[Rezension] Das Haus in Cold Hill












Preis: € 9,99 [D]


Seitenanzahl:368


Reihe: /

Verlag: Fischer


Meine Wertung: ✰




Inhalt: 

Für Ollie und Caro Harcourt und ihre Tochter Jade ist es ein wirkliches Abenteuer: Ihr neues Zuhause ist ein riesiger, verfallener alter Kasten. Genau das Richtige, um es von Grund auf zu sanieren, eine veritable Geldanlage. Doch die Harcourts sind nicht die einzigen Bewohner. Ungewöhnliche Dinge gehen hier vor sich, eine gespenstische Frau in Grau wandelt durch die Flure. Als die verängstigten Harcourts schließlich die dunkle Geschichte von Cold Hill erfahren, ahnen sie, dass ihr Leben auf dem Spiel stehen könnte.

Meinung: 

Bei Gott, es gibt nichts, was ich mehr liebe, als ein tolles Gruselbuch. 
Kein Splatter, keine Werwölfe, keine Vampire. Einfach nur guter, alter, viktorianischer Grusel. Ein altes Herrenhaus, eine Familie, ein Geist und eine ausweglose Situation, die nach und nach eskaliert. 
 Leider sind solche Bücher a) verdammt schwer aufzutreiben, und b) verdammt schwer zu schreiben. 
Nur wenige Autoren haben es wirklich so drauf, einen Text so zu formulieren, dass mir bei lesen diese wohligen Gruselschauder über den Rücken laufen. 

Ich sag das wirklich nicht gern, aber ich hatte schon seit Langem kein Buch mehr, dass mich so allumfassend enttäuscht hat, wie Das Haus in Cold Hill. 
Dabei klangt der Klappentext so vielversprechend!

Ich hatte mich also auf einen guten, alten Oldschool Grusel gefreut und es fing ja auch gut an. Mit einem alten Herrenhaus in England. Ein bisschen heruntergekommen, dass von einer Yuppie-Familie gekauft wird, der du eh von Seite eins ab den Tod wünschst. 

Also Ollie, Caro und Jade aka die umsymphatischsten und belangslosesten Menschen Englands, ziehen von Brighton aus nach Cold Hill. Für ihren Traum vom Herrenhaus haben sie sich finanziell weit aus dem Fenster gelehnt. Die Tochter ist motzig, weil sie, durch den Umzug, ihre Freunde verliert, aber der Traum der Eltern irgendwann Downton-Abbey artige Gartenfeste im hochherrschaftlichen Anwesen zu schmeißen, ist natürlich wichtiger als alles andere. 

Schon kurz nach dem Einzug, passieren Dinge, die wohl "spooky" sein sollen, aber sie sind so IN DEIN GESICHT, dass ich dieses Buch auch ohne Probleme um Mitternacht auf einem alten Indianerfriedhof lesen würde. 
Bsp.: Jade Videochatet mit ihrer BFF und plötzlich sagt die "Wer ist die alte Frau hinter dir? Hallo alte Frau" *wink*
Und zack reißt die Verbindung. Jade dreht sich um, aber da ist niemand. 
Wow ... wie gruselig. Nicht. Ich persönlich hatte das alles schon hundertmal und hundertmal besser. 

Die merkwürdigen Erscheinungen gehen weiter. Die Hauskatzen benehmen sich komisch und es gibt Lichtreflexionen. Aber natürlich reagiert Hausherr Ollie, wie alle vollidiotischen Horrorfilm-Charaktere und tut das erst mal alles als nichts ab. Weil aber die Auftritte des Geistes so IN DEIN GESICHT sind, zweifelst du schon nach ungefähr 40 Seiten an der geistigen Zurechnungsfähigkeit der handelnden Personen. 

