[Rezension] Totenlied


Titel: Totenlied
Autor: Tess Gerritsen
Verlag: Limes
Reihe: /
Umfang: 321 S.
ISBN: 978-3-8090-2670-9

Preis:
14.99€ Broschur
11.99€ Ebook

Challenge/
Skoobe: /

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Inhalt:

Eine verstörende Melodie, ein tragisches Schicksal, ein tödliches Geheimnis ...


Von einer Italienreise bringt die Violinistin Julia Ansdell als Souvenir ein altes Notenbuch mit nach Hause. Es enthält eine handgeschriebene, bislang völlig unbekannte Walzerkomposition. Julia ist fasziniert von dem schwierigen Stück, doch jedes Mal, wenn sie die aufwühlende Melodie spielt, geschehen merkwürdige Dinge. Etwas Bösartiges geht von dem Walzer aus, etwas, was das Wesen von Julias dreijähriger Tochter auf beunruhigende Weise zu verändern scheint. Weil niemand ihr Glauben schenkt, reist Julia heimlich nach Italien, um nach der Herkunft der mysteriösen Komposition zu forschen ...






 Meinung:

Spoilerwarnung

Die dunkle Jahrezeit naht und ich war auf der Suche nach einem Buch, das düster und gruselig ist. Und auf den ersten Blick verspricht Totenlied von Tess Gerritsen genau so ein Buch zu sein. Die Kombination aus wensenverändernder, böser Musik, Bessesenheit und gruseligen Kleinkindern hat in mir einen Nerv getriggert.
Das Buch musste sofort mit und ich wollte mich einfach mal gepflegt gruseln, doch jetzt nach beenden des Buches, weiß ich nicht, was ich da eigentlich gelesen habe.

Die Geschichte startet gut. Geigerin Julia erwirbt in einem gruseligen kleinen Antiquariat eine Kladde mit Zigeunerliedern. Zwischen den zerfledderten Notenheften findet sie ein handgeschriebenes Notenblatt. Incendo - Feuersturm eines unbekannten Komponisten. Julia ist sofort Feuer und Flamme für das Stück und will es spielen. Doch als die Noten zum ersten Mal bei ihr daheim zum Leben erweckt werden, passiert ein Unglück. Juniper, der Familienkater wird mit mehreren Stichen getötet und es kommt nur einer als Täter in Frage. Julias dreijährige Tochter.

OKAY bis zu diesem Punkt war ich total dabei. Ich war geflasht von dem Grusel, der von Incendo ausging, von der wachsenden Panik in die Julia verfällt. Ich hab wirklich gedacht, das Stück hat was satanisches oder dämonisches an sich und dass das Kind zu einer Killermaschine mutiert. Ich wollte den ganzen Tag nur noch dieses Buch lesen und dann ... dann kam der Perspektivenwechsel.

Urplötzlich verlassen wir Julia und lernen Lorenzo kennen. Lorenzo, einen Juden, der während des zweiten Weltkriegs in Venedig gelebt hat. Ein tallentierter Violonist und ein Träumer vor dem Herrn. Er verliebt sich in Laura. Laura ist seine Chellopartnerin und gemeinsam üben sie für ihren großen Auftritt. Und ja, das ist der Inhalt von sagen wir mal 50 Seiten. Ich war perplex, verwirrt und auch ein bisschen gelangweilt. Ich liebe klassische Musik und Chellos und Venedig, aber Tess Gerritsen nahm die ganze Spannung aus dem Plot, weil sie den Lorenzoteil ohne Ende aufbauschte.

Dann ging es weiter mit Julia und die Lage spitzte sich bei ihr zu und ich hatte weiterhin Hoffnung, dass es mit der Bessesenheit von Lily (ihrer Tochter) weiterging. Aber nein. Zwar war der folgende Abschnitt von einer Ausweglosigkeit geprägt, die ich in solch gruseligen Büchern liebe, aber man merkte schon, dass die Autorin sich irgendwie verrennt und dass ich mit meiner ursprünglichen Annahme, dass es sich um ein gruseliges Buch handelt, falsch liege.

Es gibt weitere Einschübe über das Leben und Leiden von Lorenzo. Über die Deportation der Juden aus Venedig und die Grauen in einem Arbeitslager. Das war jetzt nicht wirklich "schlecht" aber es war einfach nicht das, was ich von dem Buch erwartet habe. Der Klappentext versprach mir Grusel und das Buch lieferte mir Schindlers Liste. Ich mag WWII Bücher, aber ich muss in der Stimmung für sowas sein.

