[Rezension] Maskenball

Titel: Maskenball
Autor: Karolyn Ciseau
Umfang: 25 S. 
Reihe: Die Zeitwanderer

Wertung: 
✰✰✰✰

Inhalt: 

»Ben arbeitet am Institut für Zeitreise-Technik. Er betreut die Chronos.« Diese Worte lassen Alison hellhörig werden. Eigentlich müssten sie und Melissa noch ein ganzes Semester auf ihre erste Zeitreise warten, doch plötzlich ergibt sich eine unerwartete Möglichkeit. Bei Nacht und Nebel steigen die beiden Freundinnen in die Zeitreisemaschine und finden sich auf einem Maskenball im Venedig des 18. Jahrhunderts wieder. Doch nicht hinter jeder Maske verbirgt sich ein freundliches Gesicht ... 




Meinung: 

Zwei Tage bin ich um Maskenball herumgeschlichen. 
Zwei Tage, in denen ich die Pros- und Contras abgewogen habe. 
Ich mag Venedig. Ich mag das 18. Jahrhundert. Ich mag Maskenbälle. 
Aber ich mag keine Zeitreiseplots. Die sind doof. Immer. Ich fang immer an physikalisch daran herumzudoktern und sie stoppen mein Leben mindestens für eine Woche. 

Aber dann dachte ich, egal, es sind 25 Seiten, stell dich nicht so an, außerdem es ist gratis. 
Clever gemacht von der Autorin. 

Ich hab mir das Buch also heruntergeladen und in der Mittagspause gelesen. 

Wir treffen auf Alison. Sie studiert an der Uni um irgendwann professionell mit dem Cronos durch die Zeit zu reisen. Eines Abends ergibt sich die Möglichkeit - nicht ganz legal - ihre erste Zeitreise zu absolvieren. Alison stimmt zu, landet im Venedig des 18. Jahrhunderts und macht eine schockierende Entdeckung. 

First things first. 
Die Idee der Autorin, dass die Zeitreisenden nur unbeteiligte Beobachter der Geschichte sind. Also unsichtbare Geister, die feste Materie durchschreiten und nicht in das Geschehen eingreifen können, hat mir gut gefallen. 
Die Autorin umgeht so geschickt, alle vertreufelten Probleme, die sich sonst aus einer Unterbrechung des Raum-Zeit-Kontinuums ergeben. 
Dennoch grübele ich über mindestens 2 Dutzend Fragen - hab ich erwähnt, dass ich deshalb Zeitreiseplots hasse? Sie stoppen mein Leben ... für eine Woche - und ich hoffe die Autorin beantwortet sie in ihrem Roman
Weil im Ernst, ich weiß ja, dass diese ganze Chause nur aufgezogen und erwähnt wird, damit die Protagonistin mal wieder die besondere Schneeflocke ist, bei der es mal wieder anders läuft. Denn schon bei ihrem ersten Sprung zurück ins 18. Jahrhundert ist Alison sich sicher, dass der Typ, dem sie gefolgt ist, sie sehen und hören konnte. 
Ich frage mich halt, was es den Wissenschaftlern bringt, durch die Zeit zu reisen und dann selenruhig danebenzustehen, wie die Titanic den Eisberg rammt oder das Attentat auf Hitler mal wieder in die Hose geht? Wo ist der Mehrwert für die Menschheit, jetzt herauszubekommen wer zum Teufel Jack the Ripper war? Klar, wollen wir es alle wissen, aber dafür den ganzen fancy Kram erfinden (sah teuer aus) und bestimmt kostet das auch ein haufen Geld. Und wie weit kann man überhaupt zurückreisen? Bis gestern? Kann man so Morde aufklären? 
Ihr seht, was das Buch mit mir gemacht hat, ja?
Seht ihr es?

Okay, ihr habt verstanden, dass das Buch sich in mein Hirn gefressen hat. 
Warum bekommt es nicht volle Punktzahl?
Ganz klare Antwort: Alison
Ich weiß jetzt schon, dass sie mich, wenn ich heute Abend anfange den Roman über sie zu lesen (ja ich musste mir ihn kaufen, weil ... siehe oben) zur Weißglut treiben wird. 
Ich kenne sie erst 25 Seiten, aber sie ist die Art Protagonistin, die es mir nicht leicht macht. 
Schon jetzt kann ich sagen, dass sie das schüchterne Mädchen ist, das keinen Bock auf Partys hat. Natürlich hat sie eine "quirlige Freundin, die immer gut drauf ist" um ihre eigenen Defizite in die Richtung zu kaschieren und natürlich ist sie die besondere Schneeflocke, bei der mal wieder alles ganz anders läuft und die Sache mit der Zeitreise gehörig schiefläuft. 
Das wird nicht leicht, aber ich versuche es mit ihr, und hoffe, dass sie im Laufe der längeren Handlung eine ordentliche Entwicklung hinlegt. 

Der Schreibstil von Karolyn Ciseau hat mir gut gefallen, obwohl sie im Präsens schreibt, was mir nicht so liegt. 
Die Teile im hier und jetzt, gefielen mir besser, als der Part, der in Venedig spielt. Während der Text in der Gegenwart sehr detailiert ist, war mir die Vergangenheit zu beliebig. Venedig, war nicht wirklich Venedig, sondern eher eine Kulisse, mit random Bettler (einer), ein paar Gondeln und einem Palazzo. Mir fehlten da die Sinneseindrücke und das es etwas mehr auf den Punkt ist. Alles wird nur mit Oberbegriffen beschrieben, wie "Tanzmusik" "Ballkleid" für eine Studentin der Geschichte, die immerhin in einem Semester mit ihrem Studium fertig ist und dann als Beobachterin fremde Epochen bereist, gibt Alison ein schwaches Bild ab. 
Auch die ständige Wiederholung ihrerseits, das niemand sie sehen kann, war etwas enervierend, denn die Regeln der Zeitreise, sind ja so einfach und klar umrissen, dass sie nicht jede Seite wiederholt werden müssen. Die Autorin benutzt diesen Füllsätze aber sehr oft "obwohl ich weiß, dass er mich nicht sehen kann" etc. um Überleitungen zu schaffen und ich hoffe, dass sich das im Roman auswächst.

Fazit: 
Maskenball ist eine nette Kurzgeschichte, die Lust auf mehr macht. 
Zwar hat sie ein paar kleine Schwächen, aber im Großen und Ganzen gefällt mir die Welt, die Karolyn Ciseau erschaffen hat und ja, ich werde mich an ihrem Roman versuchen.

 

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