[Rezension] Medici - die Macht des Geldes









Preis: € 12,99 [D]

Seitenanzahl: 447

Reihe: Auftakt einer Trilogie

Verlag: Goldmann

Meine Wertung: ✰✰✰





Inhalt: 

Florenz im Februar 1429: 
 Als der Bankier Giovanni de‘ Medici stirbt, hinterlässt er ein enormes Vermögen und ein hervorragend funktionierendes Netzwerk. Seine Söhne Cosimo und Lorenzo sollen gemeinsam die Leitung von Familie und Geschäft übernehmen. „Politisch nüchtern, im eigenen Leben maßvoll zurückhaltend, aber entschlossen im Handeln“ – das sind die fundamentalen Verhaltensregeln, die Giovanni seinen Söhnen sterbend aufträgt. Doch so einfach lässt sich sein letzter Wunsch nicht erfüllen, denn Giovanni hatte mächtige Feinde. Vor allem der verschlagene und blutrünstige Rinaldo degli Albizzi kennt nur ein Ziel: die Vorherrschaft in Florenz zu übernehmen. Und dafür ist ihm jedes Mittel recht ...


Meinung:  

Was habe ich mich auf dieses Buch und die dazu gehörige Reihe gefreut. Der Name Medici ist - genauso wie die Namen Borgia oder Tudor - ein Garant für schillernste und beste Unterhaltung im historischen Bereich. Diese Familien haben die Geschicke von Städten, Ländern, Königreichen gelenkt. Intrigen, Mord, Verschwörungen, Ränke, politisches Kalkül. Genau das hatte ich mir von Matteo Strukuls Buch erhofft. 
Leider Gottes ist Medici - die Macht des Geldes weit hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben.

Ich bin - wie ihr ja alle wisst - ein großer Fan historischer Romane. Ich hab mich schon durch einige Wälzer durchgekämpft und ich kann von mir behaupten, dass ich - nach Abstechern zu Gablé, Follet und Cornwell - Sitzfleisch habe, was auch mal langatmige Stoffe angeht. Aber, und da bin ich ganz ehrlich, der Stil von Strukuls Buch, war einfach nicht der meine.
Ich hatte dieses Problem schon mit einigen italienischen Autoren und bin fast versucht es eine Eigenart der Italiener zu nennen. Denn Strukul verwendet den allwissenden Erzähler und damit kam ich nicht klar. Alles wirkte irgendwie "weit weg" und ich hatte überhaupt keine Verbidung zu den aggierenden Figuren. Und das bei so schillernden Persönlichkeiten wie Cosimo und Lorenzo de Medici! Da verbringt man fast 500 Seiten bei il Magnifico und es schert einen nicht. 
Gerade auf den ersten 250 Seiten, wirkt alles wie in Zeitraffer dahinerzählt. Szenen enden ganz plötzlich mit einem schnellen Überleitungssatz wie "Und er ging zu Pferden". Alles in allem hat mir das Homogene gefehlt. Die einzelnen (sehr kurzen) Kapitel waren Szenen und Begebenheiten, und meistens verriet die Überschrift schon den kompletten Inhalt der nächsten Seiten. Der Roman wirkte eher wie ein loses Konstrukt aus vielen kleinen Teilgeschichten, als ein großes Ganzes.

Was noch erschwerend hinzukommt ist, dass man auf den ersten 100 Seiten mit Namen geradezu erschlagen wird. Ein Dramatis Personae existiert nicht, lediglich ein Stammbaum der Medicis, ist auf die Innenseite der Klappbroschur aufgedruckt. Der ist zwar sehr schön gestaltet, hilft aber auch nicht weiter. Denn der Autor hält sich nicht groß damit auf, uns zu erklären, was los ist. Er erklärt einfach, dass Francesco Sforza gen Lucca reitet und das ist nicht gut. Wenn man sich also nicht mit den Namen, Verbindungen und der komplizierten Politik der italienischen Stadtstaaten auskennt und zumindest einen Ahnung davon hat, kann man von der Fülle der Informationen und der Namen erschlagen werden. Ich hätte mir auf jeden Fall ein Namensregister und eine Karte gewünscht, um der Handlung ein wenig besser folgen zu können. 

Matteo Strukul wollte mit dieser Reihe einen ganz großen Wurf machen. Er erzählt die Geschichte einer der größten und mächtigsten Familien über mehrer Jahrzehnte hinweg, in drei Bänden. Und im Stile großer historischer Epen, wie die Säulen der Erde, dachte Strukul wohl, dass er nur dann so richtig in dieses Setting eintauchen kann, wenn er - wie viele Autoren des Genres - das ganze mit ordentlich Sex durchmischt. Ich bin, was erotische Literatur betrifft, weiß Gott keine Kostverächterin. Aber ich bin es wirklich leid, dass ein Großteil der weiblichen Figuren - und seien es nur die Bäuerrinnen am Straßenrand - nur dazu benutzt werden um sexuelles in den Text zu prügeln. Und das auf eine Art und Weise die einfach nur deplaziert, billig und peinlich schlecht ist. 

Normalerweise bin ich kein Fan von Zitaten, aber ich finde, dieser Punkt hat ein Beispiel verdient. 

[...]Sie nahm sein Glied in die Hand. Es war prall und groß. Der erste Lusttropfen perlte die Eichel hinab. 
"Lutsch ihn mir, oder ich schieb ihn dir in den Rachen."
Laura nahm den Schwanz in den Mund[...]

