[Rezension] Roter Falter

von Sam Eastland
Droemer Knaur
Inspektor Pekalla #4
416 S.
ISBN: 978-3-426-51543-3
 9.99 € E-Book & Print

Inhalt: 

Sommer 1941: Hitlers Truppen marschieren scheinbar unaufhaltsam voran, über Russland wird ein deutsches Aufklärungsflugzeug abgeschossen. Darin findet sich ein Gemälde, das auf den ersten Blick einen großen Nachtfalter darstellt. Doch Inspektor Pekkala erkennt in dem Gemälde einen getarnten Grundriss der Zarenresidenz im ehemaligen St. Petersburg. Daraufhin argwöhnt Stalin, dass es die Deutschen auf das legendäre Bernsteinzimmer abgesehen haben, und schickt Pekkala in die belagerte Stadt.
get it: 
Meinung: 
Irgendwie kann der Verlag sich nicht entscheiden, ob er den vierten Band der Pekkala Reihe jetzt Roter Falter oder Roter Schmetterling nennt. Falter wäre richtiger, weil im Original heißt das Buch Red Moth. 
Auf der Verlagsseite von Droemer-Knaur gibt es nur das oben abgebildete Cover, es kann aber sein, dass ihr das Buch im Laden unter dem Schmetterling findet (verwirrend)

Gut. 
Inspektor Pekkala ist eine der wenigen Reihen, die ich lese. 
Band 1 und 2 habe ich kurz nacheinander auf englisch verschlungen. Band 3 war Mist. Sag ich offen und ehrlich. 
*Persönlicher Meinungsmodus an* ich finde es eben daneben einen Action-Thriller-Plot in einem Gulag spielen zu lassen. Man würde ja Indiana-Jones auch nicht nach Auschwitz schicken, um die Reichsflugscheibe zu finden. Genausowenig will ich, dass Pekkala in einem Gulag nach Hinweise auf das Gold des Zaren sucht. *Persönlicher Meinungsmodus aus*

Nach dem Desaster mit Band 3 hatte ich erstmal die Nase voll von Pekkala und Stalin und Sowjetrussland, bis ich letzte Woche Band 4 im Angebot von Skoobe entdeckte und dachte: ach was solls. 
Ich und Pekkala und Major Kirow hatten so viele schöne und unterhaltsame Stunden zusammen. 
Also habe ich der Serie noch eine Chance gegeben. 
 
Roter Falter spielt 1941 und es geht um das Bernsteinzimmer. 
Jeder Band der Reihe hat irgendwie irgendwas mit den Romanows zu tun. Die sind Stalins und Pekkalas Nemesis. Man wird die Bande einfach nicht los. 
Ein Gemälde taucht auf und schnell wird klar, die Nazis wollen sich das Bernsteinzimmer unter den Nagel reißen und da es nicht - wie in den Rundfunkmeldungen verkündet - auf dem Weg nach Sibirien ist, sondern immer noch im Alexanderpalast, muss sich Pekkala auf dem Weg machen das Zimmer zu retten. 
 
Und genau da fing irgendwie das Problem an. 
Das Buch hat 412 Seiten. 
Bis Seite 350 (ca. auf dem I-Pad ist das mit den Seitenangaben immer so eine Sache) hocken Pekkala, Kirow und die Schnalle, die ihnen helfen soll, immer noch in Moskau. Natürlich müssen sie erstmal das Rätsel um das Gemälde lösen, aber irgendwie wurde ich langsam unruhig. Es waren noch 150 Seiten und auf denen sollten sich unsere Helden hinter die deutschen Linien schleichen. Einen hochrrangigen SS-Offizier entführen. Das Bernsteinzimmer retten/zerstören. Es mit ihrem Gefangenen zurück nach Moskau schaffen und sich dann erneut als Helden der Sowjetunion feiern lassen. Oh und noch den Mord in Moskau muss auch noch aufgeklärt werden. 
Und irgendwie war mir klar, dass der Autor das in der Anzahl an Seiten, die ihm noch zur Verfügung stehen, nicht mehr hinbekommt. Es sei denn, der Plot wird total verhuscht. 
 
Und genau das ist dann auch passiert. 
Manchmal passieren in diesem Buch Dinge ... dreht der Plot sich so schnell ... werden Lösungen präsentiert ... dass ich gar nicht mehr mitkomme. 
Ja, ich weiß, dass Pekkala voll der Superbulle ist. 
Ja, ich weiß, der der Mann Dinge überlebt, die kein lebender Mensch jemals überleben würde und dass er 1000 Schutzengel und unverschämtes Glück hat, aber manchmal ist auch gut. 
 
Beim Lesen dachte ich manchmal wirklich: "Och komm, du willst mich doch verscheißern."
Wenn z.B. Kirow einen Verdächtigen stellt und der - ohne Not - einfach mal einen Mord gesteht. Ich dachte echt, ich les nicht richtig. Einfach so, weil der Autor diesen Plotteil abschließen MUSS und einfach keine Zeit/Seiten mehr hat, das mit dem Mord zu einem besseren Abschluss zu bringen. 
 
Und genau das Selbe passiert auch mit dem Bernsteinzimmerplotteil. 
Nachdem Pekkala und seine Begleitung den zu entführenden SS-Offzier getroffen haben, redet und plaudert dieser zwei Seiten über alles Mögliche. Pläne inklusive. Und man denkt sich: Äh ... ist Pekkala jetzt eigentlich noch mit im Raum? Ja, ist er. Irgendwann steht da sowas: "Erst jetzt schien [insert Name] Pekkala zu bemerken." Äh ... Pekkala ist ein 1.90 großer Finne, in Armeeuniform. Wie bitte kann man den übersehen?
 
Leute. Ich weiß ja, dass das hier ein Action Plot ist. Ein Thrillerplot. Ein Superermittlerplot. Aber manchmal denke ich wirklich der Autor übertreibt es ein bisschen. Und zwar ein bisschen zu viel. Pekkala ist eine der wenigen Reihen die ich lese. Und die ich auch gern lese und immer wieder lese. Weil ich die Recherche und die Figuren des Autors wirklich toll finde und weil ich es liebe in jedem Buch ein bisschen was von den Romanwos zu sehen. Aber bei aller Liebe ... manchmal enttäuschen mich seine Bücher zum Ende einfach nur. Ich will, nachdem ich mich in den ersten 200 Seiten, manchmal durch seitenlange Wiederholungen, aus den vorangegangenen Bänden (für diejenigen, die die Reihe nicht chronologisch lesen) gekämpft habe. Und mir manchmal halbe Kapitel über diese und jene unwichtige Nebenfigur gegeben habe, dann am Ende auch einen Schluss haben, der nicht im Hopplahopp Verfahren in den Plot geprügelt wird. 

Fazit: 

Pekkala lese ich immer wieder. 
Ich mag die Figuren und die Recherche des Autors. 
Allerdings hatte ich, nach einer extrem langen Anlaufzeit, das Gefühl, dass dem Autor am Ende einfach die Seiten ausgegangen sind und das eigentliche Kernthema des Buches, zu wenig Platz einnahm. 

deshalb
 
3,5/5 Sternen
 
 
 
 

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