[Rezension] Schwarzblende

von Zoe Beck
Heyne-Verlag
416 S.
ISBN: 3453410432
9.99€ Taschenbuch
8.99 € E-book
Get it
Inhalt: 
Ein grausamer Mord an einem Soldaten erschüttert London – und der junge Kameramann Niall gerät als Zeuge zwischen die Fronten

London. Der Kameramann Niall Stuart wird unfreiwillig Zeuge, als zwei junge Männer einen Soldaten in zivil grundlos angreifen und töten. Niall nimmt die Szene mit seinem Handy auf. Einer der Täter kommt zu ihm, das blutige Messer noch in der Hand, und bekennt, dass er den Mord im Namen Allahs begangen hat. Sein Komplize schwenkt die Flagge des Islamischen Staats. Als Niall wenig später den Auftrag erhält, eine Dokumentation über den Fall zu drehen, ahnt er nicht, dass er mit grausamer Absicht für diese besondere Aufgabe ausgewählt wurde.
Rezi enthält Teile des Inhalts. 
Nicht Spoilerfrei! 

Terror. IS. Anschläge. Islamismus. Immigranten. Integration. Rassismus. 
Wenn man zur Zeit nicht in einer Höhle, unter einem Stein oder auf dem Mars lebt, kommt man an diesen Themen nicht vorbei.
Zoe Beck hat ein Buch über ein Thema geschrieben, wie es aktueller nicht sein könnte. Das war einer der Gründe, warum ich Schwarzblende gelesen habe. Der andere Grund war Zoe Becks wuderbarer Blogartikel über Schriftstellerinnen, denen geraten wird, unter Männerpseudonymen zu veröffentlichen. [LINK]
Man kann sagen, ich mochte Zoe Becks Standpunkt. 
Ich mag es auch, dass Zoe Beck solche Bücher schreibt. Über harte, unbequeme, brutale Themen und sich als Frau nicht nur auf Romantik, Fantasy und Chick Lit reduzieren lässt. 
Leider, und das mein ich in aller Ernsthaftigkeit, war Schwarzblende ein Buch mit gutem Ansatz, dass mich dann doch am langen Arm verhungern lies. 

Es beginnt damit, dass Niall, ein am Leben und seinen Ansprüchen gescheiterter Kameramann, einen brutalen Mord filmt. Mitten in einem londoner Park zerhacken zwei Islamisten einen jungen Soldaten. Im Namen Allahs und des IS. 
Und schon in diesem ersten Kapitel wurde mir klar, dass Niall und ich eine schwierige Reise vor uns haben. Sympathien.
 Für mich als Leser, sind die Charaktere IMMER das wichtigste an einem Buch. Immer. Ohne Ausnahme. Die Geschichte kommt erst danach, weil wenn wir ganz ehrlich sind, gibt es nicht so viele tolle neue Ideen, es sind die Menschen, die die Geschichte tragen. 
Ich bin ein Charakterleser. Ein Prota oder auch ein Nebencharakter muss mich packen. Dazu muss er nicht hübsch oder heldenhaft oder edel sein. Ich muss nur diesen Funken haben, dieses Interesse an ihm und seinem Leben und bei Niall war da von Anfang an so eine Art Antipathie. Nicht auf eine gute Art, wie z.B. bei Sand dan Glokta aus Joe Abercrombies Fist Law Trilogie oder bei Cersei aus ASOAIF. Niall war nicht einer von den Charakteren, bei denen man es liebt sie zu hassen. Nein. Ich mochte Niall einfach nicht. 

Niall ist einfach ein Jammerlappen. Er ist ständig dabei zu scheitern, zu zweifeln, zu hadern, zu jammern. Er wäre gern supererfolgreich, ist aber zu feige dazu es umzusetzen. Er hätte seine Chancen nutzen können (Studium) und hat es aus Feigheit nicht getan. Und dieser Niall ist der tragische Held dieser Geschichte. Aus ihm hätte etwas werden können, wäre nicht seine total Planlosigkeit, die er in so ziemlich jeder Situation an den Tag legt und die vielen manchmal vollkommen sinnfreien Gedankengänge. 
Eigentlich ist Niall eine 0815 Type.
Nur leider machen 0815 Typen keine tollen Protagonisten.

