[Rezension] Die 13. Jungfrau

von Katharina Münz
Schruf & Stipetic 
334 S. 
8.99€
Inhalt: 
Viele Mythen ranken sich um die Stadtheilige von Köln und ihre elf jungfräulichen Hofdamen. Doch bis zum heutigen Tag bleibt das Schicksal der 13. Jungfrau ein Rätsel.
Zur Zeit der Wikingerüberfälle verlässt die junge Melwyn im Gefolge einer Fürstentochter ihre Heimat Cornwall. Um die Anerkennung ihres Vaters zu gewinnen, schwört die Bastardtocher eines Edelmanns, sich um die jüngere Halbschwester zu kümmern. Als ein Sturm die Reisenden nach Köln verschlägt, geraten die jungen Frauen in Gefahr. Beim verzweifelten Versuch, ihre Schwester zu retten, lädt Melwyn große Schuld auf sich, ehe sie beginnt, ihren eigenen Wert als Schildmaid zu erkämpfen.  

Meinung: 

Ich bin keine große Schmökertante. Das wisst ihr alle, deshalb war ich zunächst sehr skeptisch, als ich gefragt wurde, ob ich nicht diesen Coming-of-Age Roman aus dem Mittelalter lesen will. 
Ich gehöre nun mal zu dieser verrückten Gruppe von Leuten, die -aus bestimmten, guten Gründen - Frauen in Mittelalterromanen eigentlich nicht so mögen. Deshalb habe ich mir erst die Leseprobe angeschaut und fand die Geschichte ganz ordentlich. 

Wir lernen Melwyn kennen, die Bastardtochter eines walisischen Fürsten, die eine Prinzessin zusammen mit zwölf anderen Ehrenjungfrauen zu ihrer Hochzeit begleiten soll. Doch das Schiff gerät in einen Sturm und das Leben aller steht plötzlich auf Messers Schneide. Da der Anfang sehr spannend war und viel Action und Intrigen versprach, habe ich zugestimmt das Buch zu lesen und mich frisch ans Werk gemacht. 

Bis zu diesem Punkt war das Buch sehr unterhaltsam, und das obwohl ich von Anfang an mit Melwyn furchtbar auf Kriegsfuß stand. Melwyn ist einfach eine von den Protagonistinnen die dich von Anfang an mit ihrer Naivität und Weltfremdheit auf die Palme bringen. "Heldinnen" wie Melwyn sind auch einer der Gründe, warum ich so wenig Bücher dieser Art lese. Einfach weil ich mich konstant über ihre Art am aufregen bin. Das ist anstregend und nervt und es kann zu Schädelbasisbrüchen führen, weil ich mir konstant meinen Kindle gegen den Kopf donnern will, um das irgendwie zu kompensieren. Melwyn sieht sich gern in der Opferrolle. Zwar kann man auf sie - überraschenderweise - in krassen Situationen zählen - wundert mich immer noch - aber hätte sie im normalen Leben auch mal so Eier in der Hose, wie in Gefahrensituationen hätte ich sie wirklich mögen können.

Neben Melwyns furchtbar naiver Art war auch der Plot ein bisschen holprig. 
Zu Anfang dachte ich, dass es darum ginge, dass Mel die Prinzessin begleitet, doch dieser Plotteil endet auf aprubte WTF-Weise, dass ich zunächst gar nicht glauben konnte, dass die Autoren DAS! wirklich durchgezogen hat. 
Ein wahrer Augenöffner. Nachdem der Prinzessinenplotteil auf wirklich spektakuläre Art und Weise beendet wurde. Wusste ich gut 150 Seiten nicht, auf was die Geschichte jetzt eigentlich hinaus will. Im Mittelteil hat mir der rote Faden gefehlt. Natürlich passiert immer wieder was. Melwyn erlebt vieles, muss Abenteuer bestehen, unendlich oft nackt mit fremden Männern in einem Fellschlafsack pennen und lernt dabei auch noch kämpfen, aber ja ... irgendwie war das nur "Zeug" und mir hat da etwas die Motivation, die treibende Kraft gefehlt. Gegen Ende nimmt die Geschichte dann nochmal Fahrt auf, aber der Hänger im Mittelteil bleibt.
 

Was jetzt noch bleibt ist der Schreibstil. 
Die Autorin hat mich komplett ins frühe Mittelalter mitgenommen und das - größtenteils - ohne verqueren Mittelaltersprech, den ich ja wie die Pest hasse. Schöne Recherche, das drumherum stimmte. 
Was mich aber tierisch aufgeregt hat, waren bestimmte Eigenarten des Schreibstils. Zum einen ruft die Protagonistin gefühlt 5345585221 Millionen mal irgendwelche Heilige an. Ja, die Christen damals ... ich weiß, andauernd wurde bei Gottes Fußnägeln oder Sankt Silyen oder Sankt Pipapo geschworen, aber ehrlich, alle zwei, drei Sätze? Für meinen Geschmack zu viel, aber wie gesagt: für meinen Geschmack.

Mitten im Buch fängt die Autorin dann mit einem Tick an, der mich noch mehr auf die Palme gebracht hat. Nämlich Worte mittendrin abzubre...
Andauernd! Und zwar bei Gedanken, die Melwyn hat. Diese werden dann meist von ihren Begleitern beantwortet und Melwyn kapiert dann dass sie scheinbar laut gedacht hat. 
Das hat mich total verwirrt. Ich wusste nie, was Melwyn jetzt gesagt oder was sie gedacht hat und was ihr Begleiter jetzt gehört hat. Einfach weil diese Teile nicht als wörtliche Rede gekennzeichnet waren. AAAAARGH.
 

Fazit: 
Die dreizehnte Jungfrau ist ein Coming-of-Age Roman aus dem Mittelalter. Eine junge Frau geht ihren steinigen Weg und wächst über sich hinaus. Ich muss wegen dem Hänger in der Mitte, dem ab und an gewagten Schreibstil und der streitbaren Heldin, die bei mir nicht zünden konnte, ein paar Punkte abziehen und gebe der Jungfrau.
3/5 Sternen

Ich würde das Buch Fans von Iny Lorentz, Sabine Ebert und Petra Durst Benning empfehlen. 
Ihr mögt die Lebensgeschichte von starken Frauen im Mittelalter? Dann lest die 13. Jungfrau.



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