[Rezension] Der Angstmann


Titel: Der Angstmann
Autor: Frank Goldammer
Verlag: DTV
Serie: Max Heller #1
Umfang: 336 S. 
IsBN: 978-3-423-26120-3

Preis: 
15.90€ gedruckt
12.99€ Ebook

Challenge: /
Skoobe: /




Inhalt: 

Fesselnder Kriminalroman aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs
Dresden, November 1944: Die Bevölkerung leidet unter den anhaltenden Kriegszuständen und den täglichen Entbehrungen. Flüchtlingsströme drängen in die Stadt. Bombenalarme gehören zum Alltag. Da wird Kriminalinspektor Max Heller zu einer grausam zugerichteten Frauenleiche geholt. Schnell geht das Gerücht um: Das war der Angstmann, der nachts durch die Gassen schleicht. Heller gibt nichts auf das Gerede. Inmitten der Wirren des letzten Kriegswinters macht er sich auf die Suche nach einem brutalen Frauenmörder. Nicht nur sein linientreuer Vorgesetzter Rudolf Klepp legt Heller dabei Hindernisse in den Weg. Als im Februar 1945 die Stadt in einem beispiellosen Bombenhagel dem Erdboden gleich gemacht wird, hält man auch den Mörder für tot. Doch der Angstmann kehrt zurück ...


Meinung: 

Da ich ein großer Freund historischer Kriminalromane bin, hatte ich Frank Goldammers Buch schon länger auf dem Schirm und eigentlich hätten "der Angstmann" und ich perfekt zueinander passen müssen.
Ich mag Bücher die in den 30/40er Jahren spielen, ich mag historische Kriminalromane und ich habe eine altbekannte Schwäche für Männer in historischen Formaten. Leider blieb der Angstmann weit hinter meinen Erwartungen zurück.

Das hat vorallem etwas mit den Figuren zu tun.
Für mich ist ein starker Hauptcharakter - und lebendige Nebencharaktere - das wichtigste an einem Buch. Denn seien wir ehrlich, der Angstmann ist weder der erste, noch der letzte, noch der beste Serienkiller mit historischen Setting. Und Max Heller ist auch nicht der erste/letzte/beste Polizist. Das was das Salz in der Suppe eines solchen Buches ausmacht, ist - für mich - dass mir die Figur etwas gibt. Das gewisse Etwas, das ihn von den historischen Polizisten von Volker Kutscher, Lindsay Faye oder Angelika Felenda unterscheidet und da schneidet Max Heller eben sehr mau ab.

Frank Goldammer geht zwar nicht den Weg, den viele Krimiautoren gehen und macht aus seinem Protagonisten einen versoffenen Typen, dessen Ehe gescheitert ist, aber die Alternative, die Goldammer uns bietet ist auch nicht besser.
Er stylisiert Max Heller zu einem Guten. Natürlich ist er ein Gegner des Nationalsozialismus und Hitlers. Verstehst mich nicht falsch, ich brauche keinen Nazi als Protagonisten, das nicht. Es ist nur mal wieder EINFACH für den Autor eine Figur zu erfinden, die - nach heutigen Standards - das RICHTIGE tut, sagt und denkt.
Das macht Heller aber auch langweilig und vorhersehbar und lässt die übrige Nazi-Staffage wirken wie Scherenschnitte. Denn natürlich hat Max einen linientreuen Chef, bei dem der Autor dann doch das ganze Nazi-Sprech auspacken und so richtig "der Untergang" mäßig auf den Tisch hauen kann. Und ja, ich bin es müde und leid, sowas vorgesetzt zu bekommen. Ein Autor der seine Hauptfigur als moralischen Zeigefinger durch den Plot spazieren lässt und seine Gegenspieler zu billigen schwarz/weiß Karikaturen herabwürdigt. Noch dazu halte ich es für äußerst fragwürdig, ob ein Mensch der so systemkritisch ist, in den letzten Stunden des 3. Reiches lange überlebt bzw. überhaupt seine Anstellung behalten hätte.

Was bleibt ist ein Kriminalfall, der - bei mir - bestenfalls ein durchschnittlich bekommt. Serienkiller ziehen immer beim Krimipublikum (egal ob historisch oder modern) allerdings schafft es Goldammer nicht, mich für seinen Fall zu begeistern. Das liegt zum einen an der einfallslosen Beschreibung des Falls. Die Morde an sich, sind bestialisch, allerdings fehlt dem Autor das akribische Gespür, dass man haben muss um solchen Horror zu transportieren. Wenn man seine Opfer schon entsprechend drapiert, dann will ich als Leser auch das der Autor mir das rüberbringen kann. Ich kam relativ schnell der dahinter, wer er Mörder ist, was nie ein gutes Zeichen ist. Goldammer bietet zwar mehrere Irrwege an, aber er konnte mich - im Gegensatz zu seinem Kommisar - nicht hinters Licht führen.

Ich habe mehrere Rezensionen gelesen - positive wie negative - im Bezug auf die historische Recherche. Ich persönlich bin zu wenig versiert zum Thema Bombardement von Dresden, um mir da ein abschließendes Urteil zu erlauben. Aber, nach der Lektüre von "der Angstmann" komme auch ich zu dem Schluss, dass der Autor vielleicht doch lieber auf das Fliegerangriffsetting hätte verzichten sollen. Dieses Datum ist für die Stadt Dresden der schwärzeste Tag ihrer (jüngeren) Geschichte. Zu sagen die Bürger Dresdens hätten nach diesem verherenden Angriff "besseres zu tun" als einen Frauenmörder zu jagen, klingt natürlich im ersten Moment vollkommen falsch, allerdings ist es das, was ich beim lesen manchmal dachte. Dass der Zeitpunkt eine solche Sache einfach nicht hergibt und dass der Autor auf eine katastrophale Zeit einfach noch eine weitere Katastrophe draufsetzen wollte, und dass es - insgesammt - einfach eine Nummer zu viel ist.

Ich persönlich bin der Meinung, dass man manche Themen einfach unangetastet lassen sollte, weil sie sich für reißerische Auslegungen einfach nicht eignen. Darunter fallen z.B. auch Thriller die in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern spielen wie Rob Tom Smiths Kolyma oder Sibirisch Rot von Sam Eatland. Warum ich selbst immer wieder solche Bücher in die Hand nehme, nur um dann zu der Erkenntnis zu kommen, dass ich sie nicht mag, weiß ich nicht. Nennt es mangelnde Auswahl in diesem Subgenre, vielleicht quäle ich mich auch einfach nur gern.

Fazit:

Als Fazit kann ich nur sagen, dass ich das Buch - wenn ich die Wahl hätte - nicht mehr zur Hand nehmen würde. Das liegt - größtenteils - an der durchschnittlichen Krimihandlung, die unterm Strich sehr austauschbar ist. Vorallem aber, an den sehr farblosen Figuren. Der Autor hat es nicht geschafft mich für seinen Protagonisten zu begeistern und das ist für mich das Killerkriterium Nummer eins. Deshalb werde ich die für nächstes Frühjahr angekündigte Fortsetzung auch nicht lesen.

2.5/5 Sternen


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