Ein weiterer Kritikpunkt für mich war, dass auf das Vater/Sohn Thema unendlich viel Zeit verschwendet wurde. Zeit, die man auch z.B. in etwas mehr eigentlichen Plot hätte stecken können. Irgendwann war ich nur noch genervt von diesem Niall // Leonard Thema. Manchmal vergehen ganze Kapitel, ohne dass die Reportage etc. erwähnt wird und wir sind gefangen in Nialls Alltag. 
Als sein Vater dann auch noch entführt wird, ist der Plot für mich komplett abgestürtzt. Ich konnte die Art und Weise wie Niall mit dem Thema umgeht irgendwie nicht nachvollziehen. Zuerst denkt er, es wäre ein Scherz. Dann fährt er in das Büro seines Vaters und findet es verwüstet vor, sieht wie dieser mit einem Mann weggeht, der an der Pforte unten den selben Namen wie der getötete Soldat angegeben hat. 
Rekation?
Ach fahren wir erst mal zu meinem Dad nach Hause schauen. Vielleicht ist alles ein riesen Missverständnis. Bei seinem Vater angekommen, erfahren sie von der tollen Nachbarin, dass sie Leonard gesehen hat, mit einem komischen Typ, und er war auch ganz komisch drauf und als die dann oben in Leonards Wohnung waren hats voll gescheppert, und als sie rasukamen war Leonard verletzt, aber da hat sie sich jetzt auch nix groß bei gedacht ... 
Ich war so ...ja ... wütend. Dass ein Plot, der im Kern so vielversprechend war, duch solche Szenen einfach kaputt gemacht wird.

Das eigentliche Thema wird zwar auch immer wieder angerissen und beleuchtet, aber es geht im großen, gegen Ende sehr inszinierten Drama dann doch unter. 
Manchmal kam es mir so vor, als würde ich einer Pro/Contra SPON Debatte im Kommentarforum folgen. Weil ich von den Protagonisten die selben platten Kommentare (von beiden Seiten) immer und immer wieder höre und das wars dann. Die "harte" Außenministerin (die zufällig auch noch Nialls "Tante" ist. Noch so ein Plotteil den ich unglaublich "praktisch" fand. Nialls Vater ist der größte Kriegsberichterstatter aller Zeiten und sein Tantchen Außenministerin ... nun ja) diese harte Außenministerin ist natürlich das Hassobjekt von vielen Nebencharakteren. Und ja, das fand ich mitunter unendlich seicht. 

Fazit: 
Natürlich war nicht alles schlecht an dem Buch. 
Wirklich, ich wollte gern etwas zu einem so aktuellen und brisanten Thema lesen. 
Ich finde Zoe Becks Schreibstil toll und werde auch bestimmt noch ein anderes Buch von ihr ausprobieren. 

Allerdings finde ich, dass die Autorin zu viel Seiten auf diese Vater-Sohn-Sache verschwendet und die Handlung kippt einfach im letzten Drittel zum Negativen. Selbst für einen Thriller, der die Spannung zwar bis zum Ende halten kann, war es mir etwas zu übertrieben. 

3/5 Sternen.

Kommentare

  1. Huhu,
    wirklich schade. Ich hab bisher viel Gutes über die Autorin gelesen...

    Lieben Gruß
    Steffi
    (Kennst du schon mein Gewinnspiel? ;) )

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    Antworten
    1. Hallo Steffi,

      danke für deinen Kommentar.
      Ja, ich hab auch viel Gutes von Zoe Beck gehört, deshalb werde ich auf jeden Fall noch ein anderes Buch von ihr lesen

      lg
      Nadine

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  2. Klingt jetzt nicht allzu überzeugend :)

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA

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