[Rezension] Für König und Vaterland - der Wechselbalg

von Susanne Gerdom
Drachenmond Verlag
400 S. 
ISBN: 978-3959910514
4.99€ E-Book
14.99 gedruckt
 
Inhalt: 
London im Jahr 1815 – England erfährt eine Atempause im Krieg gegen Napoleon, aber die englischen Vampire, Werwölfe und Elfen müssen sich immer noch gegen die Dämonenjäger des Vatikans zur Wehr setzen. Das »Liederliche Quartett«, eine Freundesgruppe tollkühner junger Adliger, steht im Dienste des Innenministers, um eine Verschwörung gegen das Königshaus aufzudecken.

Idris Hathaway, Marquess of Auden, der »Wechselbalg«, soll in eine Gruppe von Hochverrätern eingeschleust werden. Doch dann wird seine Mätresse ermordet und er als Mörder verdächtigt, während ihm selbst ein Attentäter auf den Fersen ist.

Wie nahe steht Idris der Verräter, nach dem das Quartett sucht? Und welches Geheimnis verbirgt die verruchte Lady Falconer? Idris gerät in Lebensgefahr, und nur die Elfen von London können ihn retten …
 
Meinung: 
 
Puh. 
Ich glaube das hier wird die schwerste Rezension dieses Jahres. Über das neue Buch von Susanne Gerdom bin ich auf Facebook gestolpert. Ich hab dieses Augensex-Cover gesehen und wusste - ohne den Klappentext gesehen zu haben - DAS muss ich haben. Als ich dann auch noch gelesen hab in was es bei "Für König und Vaterland" geht, war ich total hibbelig. 
 
Also bitte: tollkühne adlinge junge Männer zweifelhaften Rufs. England. 19. Jahrhundert. Fantasy. Verruchte Ladys?
SHUT UP & TAKE MY MONEY Drachenmondverlag 
 
Und es kam sogar noch besser, bevor ich mir das Teil bei Amazon bestellen konnte, war es auf Skoobe und ich bin vor Freude zu Hause durch die Wohnung gesprungen, hab mir das Buch runtergeladen und mich draufgestürzt. Und es fing auch super an. Idris, war genau die Art von Prota, die ich liebe. Dunkel, kaputt, immer am saufen, rauchen und sich prügeln. Die ersten zwanzig Seiten waren ein wahrer Hochgenuss und ich dachte, wow ja, dieses Buch und ich ... es ist Liebe. 
 
  So. 
Jetzt kommt das, was mir wirklich das Herz bricht. Ich weiß gar nicht, wie ich das sagen soll. Normalerweise habe ich kein Problem damit zu sagen: Mir hat das Buch nicht gefallen. Aber hier ... hier fällt es mir unheimlich schwer. Ich WOLLTE dieses Buch so gerne mögen. Mehr noch. Ich hatte wirklich die Hoffnung, das dieses Buch mich - nach meiner Fantasyflaute - wieder mit dem Genre versöhnt, einfach weil es theoretisch ALLES hatte, was ich an Büchern liebe. Aber leider ... und es tut mir wirklich in der Seele weh, hat Für König und Vaterland mich enttäuscht. 

Je mehr ich von dem Buch gelesen habe, umso verwirrter wurde ich. 
Das hatte mehrere Gründe. Zum einen kam ich lang - ich glaube mindestens 100 Seiten - mit den Namen nicht klar. Ich konnte Idris´ Freunde nicht auseinanderhalten und hab sie ständig verwechselt. Ich wusste z.B. das einer von Idris´ Freunden eine Augenklappe hat, aber das auseinanderzudröseln wer ... das hat gedauert. Außerdem wird ständig mit Namen, Spitznamen und Titeln um sich geworfen, dass ich irgendwann gar nicht mehr durchgeblickt habe. Allein der Protagonist wird manchmal Idris, manchmal Hathaway (sein Nachname), manchmal Auden (sein Titel) genannt. Und wenn man nur ein E-Book ohne Personenregister hat, kann einem das schon ganz schön verwirren. 

