[Rezension] Konklave

Titel: Konklave
Autor: Robert Harris
Verlag: Heyne
Umfang: 352 S. 
ISBN: 978-3-453-27072-5
Preis:  21.99€ gebunden

Wertung: ✰✰✰✰✰

Inhalt: 

Der Papst ist tot. 
Die um den Heiligen Stuhl buhlenden Gegner formieren sich: Traditionalisten, Modernisten, Schwarzafrikaner, Südamerikaner ... Kardinal Lomeli, den eine Glaubenskrise plagt, leitet das schwierige Konklave. Als sich die Pforten hinter den 117 Kardinälen schließen, trifft ein allen unbekannter Nachzügler ein. Der verstorbene Papst hatte den Bischof von Bagdad im Geheimen zum Kardinal ernannt. Ist der aufrechte Kirchenmann der neue Hoffnungsträger in Zeiten von Krieg und Terror – oder ein unerbittlicher Rivale mit ganz eigenen Plänen? Die Welt wartet, dass weißer Rauch aufsteigt 



Meinung: 

Ich brauchte nur Cover und Titel des neuen Robert Harris Romans zu sehen, und schon wusste, ich, dass ich Konklave lesen muss. Vielleicht ist es die Nostalgie einer ehemaligen Katholikin, die mich immer wieder in den Vatikan treibt, oder es ist meine Sehnsucht nach dem Absurden, wenn man bedenkt, wie viel unnötiger Firlefanz von der Kirche veranstaltet wird. Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass Konklave für mich ein Highlight war. 

Der Papst ist tot und 117 Kardinäle uas aller Welt finden sich in Rom ein, um einen Nachfolger für den Stuhl Petri zu finden. Die unterschiedlichsten Typen prallen aufeinander und die Frage wohin die katholische Kirche in den nächsten Jahren/Jahrzehnten steuert wird hoffentlich bald in der sixtinischen Kapelle beantwortet werden.

Ich habe - im Vorfeld meiner Besprechung - viele Kritiken zu Konklave gelesen. Ein Punkt der immer wieder auftaucht ist, dass das Buch langweilig sei.
Ja, Konklave ist kein Thriller im herkömmlichen Sinn. Es gibt keine Verfolgungsjagden, Explosionen oder Schießereien. Der Thrill ist eher politischer Natur, wie hinter den Kulissen einer der mächtigsten Institutionen der Welt gnadenlos um Geld, Macht und Einfluss geschachert wird. So etwas muss man mögen, auch die endlosen Wiederholungen des Wahlgangs. Robert Harris kann das Prozedere ja nicht neu erfinden und überspringen kann er auch nicht. Jeder Wahlgang hat natürlich seine ganz eigene Dynamik, seine eigenen Probleme, seine Entwicklungen, aber trotzdem sind es einige. Der Katholizismus lebt - wie alle Religionen - von Wiederholungen. Von Ritualen, von Dingen die - wenn man sie nüchtern und von Außen betrachtet - vollkommen übertieben und hirnrissig kompliziert sind. Aber genau dieser Erzählfluss und das abtauchen in diese so fremde Welt, macht das Buch so dicht, die Charaktere so greifbar. Die Frage, wem dienen diese Männer eigentlich steht immer im Raum. Ist es jetzt "Gott dienen" oder "der Kirche dienen" oder ist es am Ende einfach nur "seinem eigenen Vorteil dienlich", wenn man Papst wird? Diese Frage fand ich sehr spannend und das lag unter anderem auch an der Hauptfigur.

Mit Kardinal Lomeli gibt Robert Harris uns einen sehr interresanten Charakter an die Hand. Lomeli ist ein Manager, das hat zumindest der verstorbene heilige Vater zu ihm gesagt. Ihm obliegt es die Kardinäle durch dieses schwierige Konklave zu leiten. Doch Lomeli ist kein folgsamer Diener Gottes, er wird von Zweifeln geplagt, hadert mit seinem Schicksal, der Verantwortung und der Möglichkeit selbst Papst zu werden, die wie ein Damoklesschwert über ihm schwebt.
Lomeli ist ein beeindruckender Charakter, der auf der einen Seite meinen Respekt verdient, weil er sich unermüdlich dahinterklemmt, die offenen Fragen zu klären, die mit den Favoriten im Rennen um den Heiligen Stuhl verbunden sind. Hat der Papst wirklich den kanadischen Kardinal entlassen? Welches Geheimnis hat der Favorit aus Afrika und wer zum Teufel ist der Kardinal aus Bagdad, den der verstorbene Heilige Vater im geheimen berufen hat?

Die Antwort auf alle diese Fragen kummuliert sich in einem Herzschlagfinale, das für meinen Geschmack ein bisschen zu dick aufgetragen war. Noch dazu, weil ich das Geheimnis um den Kardinal aus Bagdad gleich erraten hatte.

Fazit:

Konklave ist ein sehr dichtes, sehr gut recherchiertes Buch. Man darf es nicht in die Hand nehmen und einen Vatikanthriller ala Dan Brown erwarten. Es ist politisch und verworren, aber deswegen sicher nicht unspannend.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!


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