Als der Plot sich dann auflöst dachte ich wirklich Tess Gerritsen will mich verschaukeln. Plötzlich geht es nicht mehr um bösartige Musik, sondern um die Mafia und medizinische Diagnosen. Alles, der ganze Plot wirkt einfach nur noch lächerlich und an den Haaren herbeigezogen und das hätte ich von einer Bestsellerautorin wie Gerritsen nun wirklich nicht erwartet. Es war, als hätte die Autorin nur mal kurz mit dem Finger geschnippt und alle Probleme lösten sich in Luft auf und so ein Deus ex Machina kann ich ihr nicht verzeihen.
Ich als Leser hing total in der Luft. Viele Fragen wurden nie geklärt und das Schicksal von Laura und Lorenzo bekommen wir dann "erzählt". So kalt, faktisch und emotionslos, dass die Autorin den Part der Beiden auch gleich hätte lassen können.

Handwerklich ist das Buch gut gemacht. Tess Gerritsen kann schreiben, weshalb ich ihr diesen miserablen Plot auch krumm nehmen muss. Der Anfang macht Lust auf mehr, doch leider kann die Autorin die Spannung und den Grusel nicht aufrechterhalten, und will das scheinbar auch nicht.

Fazit.

Ich weiß nicht, was für ein Buch Tess Gerritsen da schreiben wollte. Grusel? Tragische young adult WWII Romanze? Thriller? Ich weiß es nicht. Herausgekommen ist ein Genre-Murks, der nichts von alledem liefert und dessen Ende mich enttäuscht und wütend zurückgelassen hat.

Ich weiß auch nicht, wem ich das Buch empfehlen würde. 

2,5/5 Sternen

Kommentare

  1. Schade, dass du so enttäuscht wurdest! Es klingt echt ein bisschen wirr...
    Hast du denn schon eine Alternative gefunden?
    Viele Grüße Jasmin

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    1. Hallo Jasmin,

      danke für deinen Kommentar.

      Nein, leider ist noch kein anderes gruseliges Halloweenbuch in Sicht. Es ist nämlich echt schwer etwas zu finden, dass nicht entweder Fantasy oder Splatter ist.

      Die meisten Klassiker hab ich gelesen und tue mich eben echt schwer, Lektüre zu finden, die diesen Gothic-Grusel bedient, der mir vorschwebt.

      lg
      Nadine

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  2. Ich bin ein Tess gerritsen Fan und habe das Buch erst kürzlich gelesen, wusste aber schon, dass es obwohl Thriller draufsteht und sie eigentlich immer welche schreibt, dieser keiner ist. Deshalb war ich auch nicht enttäuscht, sondern fand besonders die Geschichte um Lorenzo sehr gut. Ich ärgere mich in letzter Zeit immer wieder über falsche Klappentexte oder eben beschreibungen, die dann uns Leser total enttäuscht zurück lassen, weil wir uns ganz was anderes erwartet haben...hier wusste ich allerdings bereits, dass es mehr Roman als Thriller sein wird.
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hallo Martina,

      danke für deinen Kommentar.
      Ich hab von Tess Gerritsen bisher nur ein Buch gelesen - der Schneeleopard - und fand es wirklich gut.

      Ich hab von dem Buch ja nicht mal einen Thriller erwartet, sondern eher ein Gruselbuch. Thriller sind für mich actionreiche Plots bei denen sich die Ereignisse überschlagen. Hier dachte ich eher an einen Plot, wie bei The Others und war total perplex, als es diesen Zeitsprung in den zweiten Weltkrieg gab.

      Die Geschichte um Lorenzo war zwar - im Kern tragisch - allerdings fand ich die Auflösung arg lieblos gestaltet, dass wir nur als Nacherzählung von ihren jeweiligen Schicksalen erfahren und das obwohl die Autorin mindestens die Hälfte ihrer Seiten für sie aufgebracht hat.

      Was Julia betrifft fand ich die Auflösung wirklich mies. Weil es die Geschichte irgendwie ... negiert. Die Sache mit der Politik, war hastig eingeschoben und hatte keinen Sinn und die medizinische Auflösung fand ich total daneben, weil es weder aufgebaut noch propper aufgelöst noch irgendwie weiter groß behandelt worden ist. Ich weiß auch z.B. nicht, was die Szene mit dem Spielzeugauto jetzt sollte? Absicht? Mordversuch? Zufall? Komplette Einbildung? WAS JETZT? Und das macht mich total kirre.

      Ich freue mich natürlich, dass dir das Buch gefallen hat, leider kann ich das von mir nicht sagen :(

      lg
      Nadine

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  3. Gut zu wissen, dann kaufe ich es mir nicht. Liebe Thriller, aber wenn der keiner ist
    Liebe Grüße

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