[Rezension] Sweetbitter









Preis: € 21,90 [D]

Seitenanzahl: 417

Reihe: Einzelband

Verlag: Aufbau

Meine Wertung: ✰✰✰





Inhalt: 

Eigentlich wollte Tess nicht Kellnerin werden. Sie wollte ihrer provinziellen Herkunft entkommen, in die Großstadt eintauchen und endlich herausfinden, wofür sie geschaffen ist. Doch dann landet sie in einem edlen New Yorker Restaurant und es ist wie der Eintritt in ein neues Universum, in dem ganz eigene Regeln und Gesetze herrschen, in dem der falsche Wein im falschen Moment zum Verhängnis werden kann. Oder die Ignoranz gegenüber der Einzigartigkeit einer Auster.
Sweetbitter ist ein großer Roman über den Genuss und die Obsession – darüber, dass man manchmal besessen sein muss, um wirklich genießen zu können.

Meinung: 

Ich wollte Sweetbitter lesen, gleich nachdem ich das Cover gesehen und den Klappentext gelesen hatte. 
Ich mag Bücher, die sich ums Essen, Köche, Restaurants drehen, genauso wie ich Formate wie Chefs Table, Kitchen Wars und die Serie mit Anthony Bourdain liebe. 
Dessen Buch konnte mich ja vor Jahren schwer begeistern und ich hatte einfach so eine Lust mal wieder ein richtig gutes Buch zu lesen, dass sich mit der (verrückten) Obsession beschäftigt, die mit fine dining zusammehängt. 

Jetzt da ich das Buch beendet habe, bleiben gemischte Gefühle zurück. Irgendwie fühle ich mich - trotz der oppulenz der Speißen - irgendwie verdammt unbefriedigt, von Stephanie Danlers hochgelobten Debüt. 

Die ersten 100 Seiten waren sehr vielversprechend, obwohl da schon abzusehen war, dass Tess nicht gerade eine Protagonistin wird, die man ins Herz schließen kann. Aber ich mochte diese kleinen Einschübe übers Essen, über die Geschmacksrichtungen und den Genuss. Da konnte die Autorin ihr Talent entfalten. 
Leider enden diese Episoden recht schnell und wir sind gefangen in Tess Leben. Es ist eine Coming-of-Age Story einer jungen Frau aus der Provinz, die in die große Stadt kommt. Ich vermute - anhand der Vita von Fr. Danler - dass das Buch zumindest teilweise autobiographisch ist.  
Was mir am meisten gefehlt hat, war ein definierbarer Plot und eine herausgearbeitete Motivation der Hauptfigur. 

Tess kommt nach New York, weil ... weil sie keine Lust mehr auf ihre langweilige Kleinstadt hat. Okay. Sie hat genau 146$ auf dem Konto und kennt keinen Menschen in der großen Stadt, aber über den Freund eines Freundes findet sie sofort eine Unterkunft in Trendviertel Williamsburg und eh wir uns versehen - und ein sehr krypitsches und merkwürdiges Vorstellungsgespräch später - ist sie Hilfskellnerin in einem schicken Restaurant. 
Und das wars dann auch schon. 
Tess kellnert nicht, um einem anderen - irgendwie größeren Traum - näher zu kommen. Sie will keine Schauspielerin/Schriftstellerin/Künstlerin werden und das ist ja auch okay. Aber mir fehlte dann doch ein Ziel, auf das Tess hinarbeitet. 

Denn während sie am Tag eine obsessive Beziehung zu ihrer Kollegin Simone eingeht, die sie als Mentorin sieht und von der sie einfach alles über Wein lernen will, verbringt sie ihre Abende und Nächte mit Alkohol und Drogen. 
Okay, die Obsession bestimmt ihr Leben und natürlich gibt es ein Loveinterest dass ihr nicht wirklich gut tun (noch eine Obsession) und das in Gestalt eines attraktiven Barmanns daherkommt, der natürlich auch irgendwie kaputt ist. 

Es fiel mir insgesamt schwer etwas für Tess oder die anderen Figuren zu empfinden. Alle sind egoistische Narzisten und nicht wirklich Menschen, mit denen ich gerne meine Zeit verbringen würde. Eher das Gegenteil. Nun müssen die Protagonisten meiner Bücher nicht immer Personen sein, die den Friedensnobelpreis gewinnen könnten, ich mag schwierige Charaktere mit Ecken und Kanten, aber auch, oder gerade diese Figuren brauchen ja trotzdem etwas, das sie für mich einnimmt, aber Tess war immer schwer zu fassen. Ich hörte ihre Stimme in meinem Kopf, die mir endlos von diesem oder jenen Wein erzählte oder wie es ist eine Auster zu essen, aber ich fühlte es nicht, was bei einem Buch zu diesem Thema irgendwie unbefriedigend ist. 

Stephanie Danler kann schreiben. Sie hat ein paar wunderbare Abschnitte in diesem Buch, in die man eintauchen kann. Leider merkt man dem Buch aber an, dass es sehr verkopft ist und es mit dem literarischen Anspruch bisweilen übertreibt. Vorallem die Dialoge klangen oft so gesteltzt und hölzern, dass ich öfters dachte "So redet doch kein Mensch." Auch nicht in einem schicken New Yorker Restaurant. Nirgends. 


✬✬✬

Ich habe die ganze Zeit auf eine Art Aha-Erlebnis gewartet, das sich aber nicht eingestellt hat. Wir folgen Tess durch die Jahreszeiten, plötzlich ist wieder Frühling und das Buch ist vorbei. 
Und ich hatte irgendwie das Gefühl am langen Arm verhungert zu sein. 

✬✬✬

Danke an Netgalley und Aufbau für das Exemplar


Kommentare

  1. Oh, das hört sich so gar nicht nach dem an, was ich mir unter diesem Roman vorgestellt hatte. Irgendwie macht mich deine Rezension trotzdem neugierig.

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  2. Hallo :)
    das Buch hört sich sehr interessant an. Schade das die Geschichte scheinbar nur so dahinplätschert und kein wirkliches Ziel hat.

    LG

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