waren, oder ist es das Bild, dass sie sich von "der Stadt der Liebe" wünschen?
Unterm Strich ist es ein Kitschparis, das mit dem echten Paris so viel zu tun hat, wie Äpfel mit Kettensägen. 
ABER wenn ihr Kitsch mögt, dann werdet ihr Gens Paris echt dufte finden. 

Ich will hier schnell anmerken, dass ich dem Buch 3 Sterne gebe. Nicht, weil ich die Paris Sache oder andere Kleinigkeiten doof finde, sondern, weil mir einfach zu vieles gefehlt hat. Diese ... ich nenns mal persönlichen Animositäten fließen nicht/so gut wie nicht in die Bewertung mit ein.

Gut, Gen wohnt also in diesem Kulissenparis mitten in der "Altstadt" also irgendwo im 7. Arrodissement in der Nähe des Eiffelturms (hach). Ihre beste Freundin ist gerade ausgezogen und Gen hat den Blues. Was wäre da besser, als Aufräumen und beim träumend aus dem Fenster schauen sieht sie IHN. 
Den Traummann schlechthin!
Dummerweise hat er scheinbar eine Freundin und die liefern sich einen Megastreit auf der Straße, so lange, bis die Braut einfach auf ihrem Roller davonrauscht. Gen hat natürlich alles mitbekommen und der Typ hat mitbekommen, dass sie alles mitbekommen hat. 
Autsch. 

So und da sieht sie den Kerl wirklich überall. 
Zuerst in diesem pittoresken Café. Und dann hat sie plötzlich eine Nachricht auf ihrem Kaffeebecher. 
Remember me. 
Hat mich schon mal gewundert, dass es in Paris wirklich zumindest einen Franzosen gibt, der englisch kann. Gen wundert sich viel mehr darüber, ob das jetzt der total heiße Kerl geschrieben hat und macht sich voll den Kopf. 
Sie wandert herum, in einen von den Parks, und entdeckt dort ein Herz in ihre Bank geritzt mit ihrem Namen und dem Namen eines Mannes. Nash. 

Moment mal ... 
Nash?
Ein Franzose der ohne Scheiß Nash heißt ... Nash wie ... Nashville (ja, das fällt später) 
Das war mir dann doch zu hipster. 
Ich bewerte das Buch natürlich nicht schlechter, weil ich diesen Namen offengestanden mehr als albern finde. Aber ich gebe zu, dass es mich gestört hat. Mir ist schon klar, dass die Autorin den Namen gewählt  hat, weil er schnittig und draufgängerisch klingt, aber ich bin irgendwie zu alt um bei so einem Namen aufzuseufzen und an einen echt coolen Typen zu denken. 

Als ich die Inhaltsangabe gelesen habe (in der ja Kaffeebecher und Parkbank erwähnt werden) dachte ich, da käme noch mehr. Aber nein. 
Die Nachrichten beschränken sich erstmal auf diese beiden, aber Nash verfolgt Gen. Oder zumindest hat sie den Eindruck. 
Und ja, aber dieser Szene im Café fing die Story an für mich ziemlich wirr und unausgegoren zu werden. Mir kam es manchmal so vor, als hätte die Autorin das einmal runtergeschrieben und sich dann nicht nochmal hingesetzt um die Logik zu überprüfen. 

Ein Beispiel: 
Kurz nach der Sache im Café sitzt Gen in einer Bibliothek und lernt. 
Sie niest und wird von der Bibliothekarin geschuscht. 
Drei Minuten später führt sie eine ewig-und-drei-Tage Unterhaltung mit Nash und die Bibliothekarin scheint sich nicht daran zu stören (oder sie ist Bücher einstellen) 

Der größte Kritikpunkt den ich an Ewig und eine Stunde habe, ist, dass mir alles zu wirr war. Aufgrund der geringen Seitenzahl muss die Autorin eine ganze Geschichte in unter 100 Seiten quetschen. 
Also die Botschaften, die Sache mit Nash, einen stalkenden Ex-Freund, die übersinnliche Komponente und die Auflösung. 
Viel Spielraum für Erklärungen und dergleichen fehlt da natürlich. 
Man kann natürlich nicht alles haben, eine Kurzgeschichte und einen komplett ausgebauten Plot, allerdings sollte man dann auch nicht so viele Komponenten in 75 Seiten packen. 
Als es dann in Richtung Auflösung ging dachte ich immer öfter:  HÄ?
Und die Auflösung selbst ... äh ... ja. Ich war ziemlich perplex. Nein, wirklich perplex und dann war es vorbei und ich fühlte mich irgendwie ... auch nicht schlauer. Ja, ich glaube, das beschreibt es am Besten. 

Ich hab eine Geschichte von 75 Seiten gelesen und bin hinterher genauso weit wie vorher.

Was bleibt unterm Strich?
Das Setting? Dafür ist es mir das Paris zu Hollywood. 
Die Romantik? Ich bin scheinbar zu alt für hipster Badboys mit okkulten Problemen. 
Der Witz? Ja gut, es war locker und flockig geschrieben, hatte keine Längen oder Hänger und war jetzt nicht wirklich langweilig. Fesselnd war es hingegen auch nicht. Es war okay. 
Die Story? Hätte Fr. Hüberli mehr Zeit/Seiten gehabt, wäre sicher mehr daraus geworden, so war es mir einfach zu gehetzt, weil zu viele Punkte abgearbeitet werden mussten. Und deshalb Handlung und Dialoge in meinen Augen etwas zu kurz kamen. (Ich dachte öfter: So was sagt doch keiner)

Die Autorin hat ein paar kleine Zeichnungen beigesteuert, das fand ich ganz süß gemacht.

Fazit:

Ewig und eine Stunde war okay. 
Etwas nettes für zwischendurch, dass einem die Zeit auf einer Bahnfahrt oder im Wartezimmer vertreiben kann. 
Leider war mir die Story insgesamt zu wirr und ich konnte mit den Figuren relativ wenig anfangen
Fans von Liebesromanen werden das bestimmt anders sehen :) aber ich gebe dem Buch gutgemeinte 

3/5 Sternen







Kommentare

  1. Hallo :)
    eine tolle und ausführliche Rezi! Ich fand das Ende der Geschichte auch nicht gut, es kam so plötzlich und dann wars auch schon vorbei!

    Liebe Grüße

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