Auf Seite 65 dann ca. erfährt Ollie von seiner "hellsichtigen" Schwiegermutter, dass sie einen Geist gesehen hat. Ollie hat schon auf Seite 50 von exakt diesem Geist im blauen Kleid gehört und auf Seite 66 sagt sogar sein Schwiegervater, dass er ihn gesehen hat. 
Ollies Reaktion darauf? Erst mal gar nichts. Nein stimmt nicht, er philosophiert darüber nach, ob ein Geist nicht a) zu einem solchen Haus dazugehört (WTF) und b) ob das nicht hätte in den Kaufunterlagen hätte stehen sollen (sic)
Wir reden hier nicht von einem hypothetischen Geist, sondern von einer tatsächlichen Erscheinung, die schon vor Seite 100 von 5! verschiedenen Personen gesehen und exakt gleich beschrieben wurde.

Aber statt Grusel bekommen wir seitenweise Ollies stinklangweiligen Alltag vorgesetzt. Er ist Webdesigner und wir hängen bei ihm rum, wie er sich erst Frühstück, macht. Dann rauf ins Turmzimmer geht. Ein paar Internetseiten anklickt. Dann nach unten geht um sich ein Thunfischsandwich zu machen. Bla bla bla. Wenn wir nicht damit beschäftigt sind Ollie bei seinem langweiligen Leben zu beobachten, dürfen wir das unerträgliche Gemotze seiner Tochter genießen. Nach ungefähr 50 Seiten war ich ganz klar #TeamGeist und wollte, dass diese grässlichen Yuppies schnellst und schlimmstmöglichst abgeschlachtet werden. 

Nach und nach spitzt sich das mit dem Geist dann doch zu.  Und obwohl die Frau mit Korsett und Tornüre durch die Gänge schwebt, als wäre sie aus einem Roman von Edga Allen Poe ausgeliehen, gelingt es ihr fabelhaft modernste Medien zu manipulieren. Todesbotschaften kommen jetzt per Mail oder werden die Startfläche des I-Pads projeziert. 
So lächerlich. 

Das Ende war dann - obwohl sehr gehetzt und wirr - wieder ganz passabel, aber es kann den Scherbenhaufen von einem Plot einfach nicht retten. Vorallem, weil am Ende so viele offene Fragen bleiben!

Die Figuren sind einfach die nervigsten Menschen, die ihr euch vorstellen könnt. 
Auf der einen Seite wird ein Problem daraus generiert, dass sie das Haus nicht verkaufen können, weil sie zu viel Geld hineingesteckt haben, deshalb können sie auch nicht ausziehen. Drei Sätze später redet Ollie wieder davon, was sie demnächst alles nicht anschaffen werden. Den Pool reparieren. Gigantische Geburtstagspartys schmeißen. Ein Pony? Ein Labradoodle? Ein neues I-Pad? Ein Alpacka? Was darfs sein? 

Einen weiteren sehr großen Minuspunkt bekommt das Buch von mir, für das absolut unterträgliche Produkt-Placement. Es ist ja okay, wenn man mal erwähnt, dass eine Person ein I-Pad hat. Oder wenn mal in einem Nebensatz fällt, dass die Sonnenbrille von Ray-Ban ist. Kein Thema. 
Bei Peter James ist es aber, so, dass du dich vorkommst, als hätte er den halben Otto-Katalog in seinen Roman kopiert. 
Die Leute benutzen keinen Staubsauger, nein, sie benutzen einen Dyson. Und bei allem was mir heilig ist, hätte sich Ollie noch ein einziges Mal mehr an seiner Nespresso Kaffeemaschine einen Latte gemacht, hätte ich das Buch aus dem Fenster geschmissen. Bei jedem Produkt, egal was, reibt uns der Autor unter die Nase, von welcher Firma es ist. Und das nervt unheimlich. 
Was soll mir das zeigen? Dass die Harcourts wirklich immer nur das beste und tollste und neuste und schickste haben?
Danke, kann ich drauf verzichten.
 
 Fazit: 

Der einzige Grusel an diesem Buch, ist das Buch an sich.
Der Gruselanteil war schelcht ausgeführt und zu offensichtlich. Die Figuren furchtbar nervig. 
Ich kann das Buch niemandem empfehlen.
 

Kommentare

  1. Das schöne an solchen eher schlechten Büchern sind dann allerdings Rezensionen wie diese... Danke für die gute Unterhaltung. :-)))) Und schade, dass die Geschichte nicht mehr hergegeben hat. Ich bin ja ein großer Gruselfan und es klang so vielversprechend. LG

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