Ein weiterer Kritikpunkt war dieses merkwürdige Gefühl beim lesen, irgendwas verpasst zu haben. Ich finde es gut, wenn Figuren eine Vergangenheit haben. Auch wenn sie Freunde haben und mit denen viel erlebt haben. Beim lesen von Für König und Vaterland war diese "Vergangenheit" der Protagonisten aber so ausgeprägt, dass ich mich beim lesen ständig gefragt habe, ob ich den 2ten oder 3ten Band einer Reihe vor mir habe. Immer wenn Idris und seine Freunde zusammensitzen reden sie - sehr oberflächlich - von Dingen, die irgendwann passiert sind. So, als müsste, ich als Leser das wissen. z.B. wurde einer seiner Freunde verflucht. Die Tatsache, wie das in die Geschichte eingeführt wird, ist so beiläufig, dass ich das dreimal lesen musste, um zu verstehen, was da gesagt wurde.  Schließlich ist das ja nicht so unerheblich für die Geschichte.

Auch der Plot ist ziemlich chaotisch und irgendwie planlos. 
Ich hab das Buch zwar realtiv schnell gelesen und es passiert auch immer was, aber irgendwie hab ich lange nicht verstanden, was das jetzt eigentlich soll. Es fällt mir schwer zu schreiben, wie ich das meine, aber ständig passieren Dinge ... und ich hatte keine Ahnung was los ist. 
z.B. der Protagonist, wird am Anfang auf offener Straße attakiert und tötet den Angreifer. Dann reden seine Freunde auf einmal von irgendeinem Meister-Assasinen, den einer von ihnen irgendwo mal getroffen hat. Schnitt. Paar Tage später treffen sich die Freunde wieder. Reden über eine Verschwörung durch die sie aus einem Brief von irgendwem erfahren haben (also nix was aktiv im Plot passiert wäre) und dann am Ende des Gesprächs sagt Idris - mal wieder total beiläufig - "oh BTW schaut mal was ich bei mir im Salon gefunden habe" - und zieht die "Visitenkarte" des Meister-Assasinen aus seiner Jackentasche. Und alle so. "Boah gibts ja nicht!" aber danach wird wieder nich groß drauf eingegangen, weil sich Idris um die traurige Verlobte seines Bruders kümmern muss. 
Ich hatte das Gefühl Susanne Gerdom wollte zu viel in den Plot packen und hatte aber nur 400 Seiten  um das alles irgendwie aufzudröseln. 
Und ja, das hat mich beim lesen ganz kirre gemacht, weil ich irgendwie nicht dahinter gestiegen bin, was das alles jetzt soll und wer jetzt eigentlich wer ist. Ernsthaft, seit Kushiel war ich nicht mehr so verwirrt, was Namen angeht. 

Ich weiß, das klingt alles total negativ. 
Und es tut mir in der Seele weh, das zu schreiben. Vorallem, weil ich Susanne Gerdoms Erzählstil mag. Sie hat so toll recherchiert und das 19. Jahrhundert mit seinen Bällen, Empfängen und verschrobenen Adligen lebendig werden lassen. Ich liebe das Cover und ich liebe ihre Kerle. Ernsthaft Raven ... (also einer von Idris´ Freunden) ... der der zu sexy für das Priesterseminar war, ich habe einen ungesunden Crush auf den Kerl entwickelt. Außerdem shippe ich die Jungs die ganze Zeit und schäme mich kein bisschen dafür. Die sind liederlich genug, dass ich sie in meiner Fantasie aufeinanderhetzen kann.

Fazit: 
Susanne Gerdom hat mir wunderbar verruchte Adlige geschenkt. 
Leider leider leider leider kam ich weder mit dem Namenschaos, noch mit dem verwirrenden Plot wirklich klar. 
Es tut mir in der Seele weh dem Buch nur 
 
3/5 Sternen 
 
zu geben. 
  

Kommentare

  1. Och, ist ja schade. Ich lese es auch gerade, kann aber schon einige deiner Punkte nachvollziehen, obwohl ich noch nicht durch bin. Ich hatte mit Susanne Gerdom leider bisher kaum Glück, aber ich kaufe ihre Bücher immer wieder, weil sie so absolut cool klingen. Dann halten sie aber leider nicht, was sie versprechen. Hatte ich bei "Der Nebelkönig" auch schon.

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