[Rezension] Das Blut der Rebellin


Titel: Das Blut der Rebellin
Autor: Sabrina Qunaj
Verlag: Goldmann
Reihe: Geraldines #2
Umfang: 704 S. 
ISBN: 978-3442479894

Preis: 
8.99€ ebook
9.99€ Taschenbuch

Challenge: /
Skoobe: /

Add it: 

Inhalt: 

Wales im 12. Jahrhundert: Während in England ein Bürgerkrieg tobt, rebellieren die Waliser unermüdlich gegen die neuen Machthaber. Um die Position der Normannen zu stärken, soll die junge Isabel, Tochter des mächtigen Geraldine-Geschlechts, den grausamen Sheriff von Pembroke heiraten. Doch am Vorabend der Hochzeit greifen die Rebellen an. Isabel kann fliehen und wird bald selbst zur Freiheitskämpferin. Der Sheriff hat seine Braut allerdings nicht vergessen und beauftragt den walisischen Prinzen Ralph le Walleys, sie zurückzuholen. Als die beiden sich ineinander verlieben, stehen sie plötzlich im Zentrum eines Krieges, in dem sie sich für eine Seite entscheiden müssen.


Meinung: 

Ab und an packt es mich und ich beschließe einen dieser Mittelalterschmöker zu lesen, von denen alle Welt immer so begeistert ist. Ich weiß selbst nicht genau, was mich da immer reitet. Vielleicht so ein Gedanke wie "Ich würde gern mal wieder etwas lesen, bei dem ich einfach - in eine fremde Zeit - abtauchen kann" und dann lande ich bei solchen Büchern wie, das Blut der Rebellin. 

Ich habe mich dafür entschieden, weil Sabrina Qunaj (deren Nachnamen ich aus Prinzip immer zuerst komplett falsch schreibe) für ihre Geraldines-Reihe ja so gehypet wurde und ich - ebenfalls aus Prinzip - von jedem deutschen Histo-Hypeautor mindestens einen Band lese, außerdem war das mit ihr für mich so eine Art Challenge.

Denn die Autorin und ich hatten - bei ihrem Erstling Elfenmagie - einen echt hundsmiserablen Start. Damals war ich - total aufgeputscht und emotional zerrütet von sexy/traurigen Silmarillion-Fanc-Fics über Feanors Söhne (fragt bitte nicht) - bei ihrem Buch gelandet und habe es nach 200 Seiten abgebrochen. Denn irgendwann setzte mein seltsames Lese-Ich ein und erinnerte mich daran, dass ich Elfen/Elben im Grunde genommen doof finde (wenn sie nicht gerade tragischerweise Feanors Söhne sind) und ich wollte das zwischen mir und Sabrina mit einem deftigen Mittelalterschmöker wieder kitten. Hat leider nicht funktioniert.

Ich sage nicht, dass das Buch per se schlecht ist, ich sag es mal so:
"Ich habe mal wieder festgestellt, dass diese Art von Unterhaltungsliteratur nicht meins ist."

Diplomatischer wird es heute nicht.

Ich habe für das Blut der Rebellin sage und schreibe sieben Monate gebraucht.
Nach "der alte Mann und das Meer" die längste Zeit für eine beendete Lektüre überhaupt.

Ich frage mich immer, was andere Leser, an Büchern wie diesen so grandios finden, und ob mit mir irgendwas nicht stimmt. Ich versuche mich immer wieder an solchen Büchern in der Hoffnung, dass ich eins finde, das mir gefällt. Denn seien wir ehrlich, die allermeisten historischen Romane aus deutscher Feder lassen sich in die Richtung "Unterhaltungsliteratur für Frauen" einordnen und aus diesem Grund lese ich eher mehr englische, als deutsche Bücher.
Leider war es auch hier wieder so, dass ich zwischen Augenrollen und Langeweile hin und her gependelt bin.

Das Buch startet noch gut und spannend, mit einem Angriff auf die Burg der Protagonistin, ihrer Flucht und so weiter. Doch gerade im Mittelteil hat das Buch erhebliche Längen. Ja, die Autorin hat - soweit ich das beurteilen kann - gut und ausführlich recherchiert, nur leider, will sie all diese Recherche über Politik und Clans und Intrigen mit uns teilen. Mein Wissen über das England des 12. Jahrhunderts ist bestenfalls rudimentär und so anmasend es auch klingen mag, es interessiert mich auch nicht so brennend.
Jeder hat sein Lieblingsjahrhundert und meins ist eben das 17. im Bezug auf Frankreich und das 19. im Allgemeinen. Man kann/braucht nicht alles zu wissen und wenn ich es detailiert wissen möchte, dann greife ich zu Fachliteratur und nicht zu einem Roman, der mich eher mit einer packenden Plot fesseln soll. Gerade im zweiten Abschnitt ab ich das Buch immer öfter und immer länger zur Seite gelegt. Die Motivation wissen zu wollen, wie es mit Isabel, ihrer großen Liebe und ihrer anstehenden Hochzeit weitergeht, war einfach immer öfter weg.

