[Rezension] the Couple next Door









Preis: € 15,- [D]

Seitenanzahl: 350

Reihe: Einzelband

Verlag: Bastei Lübbe

Meine Wertung: ✰✰✰✫





Inhalt: 

Deine Nachbarin möchte nicht, dass du dein Baby zur Dinnerparty mitbringst. Dein Ehemann sagt, das sei schon in Ordnung. Ihr wohnt ja gleich nebenan. Außerdem habt ihr ein Babyfon und könnt abwechselnd nach der Kleinen sehen. Deine Tochter schläft, als du das letzte Mal nach ihr siehst. Doch jetzt herrscht Totenstille im Haus. Du rennst ins Kinderzimmer – und dein schlimmster Alptraum wird wahr: Die Wiege ist leer.
Es bleibt nur eins: die Polizei zu rufen – doch wer weiß, was sie finden wird …
Meinung: 
2017 war für mich, bis jetzt, ein ungewöhnlich gutes Thrillerjahr und the couple next door, hat mich irgendwie sofort gereizt. Ich weiß ja, dass viele Menschen - insbesondere Frauen - Plots mit entführten und/oder getöteten Kindern nicht lesen können, also wenn das nicht so euer Ding ist, dann solltet ihr eher ein anderes Buch auswählen. Aber das wäre schade, denn Shari Lapena hat ein wirklich gutes Buch geschrieben, mit ein paar fiesen Plottwists, die einem die Kinnlade herunterfallen lassen. 

Es beginnt eigentlich ganz harmlos. 
Anne und Marco werden vom Paar nebenan (Cynthia und Graham) zum Abendessen eingeladen. Dummerweise sagt der Babysitter in letzter Minute ab, und Cynthia hat eine strikte "keine Kinder" Regelung für ihr Haus. Doch alles kein Problem, nicht wahr? 
Marco überredet Anne einfach das Babyfon mitzunehmen und alle halbe Stunde nach der kleinen zu sehen.
Was soll schon passieren?
Doch als Anne und ihr Mann mitten in der Nacht nach Hause kommen, steht die Vordertür auf und Cora, ihr Baby, ist weg. 

Ich muss sagen, bis fast zum Schluss hatte Shari Lepana mich. 
Sie hatte mich mit einem unheimlich gut konstruierten, vielschichtigen Plot und einer Grundidee, die faszinierend und erschreckend zugleich ist. 
Was wissen wir wirklich über die Menschen, mit denen wir zusammenleben?
Welche Geheimnisse, welche Abgründe verbergen sie vor uns, und was tun wir, wenn wir dahinter kommen und die Wahrheit herausfinden?

 Ich war begeistert und erschüttert, über die Kaltblütigkeit und manchmal auch über die Dummheit der Figuren. Es war ein wirklich guter, schneller, mitreißender Plot, leider fand ich die Auflösung und das Ende dann wiederrum nicht so gut. Zumindest nicht, im Vergleich mit dem, was Lapena vorher abliefert. 
Es ist einfach das Problem vieler, wirklich guter Thriller, dass das Ende dann doch irgendwie enttäuscht. Vielleicht liegt es in der Natur der Sache. Du bist über 300 Seiten lang gefesselt von einer grandiosen Geschichte und am Ende ist der Ursprung der Idee etwas relativ banales. 
Ich weiß nicht, was für ein Grandeur ich immer am Ende eines Thriller erwarte ... wirklich nicht. Nur meistens ist da dann dieses Gefühl ... dieser Gedanke von "Und das wars jetzt? Das ist alles?" der mich dann einfach nicht loslässt. 

Das eigentliche Ende, nach der Auflösung fand ich hingegen fast schon miserabel schlecht ausgeführt, weshalb ich hier einen Stern abziehe. Die Figuren verfallen in eine Art mitternächtlichen Wahnsinn und das fand ich einfach handwerklich und erzählerisch nicht gut gemacht. 

Anne wird eh schon, als emotional instabile Person dargestellt. Sie hat nicht nur eine postnatale Depression, nein, sie hatte immer schon mit psyschichen Problemen zu kämpfen. Sie fühlt sich fett und hässlich und unnütz und gibt sich (wie viele Frauen in ihrer Lage) selbst die Schuld an ihrer Depression. Die meiste Zeit des Buches ist sie ein heulendes Bündel Selbstmittleid und die Autorin tut alles, um dieses Bild aufrecht zu erhalten. Mir fiel es nicht leicht Anne zu mögen, weil sie praktisch keine Entwicklung durchläuft.
Ihr Mann hingegen, war mir von Anfang an unsympathisch. Nicht, nur dass er einfach kein Verständnis für Annes Erkrankung aufbringt (oh er hat einmal gegoogelt, was Depressionen sind, hat sich dann aber auf die Horrorgeschichten über Mütter die ihre Kinder töten eingeschossen). Er vermisst die "alte Anne", die die lustig und happy und sexy war. So, als wäre Depression etwas, dass sich die arme Frau ausgesucht hat oder extra macht um ihn zu Ärgern. Natürlich hat er versucht, sie aufzumuntern, indem er ihr Schokolade mitgebracht hat, aber als das nicht geklappt hat, hat er resigniert.  Nein. Mark hat mich gleich genervt, und da wusste ich nichtmal die Hälfte über ihn.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass Couple next Door ein verdammt gutes Buch war, mit Figuren, die es einem wirklich nicht leicht machen, sie zu mögen. Aber ich glaube, das ist auch gar nicht die Intention der Autorin, die ja zeigen will, dass wir alle unsere dunklen Seiten haben.
Leider ist sie am Schluss für mich über das Ziel hinausgeschossen, weswegen ich einen Stern abziehen muss.

 

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