[Rezension] die große Kälte


Titel: Die große Kälte
Autor: Rosa Ribas & Sabine Hofmann
Verlag: Kindler
Seiten: 336 S.
Serie: Marti #2
Originaltitel: El gran frio
ISBN: 9783463403618
Preis:
19.95€ gebunden
16.99€ ebook

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Skoobe: /

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Inhalt:

Dunkel wie der Winter. Kalt wie der Schnee.

Barcelona, 1956: Ausgerechnet im kältesten Winter seit Jahrzehnten wird die junge Journalistin Ana Martí in ein entlegenes Bergdorf in Aragonien geschickt, um über ein Mädchen mit Stigmata an Händen und Füßen zu berichten. Von den Dorfbewohnern wird die kleine Isabel wie eine Heilige verehrt, Ana hingegen ist skeptisch. Aber noch ehe sie dem Geheimnis der Wundmale auf die Spur kommt, wird auf dem schneebedeckten Waldboden die Leiche eines Mädchens gefunden. Offenbar nicht das erste Kind, das in Las Torres unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen ist.




Meinung:

Das Buch war eher ein Zufallsfund in der Buchhandlung meines Vertrauens. Ich war auf der Suche nach einem Thriller/Kriminalroman und die Worte Stigamta und abgelegenes Bergdorf brachten mich dazu das Buch zu kaufen.
Wie ich hinterher feststellt, ist die große Kälte, das zweite Buch einer Reihe, aber ich hatte keine großen Probleme, mich einzufinden. Man muss also Bd. 1 nicht zwingend gelesen haben, um den Plot in Bd.2 zu folgen.

Das Thema Stigmata/Wunder/Heilige hat mich sofort angesprochen. Mich, als Leser und Mensch reizt das Thema Religion und das, was sie aus Menschen macht/machen kann. Es ist spannen zu sehen, was der Mensch alles relativieren und anrichten kann, solange er die Verantwortung an eine höhere Stelle (Gott) und seinen allmächtigen Willen, weiterreichen kann.
Noch dazu wird dieses Religionsthema mit einem zweiten Lieblingsthema von mir kombiniert. Dem "Festsitzen" ich liebe es, wenn Protagonisten an einem entlegenen, unwirtlichen und gefährlichen Ort festsitzen und nicht wegkönnen und wenn ein unscheinbares, abgelegenes Dorf plötzlich gefährlicher ist, als der Dschungel einer Großstadt.

Die große Kälte ist - für einen Kriminalroman - ein sehr ruhiges und langsamsames Buch. Wer also eher actionalstige Bücher bevorzug, könnte ihr enttäuscht werden. Die Autorin lässt sich viel Zeit ihre Geschichte zu erzählen und ihre Figuren zu positionieren und vorzustellen.
Die im Klappentext erwähnte Leiche, taucht erst sehr spät auf und ab diesem Zeitpunkt gewinnt der Plot rasant an Fahrt und die Ereignisse überstürzen sich regelrecht.
Rosa Ribas schreibt mit sehr viel Lokalkolorit, man kann die Kälte und die Abgeschiedenheit von las Torres praktisch fühlen. Genau wie die abweisende Haltung der Dörfler, auch die habe ich bis ins Mark gesprüt. Doch für meinen Geschmack hat sich die Autorin einen Ticken zu lange, auf Andeutungen und abgebrochene Gespräche, als Stilmittel verlassen. Die Leiche kam, wie gesagt, relativ spät und ich hätte mir vielleicht hier und da ein paar Straffungen im Text gewünscht. Ich hab selten ein Buch erlebt, in der eine Protagonistin so oft ins Bett geht, wie Ana. 

Und wo wir gerade bei ihr sind.
Ana, ist eine starke Frau, die - allen Widrikeiten ihrer Zeit zum Trotzt - ihren Weg geht. Sie ist Journalistin, obwohl sie - aus politischen Gründen - nur unter Pseudonym veröffentlichen darf. Sie ist mutig und auf der Suche nach der Wahrheit, auch wenn sie das in Gefahr bringt.
Von ihrer Wesenart mochte ich Ana und trotzdem blieb sie mir gleichzeitig seltsam fern.
Ich kann mir das mitunter so erklären, dass mein Bezug zu Spanien und seiner neueren Geschichte gleich null ist. Viele im Text vorkommenden Begriffe sagten mir nichts, ich musste vieles erst mal naschlagen, denn mein Wissen über das Franco Regime ist mehr als begrenzt.
Spanien ist mein persönlicher weißer Fleck auf der Weltkarte.

Fazit:

Die große Kälte war ein sehr dichter, atmosphärischer Roman, über religiösen Wahn, der in Verbrechen umschlägt.

4/5 Sternen

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