Sorry aber, nein. 
Einfach nur nein. Diese Szene ist so ... peinlich schlecht. Sie ist schlecht geschrieben. Nur Hauptsätze. Keine Gefühle, keine Tiefe, kein gar nichts. Eine Frau wird mal wieder zu einem Blow-Job gezwungen, weil ...das ist ein historischer Roman Baby und das gehört dazu. Auch eine angedrohte, orale Vergwaltigung gehört dazu, war damals halt so. Get over it. Ich bin es (als Leser und als Frau) SO Leid, diesen Mist immer und immer wieder vorgesetzt zu bekommen.  Diese Szene hatte 0 Mehrwert für die Story. Sie führt nirgendwo hin. Sie ist nicht gut,  nicht erotisch ansprechend, sie ist einfach nur da. Und das nervt mich. Ich sage nicht, dass es keine (sexuelle) Gewalt gegen Frauen gibt/gab, oder dass damals die Zeiten nicht finster waren. Ich habe nur etwas dagegen, dass Autoren solcher Stoffe, solche Szenen immer einbauen, um die männliche Dominanz über die (damals rechtlosen) Frauen zu demonstrieren.
 Und das Buch ist voll von solchen unnützen, unästhetischen Szenen. Ein paar Kapitel weiter kommt auch Sforza zum Zug.

[...] Während der Hauptmann an der Brust der jungen Bäuerin hing, ließ das andere Mädchen seine Beinkleider herunter. Sie umfasste sein Glied und fuhr ihm dabei mit den Nägeln liebkosend über den Sack, was ihn vor Verlangen zum Stöhnen brachte. Dann umschloss sie ihn, mit ihren feuchten vollen Lippen [...]

Jesus Christ. 
Nicht nur strorzt dieser kleine Abschnitt geradezu vor Bezugsfehlern, denn ich glaube kaum, dass der Sack von Francesco Sforza vor Verlangen stöhnen kann. Nein. Ich meine REALLY, anstatt das der Autor Fokus auf darauf legt, aus seinen papierdünnen Medici-Protagonisten gescheite Charaktere zu machen, für die man brennt und mit denen man mitfiebert und mitleidet, konzentriert er sich lieber auf DAS hier, weil er scheinbar glaubt, ein ordentliches historisches Epos ist nicht komplett, ohne ein bisschen herzhaften Sex und die Erniedrigung weiblicher Figuren.

Fazit: 
Ich hatte, wenn ich ehrlich bin, viel mehr von dem Buch erwartet. Zwar hat Strukul versucht die Zeit der Medici, ihre poltischen Ränke, das Machtgefüge und die Rivaltäten der einzelnen Stadtstaaten in ein Buch zu pressen, allerdings ging das auf Kosten seiner Charaktere, zu denen ich nie wirklich eine Beziehung aufbauen konnte. 
Ich finde es wirklich entsetzlich Schade, weil ich gehofft hatte, dass Medici - die Macht des Geldes eins meiner historischen Jahreshighligts wird. Und, dass ich mir mit den Folgebänden den Sommer versüßen kann. 
Doch nach der leidvollen Erfahrung bei Band eins, werde ich erst einmal keine weiteren Bücher von Matteo Strukul lesen. 




Kommentare

  1. Hey :)

    Ich habe genau aus denselben Gründen wie du überlegt, ob mich diese Geschichte interessiert. Aber du zählst einen Haufen gute Gründe auf, warum ich wohl eher die Finger davon lassen sollte ... Alleine bei den Sex-Szenen wird mir ja schon ganz anders *schauder*.

    Liebe Grüße
    Ascari

    AntwortenLöschen
  2. Huhu Nadine!

    "Medici - Die Macht des Geldes" ist ein Roman mit dem ich jetzt tatsächlich länger geliebäugelt habe.
    Vor deiner hatte ich schon eine andere eher negative Rezension gelesen, aber deine verfestigt meine Meinung, dass das Buch wohl leider doch nichts für mich ist.
    Ich kann es ja schon nicht leiden, wenn Charaktere unnahbar bleiben, aber mit dem allwissenden Erzähler komme ich auch oft nicht klar. Irgendwie können die wenigsten Autoren diese Perspektive gut schreiben.
    An Sex habe ich bei dem Buch zugegeben quasi gar nicht gedacht. Ich finde es traurig, dass das wohl heutzutage Standard für gute Bücher ist. Eine Sexszene hier und da ist ja okay, wenn sie ein Ziel verfolgt, aber auch nur dann.
    Und wenn man dann auch noch die Geschichte der Medicis auswendig können muss, um die Handlung halbwegs verfolgen zu können...
    Schade eigentlich. Ich hätte gerne etwas mehr über diese Familie erfahren, aber das wird wohl nicht mein Zugang zu ihnen sein.
    Vielen Dank für deine ausführliche Rezension!

    Ich habe sie auf meiner Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    Liebe Grüße,
    Diana

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Diana

      danke für deinen Kommentar.
      Ich bin immer noch nicht darüber hinweg, dass das Buch einfach nichts war. :(

      Vielen Dank für deine Verlinkung und schönen Restfeiertag

      lg
      Nadine

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Rezension] Eisige Schwestern

[Bookrant] Pakt des Blutes

[Montagsfrage] Kommentare