[Rezension] Der Gobelin des Königs


Titel: Der Gobelin des Königs
Autor: Nancy Bilyeau
Verlag: DTV
Umfang: 464 S. 
ISBN: 978-3-423-42952-8
Reihe: Joana Stafford #3
Preis: 16.99€ broschur
13.99€ Ebook

Wertung: ✰✰✰

Inhalt: 

Joanna zwischen Glauben, Macht und Liebe

Joanna Stafford wird als Tapisseriemeisterin an den Hof Heinrichs VIII. befohlen. Widerstrebend gehorcht sie - und gerät prompt in ein Netz hinterlistiger Intrigen. Sie trifft auf unliebsame Bekannte, sieht aber auch Bruder Edmund und Geoffrey Scovill wieder. Die rasanten Ereignisse führen sie bis nach Regensburg und Heidelberg, wo Joanna auf dem Schloss eingekerkert wird …


Meinung: 

Oh kitschige Tudor-Romane, wie ich euch liebe!
Ich, die ich normalerweise immer nur dann schwach werde, wenn Schwerter klirren, und sich männliche Protagonisten durch Blut, Schweiß und Tränen quälen, werde weiche, sobald ich den Namen Henry Tudor höre. Die Tudors sind eine der wenigen Ausnahmen, bei denen ich mich in die "Niederrungen" der historischen Unterhaltungsliteratur wage. Starke weibliche Heldinnen, die versuchen am intreganten Hof der Tudors ihr Glück zu machen, ganiert, mit immer den selben historischen Figuren, deren Schicksal ich eh schon aus dem FF kenne? 
Immer her damit! 

Ich wusste, dass ich diesen Roman lesen MUSS, weil ich allein schon das Cover liebe. 
So so schön, passt es perfekt zur Geschichte. 

Zu Beginn muss ich sagen: UPS das Buch ist der finale Teil einer Trilogie. Das habe ich nicht gewusst. Schöner Mist. Man kann ihn natürlich auch lesen, ohne die beiden Vorgänger zu kennen - die Autorin hat ausführliche Einführungen, Rückblenden und Erklärungen für alles - der richtige Genuss kommt natürlich erst dann, wenn man sich auf diesen Teil schon lange gefreut hat. 

Erzählt wird die Geschichte von Joanna Strafford. Ehemals Nonne, doch seit der Auflösung der Klöster ist die Gute auch als Spionin, Kamikaze-Agentin und moralischer Kompass des Tudor-Hofs unterwegs. Joanna ist - für mich - die typische weibliche Protagonistin, die in den ersten beiden Bänden - was man so hört - ihre Hochs, Tiefs, gefährliche Situationen, Liebe, Hass, Trauer, Wut und was weiß ich noch alles überlebt und durchgestanden hat. 
Jetzt wird sie an den Hof bestellt - was ihr sehr missfällt, weil Whitehall ein Sündenpfuhl und eine Schlangegrube ist - der aktuellen Königin Anna von Kleve, ihre selbstgefertigten Gobelins so gut gefallen. 
Kaum im königlichen Palast angekommen, gibt es gleich einen Anschlag auf Joannas Leben, der nicht der einzige bleiben wird. Joanna wird damit betraut einen weiteren Gobelin anzufertigen, und eine gefahrvolle Reise aufs Festland beginnt. Außerdem versucht die Heldin ihre verschollene große Liebe zu finden.
Joanna schwankt während des ganzen Buches zwischen "dumm wie Brot" und "head first, fearless" hin und her. 
Als der erste Anschlag auf ihr Leben verübt wird, versucht Joanna zunächst ungefähr 20 Seiten lang die Sache runterzuspielen, und das eingedenk all dem Zeug, das ihr in den ersten beiden Bänden passiert ist. Sie verhält sich manchmal so naiv und blauäugig, dass es mir schwerfiel, nicht laut aufzustöhnen. 
Zwar ist Joanna das, was ich als beherzt bezeichnen würde, und sie kann auch mal anpacken und Butter bei die Fische, insgesamt, ist und bleibt sie aber die 0815 Cookie-Cutter-Version einer Heldin, die ich schon tausend Mal getroffen habe. Sie hat nichts, was sie irgendwie aus der großen Masse der Protagonistinnen herausstechen liese. 

Dass die Autorin großes Wissen über die Tudor-Zeit hat, stellt sie unter Beweis. Rein von der Thematik und der Recherche her, hat sie alles richtig gemacht und diese Zeit der Umbrüche, der religiösen Zerrissenheit, der Anspannung wird fühlbar. Die historischen Figuren, die auftreten: Anna von Kleve, Catherine Howard, Thomas Culpepper, Thomas Cromwell, sind das Salz in der Suppe dieses Buches. Von mir aus hätte Joanna nicht auf diese Tour de Farce durch halb Europa gehen müssen. Die Tudors sind stark genug, als Sujet, aber gut. 
Die ersten 100 Seiten waren etwas mühsam, danach entfaltet sich aber ein schnell voranschreitender Plot, der natürlich seine Spannungsmomente hat. Insgesamt, war er gut, aber wenn ich es - mit den Ereignissen der ersten beide Bände vergleiche, die die Autorin für uns zusammengefasst hat - fand ich den Höhepunkt hier, etwas flach. Das Ende wird Fans sicher begeistern. 

Fazit:

Ich gebe dem Buch drei Sterne. Weil drei Sterne für mich gute Bücher sind, die mich unterhalten haben, aber die eben nichts haben, was sie aus der Masse der (historischen) Romane herausstechen ließe. 
Wenn ihr starke Frauenfiguren und die Tudors mögt, dann könnt ihr mit den Joanna Stafford Büchern absolut nichts falsch machen. 
Aber tut euch selbst einen Gefallen und fangt mit Band eins an. 

Hier die Cover zu Bd. 1+2






Danke an den DTV Verlag für die Bereitstellung eines Exemplars

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