[Rezension] Belgravia


Titel: Belgravia
Autor: Julian Fellows
Umfang: 448 S. 
ISBN: 978-3-570- 10324-1
Preis: 19.99€ gebunden

Wertung: ✰✰✰✰

Inhalt: 

Belgravia – der Inbegriff von Luxus, Adel und Aufstieg im 19. Jahrhundert in London. James Trenchard hat sich seinen Erfolg mühsam erarbeitet, vom Proviantmeister beim Militär wird er zum Investor des neuen Stadtteils Belgravia in London, in dem auch Lord und Lady Brockenhurst ihr Haus haben. Die beiden Familien verbindet eine Geschichte, die kurz vor der berühmten Schlacht von Waterloo in Belgien begann. Denn den Sohn der Brockenhursts verband eine Liebelei mit Trenchards hübscher Tochter Sophia, die nicht ohne Folgen geblieben ist und auch über zwanzig Jahre später noch das Leben der Familien beeinflusst.




Meinung:


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Meine exakte Reaktion, als ich herausfand, dass der Autor von meinem auf ewig geliebten Downton Abbey ein neues Buch mit dem Titel Belgravia geschrieben hat.
Sechs Staffeln habe ich mit dem Earl of Grantham und seiner Familie mitgelacht und mitgelitten, und jetzt darf ich zurück nach London zu einer neuen Familie mit neuen Problemen.
WUHU!

Julian Fellows und die Upperclass des 19. Jahrhunderts gehören einfach zusammen, wie Gurkensandwich und Afternoontea. Der Mann ist eine Bank, wenn es darum geht, das ganz große Drama aus den Figuren herauszuholen. Alter Adel und neues Geld treffen in Belgravia aufeinander und werden durch eine schicksalshafte Verbindung miteinander verknüpft.

Es gibt Skandale, Ränkespiele, Erbschleichereien. Pläne werden geschmiedet und Familien zerstört. Es fällt mir schwer das Buch zusammenzufassen, weil einfach so unfassbar viele Kleinigkeiten passieren. Die Familien Trenchart und Brockenhurst erleben ihre hochs und tiefs und versuchen sich durch schwierge Zeiten zu mannövrieren.

Die Brockenhursts haben ihren einzigen Sohn und Erben in der Schlacht von Waterloo verloren. Die Trencharts haben es geschaft, aus einfachen Verhältnissen soweit aufzusteigen, wie es nicht adligen Engländern im 19. Jahrhundert überhaupt möglich war.
Die beiden verbindet das Ergebnis einer Lieblei zwischen dem Sohn der Brockenhursts und Sophia Trencharts hübscher, aber ein bisschen einfältiger Tochter.

Man merkt Julian Fellows an, dass es einfach SEIN Thema ist. Er kennt sich aus, schwelgt in einer längst vergangenen Zeit und er nimmt einen mit auf die Reise. Belgravia ist wirklich ein Buch, bei dem man die Realität ausschalten und einfach abtauchen kann. Es ist nicht actionreich, kein Buch dass einem vor Spannung an den Seiten kleben lässt, sondern eins, dass einem auf einen langen, bunten Spaziergang mitnimmt. Es ist, als würde man über die Schulter einer Person aus längst vergangenen Tagen blicken.

Okay. Und warum zum Teufel gebe ich dem Buch dann eben nicht volle Punktzahl?
Wie ich oben sagte, Julian Fellows ist eine Bank, wenn es um dieses Thema geht, aber er ruht sich eben auch darauf aus. Und ja, vielleicht ist es eben weil ich Downton Abbey schon fünfmal geschaut habe, aber die Paralelen können nicht verleugnet werden und der Verlag wirbt ja auch damit, dass es sich hier um den Autor der beliebten Serie handelt, also darf ich diesen Vergleich ziehen.

In sechs Staffeln hat Julian Fellows jeden möglichen Skandal und jedes denkbare Unglück über der Familie Grantham ausgeleert und deshalb sind die Probleme der Familie Brockhurst eben auch altbekannt, als strahlend neu. Ebenso wie die Lösungen, die sich anbieten. Man kann das Rad ja nicht neu erfinden und Menschen haben nur begrenzte Entscheidungsmöglichkeiten.

Bei manchen Figuren hatte ich sofort ihr enstprechendes Gegenstück bei Downton im Sinn, was auf der eine Seite schön war, mich auf der anderen Seite auch wehmütig gestimmt hat, denn ich wollte ja etwas Neues lesen.

Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt an diesem wirklich gelungenen Buch. 

Fazit:

Belgravia ist das perfekte Buch für kalte Winterabende.
Man schlägt es auf und der Zauber eines längst vergangenen Londons kommt zu einem ins Wohnzimmer.


Kommentare

  1. Liebe Nadine,
    diese Reaktion ist meiner ganz ähnlich :-) Wie schön, eine erste Meinung dazu zu lesen, ich habe nämlich noch keinen Blick ins Buch werfen können.
    Liebe Grüße,
    Anna

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  2. Hallo Nadine,

    es ist interessant, wie unterschiedlich unsere Auffassung zu dem Buch sind. Ich finde nämlich absolut nicht, dass das Buch all zu viele Parallelen mit Downton Abbey hat. Aber vielleicht bin ich auch neutraler an die Sache herangegangen, aus Angst dann enttäuscht zu werden. Weil Abbey war eine Klasse für sich. Belgravia ist das meiner Meinung nach ebenfalls.

    Aber gut, dein Blickwinkel ist dadurch nicht weniger interessant. Wie du nämlich richtig sagst, kennt Fellows sich genau aus und schickt auf eine Reise. Das mag ich so gern und hoffe auf mehr aus seiner Feder.

    Liebe Grüße
    Henrik

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