Was mich an diesen Büchern am meisten stört, ist die idealisierte Darstellung der weiblichen Hauptfigur. Isabel ist eins dieser typischen Histo-Mädels. Sie will sich nicht in ihr Schicksal fügen, rebelliert, lernt zu kämpfen und sich zur Wehr zu setzen. Und ja, das ist es, was ich eigentlich leid bin. Das es auf der einen Seite die Guten gibt, die gut sind und gute Dinge tun. Ihnen gegenüber stehen die Bösen, die sich klar von den Guten abgrenzen und schlimme, böse Dinge tun.
Ich wünsche mir eben Bücher, die wie das echte Leben sind. Bei denen Gut und Böse immer eine Frage des Standpunkts ist und nicht gut/böse schwarz/weiß Scherenschnitt.
Für mich sind Charaktere an einem Buch immer das Wichtigste, das sage ich immer wieder und Isabel war mir zu sehr 0815 historischer Frauenromanklischee, als das ich ihr irgendwas hätte abgewinnen können. Ich hab schon Dutzende Isabels vor ihr gehabt, die natürlich anders hießen und in einer anderen Zeit gegen andere Feinde gekämpft haben, aber im Grunde genommen ist Isabel eine Histo Mary-Sue, wie sie im Lehrbuch steht.
Denn wenn es nicht gerade seitenweis über Clanintriegen geht, beleuchtet die Autorin das Gefühls und Liebesleben ihrer Protagonistin.
Mir ist natürlich klar, dass das Buch eher auf ein weibliches Publikum zugeschnitten ist. Und dass Frauen, eben gern Frauen in den Hauptrollen sehen und die Autoren dann natürlich nicht die wirklich Wirklichkeit im Mittelalter abbilden können, in denen eine Frau sich ergeben in ihr Schicksal fügt und fertig. Das wäre - mal so unter uns gesagt - ja auch stinklangweilig. Ich kann ja verstehen, dass die Leser eine Idendifikationsfigur brauchen, nur warum muss es immer die Gleiche sein?   

Sprachlich kann ich Sabrina Qunaj nichts vorwerfen. Sie schreibt, wie ich es von deutschen Histo-Autoren kenne und etwas anderes hab ich auch nicht erwartet. Das ich kein großer Freund so einer Schreibe bin, ist natürlich wieder persönlicher Geschmack (wie alles im Leben). Schlecht ist es nicht.
Die Autorin hat - wie gesagt, soweit ich das beurteilen kann - sehr viel Wert auf Recherche gelegt und es gibt - dankenswerter Weise - ein Glossar. 

Fazit:

Wenn ihr gerne dicke Bücher über das Mittelalter lest. Wenn ich auf der Suche nach einer "starken Frau" in einer schwierigen Zeit seit, die allen Umständen zum Trotz ihren Weg geht und für ihr Leben und ihre Liebe kämpft, dann kauft dieses Buch.
Ihr bekommt für 10€ das volle Programm.
Liebe, Intriege, Leidenschaft, Kämpfe, Rebellion.

Wenn ihr auf der Suche nach einem etwas sucht das von Thema, Setting oder Figuren ein bisschen ausgefallener ist, dann lest was anderes.

Zuletzt noch ein kurzer No-Hate Hinweis. 

Das Buch liegt schon länger hier herum und ich drücke mich seit Wochen um diese Rezension. Weil aber Bloggerportal (worüber ich das Buch bezogen habe) meine Rückmeldung ohne Rezensionsbeleglink nicht akzeptiert und das Buch auch weiterhin als "Rückmeldung ausstehend" in meiner Liste herumgeistert, habe ich jetzt eine geschrieben.  

Da ich - gerade bei beliebten deutschen Autoren - schon die Erfahrung gemacht habe, dass wenn ich ein Buch besagter Autoren nicht überschwänglich positiv bewerte, meine Mailbox mit Hasskommentaren geflutet wird und ich aufs übelste beschimpft werde. Jeder hat seinen eigenen Geschmack und für jeden gibt es da draußen 1. Milliarde Bücher.

Wenn du Fan der Autorin bist (die sicher sehr talentiert, erfolgreich und bestimmt auch ein sehr lieber Mensch ist) und dir das Buch super gut gefallen hat: 
Ich freu mich für dich

Wenn du nach dem Lesen dieser Besprechung den Drang verspürst mir eine Hassmail zu schreiben: 
Lass es

Geh lieber und lies ein Buch, oder mal ein Bild. Koch Marmelade oder schau dir einen Film an. 
Wut und Hass sind destruktiv ... mach lieber was produktives, denn ich werde deine Hassmail weder lesen, noch veröffentlichen, also spar dir die Lebenszeit. 






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