[Rezension] Das Schwert der Dämmerung


Titel: Das Schwert der Dämmerung
Autor: Saladin Ahmed
Heyne Verlag
433 Seiten
ISBN: 978-3453315891
Band: #1
 9.99€ Ebook
12.99€ Broschur

Skoobe: Ja
Challenge: Makabre High Fantasy Challenge

Add it: Goodreads


Inhalt: 

Dhamsawaat ist die Stadt aller Städte: Prachtvoll, einzigartig und alles überragend, ist sie seit Jahrhunderten Zentrum der Macht und Magie der vereinten Königreiche. Hier lebt auch der alternde Adoullah, der letzte große Ghul-Jäger. Eigentlich will Adoullah nur seine Ruhe, doch als immer mehr Menschen Opfer besonders grausamer Ghule werden, begibt er sich noch einmal auf die Jagd. Und macht gemeinsam mit seinem jungen Assistenten und einer geheimnisvollen Nomadin eine unglaubliche Entdeckung ...

Meinung: 

 Ich bin immer auf der Suche nach Büchern, die anders sind. 
Den Autor Saladin Ahmed hatte ich schon lange auf dem Schirm, Autoren, wie Patrick Rothfuss schwärmen von ihm und er wurde mit Preisen praktisch zugeschüttet. Sein erster Roman Throne of the Crescend Moon war schon länger auf meiner Wunschliste und letzte Woche entdeckte ich - ganz überraschend - die Übersetzung bei den Neuerscheinungen bei Skoobe. 
Die Freude war groß, schließlich will ich dieses Jahr wieder mehr richtig gute Fantasy lesen und Ahmeds Buch klang einfach zu verlockend. 

Ich fing an zu lesen und wollte in die exotische Welt von Dhamsawaat eintauchen, Ghule jagen und den Zauber des Orients genießen. 
Die Betonung liegt auf wollte, denn na ja ... war halt nix. 

Ich weiß nicht, manchmal komme ich mir, wie der schlimmeste Mensch der Welt vor, weil ich Bücher, die viele Menschen super klasse finden einfach nicht mag oder nichts mit ihnen anfangen kann. Patrick Rothfuss hat eine überschwängliche Rezi zu diesem Buch auf Goodreads geschrieben und ich finde es mal wieder dröge. 

Das Problem bei Das Schwert der Dämmerung war einfach, dass ich nicht in die Geschichte hineingekommen bin. Ich weiß nicht ob es an dem Buch an sich, oder an der Übersetzung lag, aber es war einfach - sogar für High Fantasy Verhältnisse - schrecklich langatmig und langweilig erzählt. Ja, wir haben das exotische Setting, dass an ein magisches Arabien vor den Kreuzzügen erinnert. Wir haben Diebe und Kalifen und die Zombiekalypse, es hätte ein Feuerwerk werden können, aber irgendwie war es das nicht. 
Ich habe das Buch - fast komplett - auf meinem Handy gelesen. 
Da wurden 775 (kleine) Seiten angezeigt.
Die ersten 120 Seiten kann man einfach mal Vorgeplänkel nennen, denn es passiert irgendwie nicht großartig irgendwas, außer, dass die Figuren einen Auftrag bekommen und aufbrechen. Versteht das nicht falsch, ich hab nichts gegen Plots die sich langsam entwickeln, in The Heresy Within brauchte der Autor 1/4 des kompletten Buchs, um seine Figuren zu positionieren, bevor die Geschichte überhaupt richtig losging. Der Unterschied zwischen den beiden Büchern ist einfach, dass mich die Figuren in the Heresy within gepackt haben und die hin das Schwert der Dämmerung eben nicht. 
Die Charaktere sind für mich bei Fantasybüchern immer entscheident. Denn seien wir ehrlich, die meisten Plots (so wie auch dieser) beschränken sich auf: Helden ziehen los, um die Welt/ein Königreich vor dem Untergang zu bewahren. Wenn man einen solchen Plot hat, dann braucht man einfach klasse Figuren und eigentlich fängt der Autor ja auch gut an. 

