[Rezension] Eidergrab



Titel: Eidergrab
Autor: Volker Streiter
Verlag: Emons
Umfang: 304 S. 
Reihe: #2
ISBN: 978-3954519026

Preis: 
11.90 Taschenbuch
9,49€ Ebook

Wertung:
✰✰✰





Inhalt: 

Eiderstedt 1846:

Dina Martensen soll nach dem Verbleib einer jungen Milchmagd forschen, von der jede Spur fehlt. Die Gendarmerie nimmt den Fall zunächst nicht ernst, doch dann wird eine Frauenleiche in der Marsch gefunden, gefesselt und geschändet. Ist die Tote die Vermisste? Als wenig später ein Knecht vergraben im Deich entdeckt wird, beginnt für Dina ein Wettlauf gegen die Zeit.


Meinung: 

Als die Tochter der Wirtin von Amrum verschwindet, wird Dina Martensen nach Eiderstedt geschickt, um dem Verschwinden der Milchmagd Imke auf den Grund zu gehen. Sozusagen Undercover schleußt sich die Protagonistin in dem Dorf ein und versucht diesen Fall aufzuklären. 

Ich muss sagen, mich hat der Klappentext sofort neugierig gemacht. Ich mag historische Krimis, lese sie oft und gern und der Emons Verlag hat mich schon mit anderen Titeln sehr gut unterhalten. Eidergrab hatte also gleich viele Vorteile, ein weiteres ist der überschaubare Umfang von 304 Seiten. Ich mag es ja kurz, knackig, prägnant und ohne viel Chichi. 

Das Buch startet auch gut, aber - kleines Manko zu Beginn - mir war nicht klar, dass Eidergrab Bd. 2 einer Serie um Dina Martensen ist, vorallem weil Bd. 1 eben nicht im Emons Verlag erschienen ist. Ich bin der Beweis, dass man auch mit Bd. 2 einsteigen kann, aber meine Leserseele fühlt sich da natürlich immer schrecklich unvollständig, weil ich immer das Gefühl habe, irgendwas im ungelesenen ersten Band verpasst zu haben, was wichtig für die Figuren, ihre Beziehungen oder die Story an sich ist. 

Nach einer kurzen Einleitung bricht Dina also zu ihrer Mission nach Eiderstedt auf und genau zu diesem Zeitpunkt begannen meine Probleme mit diesem Buch. 
Dem historischen Roman gehört mein Herz und meine Seele, ich liebe diese Genre, doch es birgt eine große Gefahr, mit der manche Autoren besser umzugehen wissen, als andere. 
Rechercheporn
Mir ist klar, dass es Recherche braucht, um ein historisches Setting zum Leben zu erwecken. Die Kleider, die Bräuche, die Gerüche, die Sitten. All das muss man in ein eigenes, kleines Miniuniversum von "so hätte es passiert sein können" quetschen. Recherche ist aufwändig, sie ist nervenaufreibend und ätzend. Und mir ist klar, dass der Autor ein "lebendiges Bild der Epoche" zeichnen will, aber, bitte nicht in endlos ausufernden Erklärungen, bei denen die Devise "Zeigen nicht Beschreiben" eiskalt über Bord geschmissen wird. 

Ich habe das Buch ja auf dem Handy gelesen und weiß deshalb nicht wirklich wie viele Seiten die Reise von Dina von Amrum nach Eiderstedt vereinnahmt. Ich schätze vielleicht 20, aber diese 20 Seiten kamen mir vor wie 200 und das war der Moment (irgendwann im September) als ich das Buch für eine lange Weile zur Seite legte, weil es mir einfach zu viel wurde. 
Ja, natürlich will ich eintauchen in die Geschichte, aber nicht in der Form, dass Dina in einer Kutsche sitzt, ihr gegenüber ein junger (fescher) Schulmeister und ihr auf Zuruf einfach alles herunterbetet, was sie wissen will. 

Was ist das für eine Bauart an Häusern? => Wall of Text
Was ist das für eine Art Felder zu bewässern? => Wall of Text
Wie ist die politische Lage? Und das sozialle Gefälle? => Wall of Text

Natürlich hat der Autor super recherchiert, aber mir war es eben zu viel Infodump, was den Text an manchen Stellen einfachaufgebläht hat und mir ein bisschen die Freude beim Lesen genommen hat. Ich will die Historie in der Geschichte erleben, ich will es mit der Protagonistin erkunden, und nicht wie einen Wikipediaeintrag trocken dargereicht bekommen. 
Das ist natürlich subjektiv und Geschmackssache, aber mir hat diese Art der "Informationen an den Leser bringen" einfach nicht zugesagt. 

Insgesamt war mir der Schreibstil von Volker Streiter etwas zu bemüht. 
Es ist schwer das in geschriebenen Worten auszudrücken, wie ich es meine. Es ist einfach diese Kombination aus "ich muss alle Rechercheinfos in den Text packen", altertümlichen und lokalen Sprech, blumigen Formulierungen und etwas zu dick aufgetragen.
Wieder Geschmackssache, aber ich finde es furchtbar anstrengend so etwas zu lesen, weshalb ich für diese knapp 300 Seiten auch zwei Monate gebraucht habe. 

Und das ist schade, denn das Who-done-it um die ermordenten Dienstboten ist - nur für sich genommen - eine gute Geschichte. Die Epoche - Biedermeier - ist auch, sehr interressant. Sie ist politisch, sozial und künstlerisch eine Zeit großer Umbrüche, was der Autor in seinem Buch ja auch beschreibt und ja, die Zeit ist in der Literatur einfach total unterrepräsentiert, weil das viktorianische England alle Plots im 19. Jahrhundert abgreift. 

Die Figur von Dina hat mir gut gefallen und das obwohl ich Frauen in historischen Stoffen immer sehr kritisch gegenüberstehe. Aber Dina ist eine Frau, die weiß wo sie steht und was sie will und ja, das konnte mir imponieren. Sie ist keins von diesen zu jungen, viel zu hübschen Dingern, die sonst durch die historische Landschaft stolpern und nur auf ihren Retter warten. Dina war für mich echt und sie hat für mich das Buch gerettet. 
Okay, sie und der Schulmeister und die Tatsache, dass ich sie von Anfang an geshippt habe, um über die Infodumps hinwegzukommen. 

Fazit: 

Wenn ihr Bücher mögt, in denen der Autor seine Liebe zum historischen Detail auslebt und wirklich mal eine starke Frau in der Hauptrolle haben wollt, dann lest Eidergrab. 

Wenn euch ausufernde Erklärungen zu historischen Themen eher langweilen, dann könntet ihr - so wie ich - ein paar Probleme mit dem Buch haben. 

Insgesamt war das Buch für einen historischen Thriller in Ordnung. 


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