[Rezension] Wer Furcht säht


Titel: Wer Furcht sät
Autor: Tony Parsons
Verlag: Lübbe
Umfang: 320 S. 
Reihe: Max Wolfe #3
ISBN: 9783404174423
Preis: 
15,- Paperback
11,99€ Ebook

Wertung: 
✰✰✰✰

Inhalt: 

In London macht eine Bürgerwehr, der Club der Henker, Jagd auf böse Menschen - auf Pädophile, Mörder, Hassprediger - und erhängt sie. Mit diesen Fällen von Lynchjustiz beginnen für Detective Max Wolfe seine bisher schwierigsten Ermittlungen. Denn wie fängt man Mörder, die von der Öffentlichkeit als Helden gefeiert werden? Seine Spurensuche führt ihn tief unter die Stadt, in den Untergrund Londons mit seinen vielen stillgelegten Tunneln und Geisterstationen. Doch ehe Max den Club der Henker stellen kann, muss er am eigenen Leib erfahren, wie schmal der Grat zwischen Gut und Böse, Schuld und Unschuld ist…

Meinung:  

Ich habe mich sehr auf den neuen Band der Max Wolfe Reihe von Toni Parsons gefreut und mir das Buch sofort in der Buchhandlung meines Vertrauens vorbestellt.  

Ich mag Parsons Art zu schreiben und in Band drei hat er sich ein Thema ausgesucht, dass - gerade in der heutigen Zeit - sehr polarisiert. 
Selbstjustiz. 

Der Club der Henker knüpft Pädophile, Mörder und Hassprediger auf und legt die Leichen am Tyburn, der alten Richtstätte Londons ab. Während Presse und Bevölkerung den Club als Helden feiern, die sich gegen eine viel zu lasche Justiz stellen, muss Max die Mörder schnappen, bevor die Stimmung überkocht. 
Natürlich gibt es auch noch private Probleme, ein alter Freund taucht auf und natürlich bringt Max sich bei seiner Suche nach der Wahrheit und dem Club der Henker öfters als einmal in Lebensgefahr. 

 Das neue Buch von Toni Parsons polarisiert. 
Es geht um ein Thema bei dem die Emotionen leicht überkochen und man seinen eigenen moralischen Standpunkt immer wieder hinterfragen muss. 

Ich lese gern die Max Wolfe Reihe, weil ich es mag wie der Autor London beschreibt, als eine großartige, uralte und auch zutiefst kaputte Stadt. Natürlich krankt auch das neuste Abenteuer des Detectivs an den Kinderkrankheiten, die ich auch bei den letzten beiden Bänden zu bemängeln hatte. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse und Max kann sich aus mehr als nur einen brenzligen Situation in letzter Sekunde retten. 
Aber ganz ehrlich? Das ist ja der Grund warum ich die Bücher lese, also kann ich das mit einem Zwinkern und einem kleinen Augenrollen noch hinnehmen. 

Warum das Buch keine volle Punktzahl bekommt ist für mich leicht zu erklären. 
Der Autor hat sich ein emotionsgeladenes Thema ausgsucht und es - mit der Auswahl der Deliquenten - nochmal auf die Spitze getrieben. Das erste Opfer ist ein muslimischer Taxifahrer, der einem Kinderschänderring angehört hat und der auch noch in seinen letzten Worten, den Hass gegen unsere freie westliche Gesellschaft hinausbrüllt. "Sie ist genauso verdorben, wie alle anderen Mädchen in diesem Land." Ergo selber dran schuld, wenn sie mit zwölf gruppenvergewaltigt wird. 
Opfer Nummer drei ist ein Hassprediger, der viel Screentime erhält ausgiebig auf die Kuffar zu schimpfen.
Scheinbar braucht man das, um im Jahr 2016 so richtig zu polarisieren. Mir persönlich war das ein bisschen flach immer nur die selben leeren Worthülsen zu lesen, gepaart mit einem erhobenen Zeigefinger.

Die Hinrichtungen werden dann groß zelebriert. In einer anderen Review verglich eine Rezensentin das ganze mit The Purge, und ja, man konnte den Eindruck bekommen, dass der Autor es darauf angelegt hat und so zu manipulieren, dass wir Gewalt und Mord irgendwie gut finden, weil die Täter so schreckliche Menschen sind, dass sie den Tod verdienen. 
Unterm Strich sagt Max zwar ins Mirkofon dass Selbstjustiz nicht okay ist und niemand über dem Gesetzt steht. Als der Sohn seiner Chefin aber Schlägern verletzt wird, hat er selbst keine Probleme loszuziehen und den Rächer zu spielen. Und als der Vater eines der vergewaltigten Mädchen ihn fragt, was Max getan hätte, wenn es seine Tochter gewesen wäre, kennt er die Antwort.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Autor diesmal wirklich eine zu große Menge Drama über dem Plot ausgeleert hat. 
Fast jede Figur wird in dem Buch Opfer oder Täter im Bereich Selbstjustiz, was wohl zeigen soll, dass jedem von uns da draußen schlimme Dinge passieren können. Das die Polizei in den allermeißten Fällen nichts machen kann, weil keiner was gesehen hat, oder weil die Beweise nicht reichen, weil die Täter selbst noch Jugendliche sind und eine "gute Sozialprognose" haben. 
Also ist Selbstjustiz okay?
Max redet es mehreren Leuten aus, nur um sich umzudrehen und die Sache selbst zu regeln?

Wie in anderen Bänden wechselt der Autor zwischen dem Fall und dem Privatleben von Max hin und her. Er ist ja alleinerziehnder Vater einer fünfjährigen Tochter und an sich auch ein feiner Kerl. Auf jeden Fall ist er noch nicht so kaputt, wie andere Polizisten in dem Genre, und sein Privatleben ist zum Glück so auf ein Minimum beschränkt, dass es mich nicht nervt, wie bei anderen Reihen. 
 
 Fazit: 

Toni Parsons hat einen spannenden, actionreichen  dritten Teil seiner Max Wolfe Reihe geschrieben. 
Mir persönlich war er stellenweise etwas zu reißerisch und überdramatisch.


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