Wir haben Adhoulla, seines Zeichens der letzte Ghuljäger weit und breit. Eigentlich ist er zu alt für den Scheiß und will aufhören, mit seiner Flamme schnackseln, Tee trinken und chillen. Aber das schlechte Gewissen drückt natürlich und wenn die Menschenwelt von dunklen Mächten bedroht wird, kann man ja schlecht nö sagen. Adhoulla ist also alt, fett und hat die Schnauze voll und eigentlich wäre das ja eine gute Basis, wenn der Autor den Charakter etwas aktiver gestaltet hätte. So aber kann ich Adhoulla bei elend langen Monologen lauschen, wie gern er aufhören würde und bla. Die ersten zehn Seiten ist das noch verständlich, aber danach nervt es. 

Neben dem Ghuljäger haben wir noch seinen Derwisch-Assistenten Rasid. Einem ausgebildeten Killer, der natürlich mit den Ladys erst mal nichts anfangen kann, bis er und Adhoulla auf Zamira treffen. Der Rest ist Geschichte. 
 Rasid (Gott ich hoffe ich hab die Namen richtig geschrieben) war für mich zu sehr Klischee. Ich hatte das alles schon hundert Mal und hundert Mal besser. 
Sagen wir es einfach so, ich hatte bessere Charaktere erwartet und wurde enttäuscht. 

Das was das Buch insgesamt so dröge gemacht hat, war dass es so langsam war. Alles dauert eine gefühlte Ewigkeit. Auch wenn es gerade voran geht, unterbricht eine Figur eine Szene und wir bekommen erst einmal zwei drei Seiten Erinnerungen, Monologe, Gebete, bevor es weitergeht. Das kann - mitunter - echt nerven und ich habe mich immer wieder dabei erwischt, wie ich anfing das alles zu überfliegen, in der Hoffnung, dass es endlich weiter geht. 
Aber die Figuren scheinen keine Eile zu kennen. Die Zombiekalypse ist ausgebrochen, aber die sind immer noch lässig unterwegs und das hat mich wirklich dazu gebracht, solche Stellen einfach zu überfliegen - weshalb ich mit dem Buch recht zügig durch war.
  
Der Schluss, war mal wieder eine gefühlte Antiklimax, die Zweite für dieses Jahr und irgendwie, war ich gefrustet, als ich das Buch zugeschlagen habe. 
 Zwar hat Ahmed eine nette Welt erschaffen und seine Figuren darin positioniert, aber irgendwie war sie mir zu unfertig. Ein Beispiel dafür ist z.B. ich hab lange nicht verstanden, wie genau Adhoullas Magie funktioniert. Wenn ich lese, dass er irgendeine Phiole wirft, es danach nach irgendwas riecht und er dann nur ein Satz steht "Er zitierte Worte aus den himmlischen Kapiteln." Ja sorry, das reicht mir halt nicht.  Ich meine die Figuren zitieren ständig irgendwas aus ihrem heiligen Buch, auch zu unpassenden Zeiten, aber das reicht mir wie gesagt nicht aus. Da bin ich besseres Worldbuilding gewohnt.

Die Übersetzung ist okay, aber Heyne hat mitunter Worte darin, die die Atmosphäre zerstören. Wenn ich eine Welt habe, die an ein mittelalterliches Setting hat, passt das Wort Büro halt ebensogut rein, wie das Wort Apple-Store. Man hat sich zwar bemüht, aber ich finde ja Heyne-Übersetzungen (gerade in diesem Fantasybereich) meistens eher hölzern und bemüht, als supertoll. 

Fazit: 

Ich war wirklich gespannt auf Saladin Ahmeds Buch, doch leider hat es mich nicht so gut unterhalten, wie gedacht. Die Story ist zu altbekannt und die Charaktere können es nicht herausreißen. 

2.5/5 Sternen

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