[Rezension] Es beginnt am siebten Tag


Autor: Alex Lake
Titel: Es beginnt am siebten Tag
Umfang: 472
ISBN:  9783959676106

Preis: 
15.-€ Taschenbuch
12.99€ Ebook

Wertung: ✰✰

Inhalt: 

Der Albtraum einer jeden Mutter: Die fünfjährige Anna ist verschwunden, als Rechtsanwältin Julia sie von der Schule abholen will. Wurde sie entführt? Ist sie tot? Sechs Tage und Nächte voller Angst, sechs Tage voller Selbstvorwürfe. Am siebten Tag taucht das Mädchen wieder auf. Es scheint unverletzt und hat keine Erinnerung an das, was geschah. Julia und ihr Mann Brian sind unendlich erleichtert. Bis Julia merkt, dass das Schlimmste für sie nun erst beginnt. Denn wer auch immer ihre Tochter in der Gewalt hatte und wiedergebracht hat, will nicht das Kind vernichten …
Ein Mädchen verschwindet. Doch der wahre Albtraum beginnt, als sie wieder auftaucht – am siebten Tag.


Meinung:

Der Klappentext von "es beginnt am siebten Tag" hat mich sofort neugierig gemacht. Der Plot klang nach einem psychologischen Katz und Maus-Spiel zwischen einem hochintelligenten und sadistischen Psychopaten und den Eltern eines entführten Kindes.
Nun, da ich das Buch gelesen - oder besser gesagt mich durchgequält habe - bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass Alex Lake schlicht das Talent fehlt einen spannenden Suspence-Plot zu schreiben.

Meiner Meinung nach nehmen Klapptentext und Titel schon viel zu viel von der Spannung aus diesem Buch heraus und ich hatte etwas ganz anderes erwartet. Ich dachte, dass die sechs Tage, in denen Anna verschwunden ist, relativ schnell durchgespult werden und dass dann, nach ihrer Rückkehr, das Grauen beginnt.
Leider ist genau das Gegenteil der Fall, als bei 30% des Buches gerade einmal Tag zwei der Entführung beginnt, bekam ich meine ersten Zweifel wie weit der Autor das noch treiben will. Die Antwort ist: Über 50% des Buches entfallen auf die sechs Tage der Entführung und wir wissen ja schon, dass Anna zurückkommt.

Das Schlimmste am Buch war aber nicht, die fehlende Spannung, sondern Protagonistin Julia. Sie ist mit weitem Abstand die schrecklichste Protagonistin, die ich dieses Jahr vor mir hatte. Ich habe sie ab der ersten Seite richtig gehasst. Sie ist eine egozentrische, verspannte, selbstverliebte sorry Mistkuh und ich konnte mich keine einzige Seite dazu aufraffen so etwas wie Mitgefühhl für sie zu empfinden.
Schlimmer noch, ich habe den Verdacht, sie gefällt sich sogar in der Rolle der Mutter eines entführten Kindes, hat sie doch so die Möglichkeit schreiend durch die Stadt zu laufen, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und sich selbst und ihren Mann in endlosen Monologen zu zerfleischen.
Noch dazu ist sie eine dieser nervigen Macchiato Mütter die immer "mehr vom Leben" wollen, weil sie sich mit ihren Freundinen auf Facebook und Instagramm messen müssen. Gleich zu Anfang bekommen wir die geballte Ladung #Firstworldproblems darüber, warum sie ihren Mann verlassen hat. Nicht weil er sie schlägt, oder ihr untreu ist (scheiße sie wünscht sich sogar, dass er ihr untreu geworden wäre, weil das wenigstens ein bisschen Action in die Ehe gebracht hätte. Ja, wirklich, das hat sie gesagt. sic.
Nein. Sie verlässt ihn, weil sie dieses scheiß behütete Vorstadtleben satt hat. Außerdem ist ihr Mann - Brian - in ihren Augen ein super schlechter Vater, weil er dem verwöhnten Gör keinen Hindernisparcour im Garten baut oder mit ihr auf Fantasiereisen geht.
Das ist für mich der wahre Untergang des Abendlandes. Überspannte Helikoptereltern, die auf Zehenspitzen durchs Haus schleichen, um das geheiligte Monstranzkind nicht aufzuwecken.
Durch die Bank durch sind Julia, ihr Mann Brian und so ziemlich alle anderen Figuren in diesem Buch ekelhafte Menschen, denen ich nur das schlechteste Wünschen würde, wären sie real.
Sie sind alle absolut nicht länger zu ertragen, als die 500 endlosen Seiten, die ich mit ihnen verbringen musste und ich gebe ehrlich zu, wäre das Buch kein Leseexemplar gewesen, hätte ich es nach spätestens 50 Seiten weggelegt.

Die Figuren - für mich immer das Wichtigste an einem Buch - waren wirklich fast unträglich, was auch noch dazu kommt, ist, dass das Buch mit knappen 500 Seiten einfach zu lang ist. Ohne Not hätte man gut 200 streichen können.
Denn während der Autor immer versucht eine dem Leser einzureden, dass - wegen der Entführung - ein enormer Zeitdruck besteht und Anna unbedingt gefunden werden muss, hat die Protagonistin immer seitenlang Zeit über alles mögliche zu schwadronieren.

Bsp.:

Julia kann nicht schlafen, weil ihr Kind entführt wurde. Sie beschließt, nachts um halb vier, nochmal loszugehen und Anna zu suchen. Ihre Welt steht auf Messers Schneide, aber dann hat sie natürlich noch die Zeit drei Seiten lang darüber zu schwafeln, wie schrecklich die alte Nachbarin ist.

Julia schweift eigentlich immer ab. Erzählt Anekdoten über dieses und jenes und selles und werres und kommt dabei von kuchenbacken auf Arschbacken. Das kann bei manchen Büchern super sein, weil man dann mehr über den Charakter erfährt, da Julia aber Julia ist und ihr Abschweifen bei 99,5% dazu führt, dass sie andere schlecht redet, ergibt sich daraus für mich kein Mehrwert.

Zu guter Letzt will ich noch mal was zum Genre sagen.
War das jetzt wirklich Suspence? Ein Thriller? Eher nicht. Wie oben erwähnt, hat Alex Lake nicht das Gespür oder das Talent dafür den Leser in die Irre zu führen.
Ich z.B. lese ja viel aus diesem Bereich und mir war schon bei ca. 20% klar, wer der Täter ist. Es war sogar ziemlich offensichtlich.
Zwar versucht sich der Autor immer an sogenannten red Herings, also Spuren, Hinweise oder Verdächtigen, die den Leser in die Irre führen sollen, leider sind diese aber so durchschaubar, dass sie mich nicht täuschen konnten.

Fazit:

Entführte Kinder ziehen immer. Sie triggern etwas in uns, das wir verhindern wollen. Für Eltern ist es der schlimmste Albtraum.
Leider gelingt es Alex Lake nicht aus diesem Grundgerüst einen ansprechenden Plot zu basteln. Die Figuren sind scherklich und die Auflösung wird versierten Krimilesern sofort ins Auge springen.

Ich bedanke mich bei Netgalley und Harper Collins für das Leseexemplar. 

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